08.07.2020 12:10 |

Suche nach Antikörpern

Infektion schützt nicht immer vor Neuerkrankung

Bislang ging man davon aus, dass man nach einer Corona-Infektion immun gegen das Virus ist. Neue Studien deuten aber darauf hin, dass gerade bei Menschen, die nur wenige bis gar keine Symptome hatten, schon bald nach der Infektion keine Antikörper mehr im Blut nachweisbar sind. Das könnte bedeuten, dass auch jene, die die Erkrankung bereits durchgemacht haben, sich weiter schützen müssen.

Gerade bei der Hoffnung, dass eine Herdenimmunität künftig vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schützen könnte, spielen Antikörper eine wichtige Rolle. So ist man bislang davon ausgegangen, dass einen diese vor einer neuerlichen Infektion bewahren könnten. Doch neueste Beobachtungen wecken nun Zweifel an der Aussagekraft von Antikörpertests und an den derzeit diskutierten Immunitätspässen.

Immunantwort fällt unterschiedlich aus
Zwar ist noch unklar, was das für eine mögliche Immunität bedeutet. Die Immunantwort auf die Covid-19-Erreger scheint bei Menschen aber unterschiedlich auszufallen. Grundsätzlich kann das Immunsystem etwa mit sogenannten T-Zellen auf Krankheitserreger reagieren. Manche T-Zellen aktivieren B-Zellen, die dann Antikörper bilden. Antikörper binden an bestimmte Merkmale von Erregern und können diese so inaktivieren.

Keine Antikörper gefunden
Auf den ersten Blick scheint das Vorhandensein spezieller Antikörper zwar ein guter Hinweis auf eine frühere Infektion zu sein, eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich fand bei Menschen mit milden oder asymptomatischen Verläufen jedoch keine im Blut. Diese sogenannten IgG-Antikörper sind wichtig für das Immungedächtnis - damit das Immunsystem bei erneutem Kontakt mit dem Erreger stärker und schneller reagiert.

Eine weitere vorab veröffentlichte Untersuchung des Lübecker Gesundheitsamts fand bei 30 Prozent von 110 Corona-Infizierten mit ebenfalls höchstens mäßigen Covid-19-Symptomen keine Antikörper. Und im Fachblatt „Nature Medicine“ berichten Forscher aus China, dass bei Infizierten ohne Symptome die Antikörper-Konzentration im Blut bereits nach kurzer Zeit deutlich sank.

Immunität zeitlich begrenzt?
Die aktuellen Studien lassen die Aussagekraft von Antikörper-Massentests, die das Ausmaß der Corona-Infektionswelle in der Bevölkerung klären sollen, fraglich erscheinen. Außerdem könnte eine durch Antikörper gegebene Immunität bei vielen SARS-CoV-2-Infizierten schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), erklärte, dass wohl nicht alle Antikörper eine Infektion verhindern würden. „Ob ein Immunschutz entsteht, muss man an der Realität messen“, so Cichutek.

Starke Infektionen schützen wohl vor Neuerkrankung
Bei Covid-19-Erkrankungen mit schwereren Symptomen werde indes vermutlich schon ein längerfristiger Schutz aufgebaut. Studien zu anderen Coronaviren weisen darauf hin, dass eine komplett verhindernde Immunität vielleicht nur einige Monate bestehen bleibt, wie der Virologe Shane Crotty vom La Jolla Institute of Immunology in Kalifornien dem Fachmagazin „Nature“ erklärte. Eine Symptome abmildernde Immunität könnte es aber länger geben.

Erklärung für unterschiedliche Verläufe
Dazu verweist der Infektionsforscher auf Studien aus den USA und Deutschland: Darin hatten bis zu 30 Prozent der Menschen, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, dennoch bestimmte T-Helferzellen, die auf dieses Coronavirus reagierten: „Wahrscheinlich hatten sie schon einmal Kontakt mit sogenannten Common-Cold-Coronaviren“ - also mit anderen Coronaviren, die herkömmliche Erkältungen auslösen. Ein solcher Kontakt könnte eine Teil-Immunität gegen Covid-19 bieten. „Das würde erklären, warum bei der Infektion so unterschiedliche Verläufe zu sehen sind“, vermutet Thomas Jacobs vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

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