Sieg im Wiener Derby

Für die “Veilchen” scheint endlich wieder die Sonne

Fußball
13.09.2010 11:49
Für die "Veilchen" scheint wieder die Sonne, denn mit dem 1:0-Sieg im 294. Wiener Derby gegen Rapid hat die Austria am Sonntag gleich zwei Negativserien mit einem Streich beendet: Nach vier sieglosen Runden gab es endlich wieder drei Punkte, und erstmals seit sechs langen Jahren triumphierten die Violetten wieder im "St. Hanappi"-Stadion. Kein Wunder, dass Trainer Karl Daxbacher strahlt: "Ich freue mich einfach nur. Ich hinterfrage nicht, ob wir glücklich gewonnen haben!"

Zunächst hatte nur wenig auf einen Austria-Erfolg hingedeutet - Rapid kontrollierte die Partie und fand die besseren Chancen vor. "Wir haben zwar gut verteidigt, aber vor allem in der ersten Hälfte sind uns zu viele Ballverluste passiert", analysierte Daxbacher. Dann aber setzte sich die effizientere Mannschaft durch. "Wir haben nicht viel zugelassen und eine unserer wenigen Chancen genützt", meinte der Niederösterreicher, der beim entscheidenden Treffer durch Roland Linz zunächst von einer Abseitsstellung ausging. "Erst im Fernsehen habe ich gesehen, dass es regulär war."

Nicht gegebener Elfer "eine Frechheit"
Rundum zufrieden war Daxbacher mit der Leistung des Schiedsrichter-Teams aber nicht. "Zwei Elfmeter-Situationen wären eindeutig für uns zu geben gewesen", kritisierte der Coach. Zlatko Junuzovic war mehr als verwundert, als er nach einer Attacke von Stefan Kulovits im Strafraum keinen Elfer zugesprochen bekam, sondern wegen einer vermeintlichen Schwalbe im Finish die Gelbe Karte sah. "Das ist eine Frechheit. Er hat mich klar berührt, es war Elfmeter", betonte der Teamspieler. Selbst Rapid-Coach Peter Pacult gab zu: "Wenn der Schiedsrichter Schörgenhofer in dieser Situation anders pfeift, können wir uns nicht beklagen."

Auch ohne Strafstoß rettete sich die Austria über die Zeit und stieß dadurch auf Rang vier vor. Mit Rapid an sechster und Salzburg an achter Stelle sind zwei weitere Europacup-Starter nach der siebenten Runde noch schlechter platziert, was laut Daxbacher an der Doppelbelastung und an der defensiven Spielweise der Gegner liegt. "Wir haben in dieser Saison überraschend Heimspiele verloren, weil es einem die Mannschaften, die hinten kompakt stehen, schwer machen. Uns geht es im Horr-Stadion so, wie es Rapid gegen uns gegangen ist."

Planlose Angriffe der Hütteldorfer
Die Defensiv-Strategie der Austria ging aber nicht nur aufgrund einer starken Abwehr-Leistung auf, sondern auch wegen der oft planlosen Angriffsbemühungen der Hütteldorfer, deren Angreifer Jan Vennegoor of Hesselink und Atdhe Nuhiu weitgehend isoliert waren. "Das Spiel von Rapid ist zu stereotyp abgelaufen. Beide Stürmer waren statisch und für uns relativ leicht zu kontrollieren." Peter Pacult führte die Ineffizienz seiner Angreifer auf das mangelhafte Flügelspiel zurück.

In diesem Zusammenhang äußerte der Rapid-Coach indirekte Kritik an Steffen Hofmann, der für seinen Geschmack zu sehr in die Mitte zog, und an Andreas Dober, dem im dadurch entstehenden Raum die Übersicht fehlte. "Wir waren auf der rechten Seite tot, da ist gar nichts gekommen. Und links haben wir uns oft verzettelt." Zu allem Überdruss ermöglichte Dober auch noch das Austria-Tor, indem er das Abseits aufhob. "Es ist nicht das erste Mal, dass er bei so einer Situation schläft", ärgerte sich Pacult, bemängelte aber auch das zu lasche Attackieren unmittelbar vor dem Gegentreffer.

Farbloser Vennegoor of Hesselink
Sein neuer Stürmer Vennegoor of Hesselink lieferte bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde ein unscheinbares Debüt ab. Dennoch wurde der Niederländer von Pacult in Schutz genommen. "Ich war der Meinung, dass er uns mehr helfen kann, wenn er von Beginn an spielt. Aber wenn keine Flanken kommen, kann er auch nichts machen. Wunderdinge habe ich von ihm keine erwartet." Positiv stimmte den Wiener die Tatsache, dass Rapid bei der vierten Niederlage im siebenten Liga-Match zu einigen guten Chancen kam. "Entscheidend ist die Leistung, da muss man sich keine Sorgen machen. Aber die Punkte fehlen uns jetzt schon enorm."

Mit nur neun Zählern lieferte der Rekordmeister den schlechtesten Liga-Start seit vier Jahren ab. Schuld an der tristen Meisterschaftsbilanz sei laut Pacult vor allem die schlechte Chancenauswertung. "Wir haben schon vor zwei Wochen beim 0:1 gegen den LASK den Gegner beherrscht und dann aus einer Chance ein Tor bekommen. Wichtig ist, dass wir unsere Möglichkeiten haben, aber es zählt eben nur, wenn der Ball ins Tor geht."

Darauf vergaß offenbar Hamdi Salihi, der in der Schlussphase drei Hochkaräter versiebte - Pacult verzichtete allerdings auf öffentliche Kritik am Albaner. "Es gibt solche Phasen, dafür habe ich Verständnis. Oft weiß man als Stürmer auch nicht, wie man seine Tore macht", sprach der Ex-Nationalteam-Angreifer aus eigener Erfahrung.

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