10.08.2020 05:00 |

Trotz Erkrankung

Auch Kids mit Diabetes können den Sommer genießen!

Betroffene leben genauso gut wie gesunde Kinder, sie brauchen nur etwas mehr Aufmerksamkeit. Denn natürlich müssen sie die notwendige Therapie - mithilfe ihrer Eltern - strikt einhalten. Aber Sport und Spaß sind natürlich immer erlaubt. Eine Ärztin erklärt, woran Eltern bei ihrem Nachwuchs „Diabetes Typ 1“ erkennen, wie die Behandlung verläuft und gibt außerdem spezielle Tipps für den Sommer.

Trinkt das eigene Kind plötzlich auffällig viel, muss es sehr oft auf die Toilette und verliert an Gewicht, ist rasch ein Besuch beim Kinderarzt angezeigt. Dann besteht nämlich der Verdacht, dass es an „Diabetes Typ 1“ leidet, d. h. sein Körper produziert zu wenig Insulin. Die Erkrankung entwickelt sich oft innerhalb weniger Tage oder Wochen! Der Arzt misst den Blutzucker und führt einen Harnstreifen-Test durch. „Bestätigt sich die Vermutung, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs noch am selben Tag ein Krankenhaus aufsuchen, damit die Behandlung rasch beginnen kann“, appelliert Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar, Leiterin der Diabetesambulanz an der Univ.-klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Wien. „Bitte nicht Tage mit Laborbesuchen und dem Warten auf den Befund verschwenden! Denn es kann zu einer schweren Stoffwechselentgleisung kommen, die mitunter lebensgefährlich ist.“

In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 300 Kinder unter 15 Jahren neu an einem Typ-1-Diabetes, bei einem Drittel davon kommt es durch späte Diagnose sogar zu erwähnter Stoffwechselentgleisung. Steht die Diagnose fest, ist das vor allem für die Eltern ein Schock. Und natürlich ändert sich einiges im Leben der jungen Patienten: Sie müssen ihrem Körper das fehlende Insulin verabreichen (mittels Pen oder Insulinpumpe), häufig ihre Glukose kontrollieren (oft schon mit modernen Sensorgeräten ohne Fingerstich) und auf ihre Ernährung achten. Eine moderne Therapie ist die „künstliche Bauchspeicheldrüse“, bei der die Pumpe und der Sensor die Insulinzufuhr steuern - damit können Unter- und Überzuckerungen reduziert werden.

Das klingt kompliziert und bedeutet für ihre Familien einen Mehraufwand. Doch keine Angst! Gleich nach der Diagnose lernen Eltern und ihre Kids in speziellen Schulungen, wie sie den Diabetes im Alltag meistern und die Maßnahmen schnell zur Gewohnheit werden. „Leider fehlen dafür oft personelle Ressourcen“, kritisiert Prof. Rami-Merhar. Zu Problemen kommt es leider noch oft in Schulen: „Ich höre immer wieder, dass Lehrer sich weigern, ein betroffenes Kind in ihrer Klasse aufzunehmen. Dabei gibt es Pädagogen-Schulungen, in denen Ängste und Bedenken rasch aus dem Weg geräumt werden.“ Das Ziel ist die volle Integration und Teilhabe an allen Aktivitäten, mit etwas Unterstützung ist das auch sehr gut möglich.

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Das gemeinsame Ziel von Eltern, Kindern und ihren Ärzten ist, dass die Erkrankung nicht das Leben dominiert, sondern gut integriert werden kann.

Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar, Leiterin der Diabetesambulanz an der Univ.-klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Wien

Sind z. B. alle Sportarten erlaubt? „Ja, im Prinzip gibt es keine Verbote. Es empfiehlt sich aber eine individuelle Beratung in der Ambulanz“, erklärt Prof. Rami-Merhar. Eine gezielte Sport-Schulung macht es möglich, dass Kinder auch im Sommer alle Aktivitäten mitmachen können und wissen, wie sie Unterzuckerungen möglichst vermeiden: Betroffene verhindern diese, indem sie entweder vorher weniger Insulin spritzen oder zusätzlich Kohlenhydrate zu sich nehmen. Außerdem vorm Sport immer Blutzucker messen und Traubenzucker griffbereit halten. Worauf ist im Sommer noch zu achten? „Sind die Kleinen viel im Wasser, sollten sie etwa wissen, dass sich der Kleber für die Sensoren und Pumpenkatheter leichter lösen kann - hier gibt es spezielle Tipps zur Fixierung. Insulin darf man zudem niemals in der Sonne liegen lassen, sonst wird es kaputt“, gibt die Ärztin noch einige Tipps.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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