29.06.2020 06:08 |

Lampedusa-Jahrestag

„Rassistische Grenzpolitik“: Rackete kritisiert EU

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Behörden der EU in der Migrationspolitik Rassismus vorgeworfen. Zum Jahrestag ihrer unerlaubten Einfahrt mit Migranten in einen italienischen Hafen sagte sie: „Ich hatte das Gefühl, dass wir nicht nur zum Retten auf See sein mussten, sondern auch als Zeichen des Widerstands gegen den strukturellen Rassismus der europäischen Behörden.“ Dieser sei in der EU ebenso ein Problem wie in den USA.

Rackete war am 29. Juni vorigen Jahres mit 40 Migranten an Bord in den Hafen von Lampedusa eingefahren, obwohl die damalige Regierung in Rom dies verboten hatte. Sie wurde vorübergehend festgenommen. Der Streit mit dem damaligen rechten Innenminister Matteo Salvini schlug international hohe Wellen. Rackete wurde bei vielen zum Sinnbild der Menschlichkeit.

„Problematische Erzählung“
Dass sie und andere Retter als Helden dargestellt würden, sei „eine zutiefst problematische Erzählung“, sagte Rackete. Sie entziehe den Geretteten „das Rampenlicht und schafft fälschlicherweise die Illusion, dass manche Menschen einzigartig oder anders sind“. Sie wolle nicht im Mittelpunkt stehen. „Es ist nicht nötig, dass eine Weiße als vermeintliche ,Stimme der Stimmlosen‘ die Bühne betritt.“

Kritik an EU-Grenzschutzagentur Frontex
Mit Blick auf die EU-Grenzschutzagentur Frontex sagte die Deutsche: „Das ganze Konzept dieser Agentur besteht darin, die rassistische Grenzpolitik der europäischen Staaten durchzusetzen.“ Frontex wehrte sich gegen die Vorwürfe. „Frontex hilft, die Grenzen für Hunderte von Millionen Menschen in ganz Europa zu sichern, und in den vergangenen Jahren haben wir dazu beigetragen, Hunderttausende von Menschenleben auf See zu retten“, sagte ein Sprecher.

Eine Handvoll Seenotrettungs-Aktivisten würde sich nun der #BlackLivesMatter-Bewegung in den USA anschließen, um ihre eigene Agenda voranzutreiben, die auf „vorsätzlicher Unkenntnis der Fakten“ beruhe.

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