08.07.2020 11:18 |

krone.at-Kolumne

Demos in Favoriten: Nicht noch ein Runder Tisch!

Nach den Ausschreitungen bei einer Kurden-Demo (siehe Video-Reportage oben) vor zwei Wochen fühlen sich nun unsere Politiker bemüßigt, ihre Schlussfolgerungen zum Besten zu geben - das demonstriert schließlich Arbeitseifer. Nun soll dazu ein Runder Tisch stattfinden. Das geht bekanntlich immer. Das Integrationsproblem wird das nicht lösen.

„Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Das scheint auch das Motto von so manchem Politiker zu sein. Denn auch in Sachen Randale-Demo ist ein solches Treffen geplant. Zum Innenminister und der Integrationsministerin gesellen sich dabei auch Integrations- und Islamexperten. Das ist lieb. Aber wenn die betreffenden Vertreter der Demo, also türkische und kurdische Vereine, fehlen, ist das kaum erfolgversprechend.

Runder Tisch oder „Wir tun eh was“
Die verweigern nämlich das gemeinsame Krisen-Gespräch. Das zeigt einmal mehr, wie tief innertürkische Probleme auch hierzulande verankert sind. Bedenklich wird es dann, wenn dieser importierte Konflikt bei uns zu Randalen, Ausschreitungen und Gewalt führt. Dann hat die Integration bei so manchem nicht geklappt und Runde Tische werden auch nicht helfen. Das ist maximal unbeholfene Kosmetik, die zeigen soll, dass eh irgendwas getan wurde. Bringen wird das nichts.

Video: Ausnahmezustand in Wien

Nicht alles kann die Politik lösen
Bei aller Liebe: Nur weil unsere Minister jetzt lautstark einen „Schulterschluss gegen Radikalisierung“ ausrufen und den Vereinen bei einem Krisengespräch auf die Finger klopfen wollen, sich zu vertragen, werden sich die manifesten Integrationsprobleme wohl kaum in Luft auflösen. Dazu braucht es schon mehr. Und hier ist nicht unbedingt die Politik gefordert.

Integration muss von den Zuwanderern kommen
Integration muss nämlich schon auch von den Zuwanderern selbst kommen. Die allermeisten machen das vorbildlich. Und die wenigen Störenfriede, die türkische Konflikte auf Österreichs Straßen austragen, müssen eben anders abgeholt werden. Denn Integrationsprogramme und Krisengespräche helfen nur dann, wenn auch die Bereitschaft zur Mitarbeit gegeben ist. Und das ist bei den Demo-Randalierern wohl eher zu bezweifeln.

Was tun mit Integrationsverweigerern?
Was in jedem Fall niemandem hilft, ist, die Krawall-Demos in Favoriten für den anstehenden Wahlkampf zu missbrauchen. No-na-Stehsätze à la „Das hat in Wien keinen Platz“ mögen zwar wohlklingend sein, sie locken aber auch keinen Randalierer hinter dem Ofen hervor. Wer sich des Problems ernsthaft annehmen will, muss auch eine Antwort darauf haben, was mit beratungsresistenten Integrationsverweigerern zu tun ist. Und die Antwort kann auch hier kein Runder Tisch sein.

Katia Wagner, krone.at

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