Casinos-Vorstand

Sidlo nennt „Freunde“ nicht, hatte „kein Netzwerk“

Politik
01.07.2020 12:25

Der mutmaßlich in die Postenschacher-Affäre bei den Casinos Austria verwickelte Peter Sidlo hat am Mittwoch vor dem Ibiza-U-Ausschuss eher zurückhaltend Angaben gemacht. Sidlo entschlug sich mehrfach der Aussage, da er im Verfahren rund um die Vorgänge in der Casag als Beschuldigter geführt wird. Er habe „kein Netzwerk im Glücksspielbereich“ gehabt, allerdings habe es Kontakt zum damaligen Novomatic-Chef Harald Neumann gegeben. Den habe er über „Freunde“ kennengelernt, so Sidlo. Wer die genau sind, wollte er allerdings nicht sagen.

Gleich zu Beginn der Befragung hatte Sidlo seine Qualifikation für den Posten als Finanzvorstand der Casinos Austria AG (Casag) verteidigt. Sein politisches Engagement bei der FPÖ habe damit nichts zu tun gehabt: „Ja, es stimmt, ich war für eine österreichische Partei in der Vergangenheit ehrenamtlich tätig“, bestritt Sidlo in seinem Eingangsstatement auch gar nicht seine politische Nähe zu den Freiheitlichen. „Ich war aber nie Berufspolitiker, sondern habe mein ganzes Berufsleben in der Finanzwelt verbracht.“ Sidlo verwies etwa auf seine Tätigkeit als Finanzvorstand bei der Sigma Investment AG des blauen ORF-Stiftungsrats Markus Braun.

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Ich habe mir weder moralisch noch strafrechtlich etwas vorzuwerfen.

Peter Sidlo, Ex-Finanzvorstand der Casinos Austria AG

„Ich habe mir weder moralisch noch strafrechtlich etwas vorzuwerfen“, meinte Sidlo auch in Bezug auf das Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in der Causa Casinos gegen ihn. Einvernommen worden sei er von der Behörde noch nicht, berichtete er. Da aber die Ermittlungen im Laufen seien, „werde ich nur sehr eingeschränkt Auskünfte geben können“, kündigte Sidlo an.


Sidlo soll nach „FPÖ-Job“ gefragt haben

Sidlo schilderte anschließend, wie es dazu gekommen sei, dass er sich überhaupt bei der Casag beworben hatte. Im Generalrat der Österreichischen Nationalbank (OeNB) habe er Vorstandschefin Bettina Glatz-Kremsner kennengelernt und mit dieser rasch ein „vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut“. Diese habe ihn wiederum an Casag-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner verwiesen, der bereits vergangene Woche im Untersuchungsausschuss zur Causa ausgesagt hat.

(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Rothensteiner hatte zu Protokoll gegeben, dass Sidlo ihn nach einem „FPÖ-Job“ bei den Casinos Austria gefragt hatte. Sidlo sagte auf eine entsprechende Nachfrage von NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper, er habe dazu „keine Wahrnehmung“. Auch dass er auf einem „Novomatic-Ticket“ in den Casinos-Vorstand gekommen sei, sei ihm erst im Nachhinein bekannt geworden.

Strache unterstützte Sidlo „als Privatperson“
Dass er allerdings Kontakt zu dem damaligen Novomatic-Chef Harald Neumann hatte, bejahte Sidlo. Er habe ihn „auf Veranstaltungen“ und über „einen gemeinsamen Bekannten“ kennengelernt. Konkreter wurde der Ex-FPÖ-Bezirksrat, als es um seine Kontakte zu dem damaligen Vizekanzler und Parteichef Heinz-Christian Strache ging. Er habe diesen Ende August 2018 von seiner Absicht informiert, sich für den Casag-Job zu bewerben.

Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache vor dem U-Ausschuss zum Ibiza-Skandal (Bild: APA/Helmut Fohringer)
Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache vor dem U-Ausschuss zum Ibiza-Skandal

Strache habe ihn anschließend „aus dem Hintergrund heraus als Privatperson unterstützt“, so Sidlo: „Ich kenne ihn seit 25 Jahren.“ Strache selbst hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Bestellung Sidlos auch via Facebook-Posting verteidigt.

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