Ärzte atmen auf

Entwarnung für Narkosemittel in Kinderwunschklinik

Er ist Anästhesist und wird als erfahren und besonnen beschrieben. Am 3. Juni soll dem Wiener Mediziner aber ein „Fehler“ in der Kinderwunschklinik Baden (Niederösterreich) passiert sein, der einer Frau das Leben kostete und zwei weitere auf die Intensivstation brachte. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hält sich (noch) bedeckt.

Eine 32 Jahre alte Frau hat mit dem Leben bezahlen müssen, obwohl sie nur eines wollte: Ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Weitere zwei legten ebenfalls all ihre Sehnsucht nach einem Baby in die Hände der Mediziner und ließen eine Vollnarkose über sich ergehen. Auch sie hätte der Eingriff fast aus dem Leben gerissen. Ihr Zustand ist mittlerweile stabil, heißt es. 

Menschliches Versagen?
Nach langen Spekulationen über - wegen Lieferengpässen durch die Corona-Krise importierte, möglicherweise verseuchte - „Ersatz-Narkosemittel“ geriet jetzt ein einzelner Arzt (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) ins Visier der Ermittler. Jener Anästhesist, der den Frauen das Narkotikum verabreicht hatte. Er soll die Ampullen aus seiner Wiener Praxis mitgenommen und in Baden vermischt haben.

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Wenn sich herausstellt, dass menschliches Versagen zu der Tragödie geführt hat, ist das Wahnsinn. Trotzdem sind wir erleichtert, dass Propofol nicht global verunreinigt ist.

Ein Anästhesist im „Krone“-Gespräch

Warten auf zwei Gutachten
Wie die nachgewiesenen Keime in das Propofol gelangen konnten, ist unklar. Möglicherweise wurde sogar der Inhalt einer bereits geöffneten Flasche verwendet. Bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hält man sich auf „Krone“-Anfrage noch bedeckt. Erst müsse man die weiteren Gutachten - vor allem die toxikologische Auswertung aller drei Opfer - abwarten. „Alles andere ist bis dahin Spekulation“, so Staatsanwalt Erich Habitzl.

Eines der Gutachten wird frühestens für Freitag, wahrscheinlich aber erst Anfang nächster Woche erwartet. Bei aller Tragik herrscht trotzdem Aufatmen bei vielen Anästhesisten im Land. „Wir hatten Panik davor, dass dieses Ersatz-Propofol global verunreinigt ist“, erzählt ein Mediziner. Tagelang wurde auf Altbestände zurückgegriffen, nicht notwendige Operationen verschoben.

Stefan Steinkogler und Sandra Ramsauer, Kronen Zeitung

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