17.06.2020 06:39 |

Mit Sohn und Ehefrau

„Kleines Österreich!“ Olympia-Held wirbt für Putin

Ein überraschender Verweis auf Österreich in einem offiziösen Werbespot zum russischen Verfassungsreferendum am 1. Juli sorgt für kritische Reaktionen. Im am Montag veröffentlichen Video eines prominenten Eiskunstläufers wird das Votum für die von Präsident Wladimir Putin gewünschte Verfassungsreform unter anderem mit einem Größenunterschied zwischen Österreich und Russland begründet.

Im 45 Sekunden langen Video sind der vielfache Eiskunstlauf-Europa- sowie -Weltmeister Jewgeni Pljuschtschenko, Gattin Jana Rudkowskaja und der siebenjährige Sohn Aleksandr zu sehen. Letzterer steht dank der Bemühungen seiner Eltern seit frühester Kindheit im Scheinwerferlicht und ist in Russland auch unter seinem Spitznamen „Gnom Gnomytsch“ (Gnom und Sohn von Gnom, Anm.) bekannt.

Im Werbespot findet Aleksandr zunächst Russland auf einem Globus. Mutter Rudkowskaja erläutert: „Schau, wie groß unsere Heimat im Vergleich zum kleinen Österreich ist! In unserem großen Land leben wir, gehen zur Schule, erziehen Kinder und haben alle Rechte.“ Kurz erklärt sie auch die Bedeutung der russischen Verfassung.

Vorschlag des Buben
Über einen Vorschlag des Buben, der im Rahmen der Verfassung gerne Freunde nach Hause einladen möchte, gelte es im Familienrat abzustimmen, wirft Vater Pljuschtschenko schließlich ein. Keinen Zweifel, dass die Promi-Familie für die Putin‘sche Verfassungsreform eintritt, lässt schließlich eine finale Stimme aus dem Off: „Unsere Wahl ist die Zukunft unserer Kinder“, sagt ein Sprecher, und eine Einblendung erinnert an das Referendum am 1. Juli.

Pljuschtschenkos Werbespot ist eines von zahlreichen Videos, mit dem derzeit für die vom Kreml forcierte Verfassungsreform Stimmung gemacht wird. Wie in einigen anderen Beiträgen ist jedoch nicht von jener neuen Bestimmung die Rede, die Präsident Putin im Widerspruch zur bisherigen Verfassung die Möglichkeit verschafft, zwei weitere Male für das Amt des Präsidenten zu kandidieren und derart bis zum Jahr 2036 zu reagieren.

Nawalny protestiert - auch gegen „kleines“ Österreich
Neben Unmutsbekundungen über die politische Instrumentalisierung eines Kindes, unter anderem von Oppositionspolitiker Aleksej Nawalny (oben im Bild), wurde in sozialen Netzwerken vor allem aber auch der nicht weiter begründete Verweis auf das „kleine Österreich“ kritisch hinterfragt. Die Rede war dabei insbesondere vom Wohlstandsgefälle zwischen Österreich und Russland.

„Schau, Saschenka, unsere Heimat ist 200-mal größer als Österreich. Das Mindestgehalt bei uns ist aber zehnmal geringer als dort“, tweetete etwa der im Exil lebende Oppositionelle Michail Chodorkowski (oben im Bild).

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