15.06.2020 17:20 |

„Gutes Instrument“

Deutschklassen: Schon nach 1 Jahr erste Erfolge

Zu den umstrittenen Deutschklassen liegen nun die ersten Ergebnisse vor: 80 Prozent der Schüler konnten den speziellen Unterricht nach einem Jahr wieder verlassen. Allerdings: Knapp die Hälfte dieser Kinder sind weiterhin außerordentliche Schüler, sie brauchen weiter Förderkurse. Bildungsminister Heinz Faßmann und Integrationsministerine Susanne Raab sehen sich bestätigt. Der Weg soll fortgesetzt werden, aber es sind weniger Deutschklassen notwendig.

Nach einem Jahr in einer Deutschförderklasse haben laut Statistik Austria am Ende des Schuljahrs 2018/19 rund 16 Prozent der Kinder nicht den Wechsel in eine Regelklasse geschafft. 32 Prozent machten umgekehrt so große Fortschritte, dass sie als ordentliche Schüler in die Regelklasse gehen konnten, 48 Prozent mussten als außerordentliche Schüler parallel einen Deutschförderkurs absolvieren.

Die Deutschförderklassen wurden im Schuljahr 2018/19 eingeführt. Besuchen müssen sie jene Kinder, die als außerordentliche Schüler eingestuft werden - also dem Unterricht aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht folgen können. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet, für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Am Ende jedes Semesters wird dann der Sprachfortschritt überprüft.

Ohne Fortschritte muss Deutschklasse weiter besucht werden
Dann sind drei Fälle möglich: Bei nicht entsprechendem Fortschritt muss die Deutschklasse weiter besucht werden. Das war nach dem ersten Jahr 2018/19 bei 16 Prozent der insgesamt 12.250 Schüler der Fall - sie begannen also auch das laufende Schuljahr in der Fördermaßnahme. Sind die Verbesserungen so deutlich, dass der Schüler dem Unterricht folgen kann, wird er zum ordentlichen Schüler, wechselt in eine Regelklasse und erhält eine Förderung im Rahmen von Deutsch als Zweitsprache. Das schaffte immerhin knapp ein Drittel der Schüler.

Liegen die Testergebnisse dazwischen, kann der Schüler also trotz Fortschritten noch nicht ganz dem Unterricht folgen, wechselt er als außerordentlicher Schüler in die Regelklasse und erhält noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. In diese Gruppe fielen mit knapp der Hälfte die meisten der Kinder. Rund vier Prozent der Schüler, die 2018/19 in der Deutschklasse starteten, besuchten im laufenden Schuljahr keine Schule in Österreich mehr.

Zahl der Kinder in Deutschklassen gesunken
Insgesamt hat sich die Zahl der Kinder in Deutschförderklassen damit von 12.250 im Schuljahr 2018/19 auf knapp 10.900 verringert. Im Bildungsministerium rechnet man aufgrund der sinkenden Neuzuwanderung und einer verbesserten Sprachförderung in den Kindergärten mit einer weiter sinkenden Zahl. Im laufenden Schuljahr wurden die Testungen für Kinder in Deutschklassen, die über die Einstufung im nächsten Schuljahr entscheiden, aufgrund der Corona-Pandemie grundsätzlich auf September verschoben. Nur auf Antrag von Eltern oder Lehrern dürfen sie noch vor dem Sommer durchgeführt werden.

Raab: „Mehr als bewährt“
Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) freute sich in einer Aussendung „über diese erste sehr positive Bilanz zu den Deutschförderklassen, die zeigt, dass sie sich mehr als bewährt haben“. Diese seien „ein gutes Instrument vor allem in Ballungsräumen, wo es viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen an den Schulen gibt und Deutsch als gemeinsame Unterrichtssprache erst gefestigt werden muss“, so Raab.

Auch für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) funktioniert das System der Deutschförderklassen. „Die vorhergesagte dauerhafte Segregierung und Stigmatisierung des Systems der fDeutschförderklassen findet nicht statt“, betonte Faßmann in einer Stellungnahme am Montag. „Die Deutschförderklassen erweisen sich für Schüler und Schülerinnen als zeitlich begrenzt und waren auch immer teilintegrativ.“

Faßmann: Rasches und fokussiertes Deutschlernen
Vor den Deutschklassen habe es bloß einen „unsystematischen Erwerb der Unterrichtssprache Deutsch von Neuzugewanderten und Schuleinsteigern mit geringen Deutschkenntnissen“ gegeben, meinte der Minister: „Nur nicht trennen und Spracherwerb durch das Eintauchen in das Sprachbad der Mehrheitsgesellschaft lauteten die Prinzipien, die sich aber - siehe Ergebnisse internationaler und nationaler Leistungsstandards - nicht bewährt haben.“ Mit den Deutschförderklassen gebe es nun ein „rasches und fokussiertes Deutschlernen mit einer Teilintegration in der Stammklasse“.

Freiwerdende Mittel sollen in intensiveren Förderunterricht fließen
Positiv sei auch die „lernfördernde Gruppengröße“ gewesen, betonte Faßmann. Die durchschnittliche Schülerzahl liege derzeit bei 13, nur in wenigen Schulen - insbesondere in Wien - wären mehr als 18 Kinder in einer Deutschklasse: „Und dabei ist weniger böser Wille die Ursache sondern fehlende Räumlichkeiten.“ Die aufgrund der derzeit sinkenden Zahl an Deutschklassen zur Verfügung stehenden Mittel sollen zur Intensivierung des Förderunterrichts und zur Verkleinerung der Gruppen verwendet werden.

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