21.08.2020 10:34 |

Zahl erneut gestiegen

124.000 Lenker 2019 mit Handy am Steuer erwischt

123.888 Lenker sind im Vorjahr beim Telefonieren mit dem Handy am Steuer erwischt worden - im Schnitt rund 340 pro Tag. Die Zahl der Delikte wegen Telefonierens am Steuer ohne Freisprecheinrichtung ist damit zum dritten Mal gestiegen, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Freitag berichtete. Zum Vergleich: Die Zahl der Anzeigen wegen Alkohols am Steuer betrug mit 30.930 nur rund ein Viertel davon.

Alle vier Minuten wurde im Vorjahr im Schnitt ein Lenker oder eine Lenkerin beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, verdeutlicht der VCÖ. Die tatsächliche Anzahl der Vergehen sei um ein Vielfaches höher. Eine Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ergab, dass Österreichs Autofahrer allein an einem Tag mehrere Hunderttausend Telefonate ohne Freisprecheinrichtung führen. Wie viele Vergehen geahndet werden, hängt vor allem von der Kontrolldichte ab.

Die meisten Handy-Vergehen wurden 2019 in Wien (26.613) und Niederösterreich (23.927) geahndet. In der Steiermark waren es 22.105 Vergehen, in Oberösterreich 16.247. In Tirol wurden im Vorjahr insgesamt 12.207 Lenker beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung erwischt, in Salzburg waren es 8175 und in Kärnten 7036. In Vorarlberg ahndete die Exekutive 3924 Verstöße und im Burgenland 3627.

„Kein Kavaliersdelikt“
„Handy am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, sondern erhöht massiv das Unfallrisiko“, sagte VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Handy-telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde später und damit in etwa so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben, wie ein Beispiel des VCÖ zeigt: Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem mit 30 km/h fahrenden Pkw auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder.

Wer beim Autolenken am Handy tippt oder im Internet surft, ist sogar bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs, das Unfallrisiko steigt auf das bis zu 23-fache. Ein Pkw legt mit 30 km/h in zwei Sekunden rund 17 Meter zurück, bei 50 km/h rund 28 Meter, 44 Meter bei 80 km/h, rund 55 Meter bei 100 km/h und 72 Meter bei 130 km/h.

VCÖ fordert verstärkte Kontrollen
Der Verkehrsclub fordert daher die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem und verstärkte Kontrollen insbesondere im Ortsgebiet. Denn dort seien schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kinder sowie ältere Fußgängerinnen und Fußgänger durch Handy-Lenker besonders gefährdet.

Wer hierzulande ohne Freisprecheinrichtung erwischt wird, muss an Ort und Stelle ein Organmandat von 50 Euro bezahlen. Verstoßen Fahranfänger gegen das Verbot, müssen sie eine Nachschulung absolvieren und ihre Probezeit wird um ein Jahr verlängert. In anderen Staaten Europas sind die Strafen für das Telefonieren mit dem Handy am Steuer um ein Vielfaches höher. In Italien beträgt die Mindeststrafe 165 Euro, in Spanien und Dänemark jeweils 200 Euro, in Großbritannien umgerechnet 235 Euro und in den Niederlanden 240 Euro. In vielen Staaten ist Handy am Steuer auch ein Delikt im Punkteführerschein bzw. Vormerksystem.

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