07.06.2020 11:00 |

Anti-Rassismus-Demo

„Ich sehe hier die Hoffnung stehen“

4000 Menschen waren, wie berichtet,  am Samstag nach Innsbruck gekommen, um gegen Rassismus und für ein Miteinander zu demonstrieren.

Plötzlich wurde es still auf einem Platz mit Tausenden Menschen. Mitten in der Innenstadt hörte man Vögel zwitschern. Ein Mann atmete tief ein und wieder aus. Seine Faust gen Himmel gestreckt, ein Knie am Boden. Gemeinsam mit Tausenden Menschen war er zum Landhausplatz in Innsbruck gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Gegen Rassismus, gegen Polizeigewalt – und für ein Miteinander.

Applaus beendet die Schweigeminute. Sie galt George Floyd, der in den USA auf brutale Art und Weise von einem Polizisten getötet wurde. Sie galt aber auch all jenen Menschen, die hier in Tirol und auf der ganzen Welt jeden Tag Gewalt und Rassismus erleben – aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder Sprache.

„Schon im Kindergarten Rassismus erlebt“
Etwa Elias Schernig (26), der auf der Bühne steht, in seinen Händen ein Stück Papier. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen“, sagt er. „Doch schon im Kindergarten musste ich erleben, was Rassismus bedeutet.“

Auch er erzählt von Polizeischikane - in Tirol. „Bis auf die Unterhose musste ich mich in der Öffentlichkeit ausziehen“, sagt er, „weil ich des Diebstahls verdächtigt wurde.“ Zwölf Jahre alt sei er gewesen.

„Es liegt an uns, die Situation zu verändern“
„Es muss eine Veränderung geben“, spricht Elias weiter und Applaus erfüllt den Platz. „Es liegt an uns allen, dass unsere Kinder und Nachkommen nicht dasselbe durchmachen müssen.“

Auch Shaune (24) zittert, als sie auf die Bühne geht. Die junge Frau aus Deutschland sei froh, in Innsbruck studieren und leben zu können – in einer bunten und offenen Gesellschaft. „Wir kämpfen hier vielleicht nicht ums Überleben, aber für einen gleichwertigen Platz in der Gesellschaft, Anerkennung und Respekt – und Frieden.“

Wieder erfüllt Applaus den Platz. Der Gros der Menge ist zwischen 20 und 30 Jahre alt, aber auch Kinder halten Transparente in die Höhe. Eine „Oma gegen Rechts“ verteilt Taschentücher. Bischof Hermann Glettler kniet inmitten der Menschenmenge.

„Bin überwältigt“
Mitglieder der Stadt- und Landespolitik sind gekommen – „nicht um zu sprechen, sondern um zuzuhören“, wie Organisator Mesut Onay (ALI) sagt. Er sei überwältigt von der Menge – „es macht mich stolz, dass Innsbruck ein friedliches Zeichen der Solidarität und des Miteinanders setzt.“

„Die Menschen wollen, dass man freundlich ist“
Nach den Kundgebungen marschieren die Menschen durch die Innenstadt. Ein kleines Mädchen fragt seine Mama, was hier vor sich gehe: „Die Menschen wollen, dass man freundlich miteinander ist“, erklärt sie. Der Demonstrationszug ist tatsächlich freundlich, friedlich.

Die „Fuck the Police“-Parolen einiger weniger, sind der gewaltvollste Ausreißer. Die Botschaften der Sprecherinnen und Sprecher auf der Bühne sind auf Frieden aufgebaut: „Bekämpft Hass nicht mit Hass“, sagt etwa Sabrin - und mit einem Blick in die Menge: „Manche Menschen sehen hier einen Platz voller Demonstranten. Ich sehe Hoffnung.“

Zwischen 3000 und 5000 Menschen zogen laut Veranstalter durch die Stadt, die Polizei bestätigte 4000 Teilnehmer – „und keine Vorfälle“, wie ein Sprecher sagte.

Kampf gegen Viren: Masken & Botschaften
Baby-Elefanten hatten keinen Platz zwischen den Teilnehmern, doch der überwiegende Teil trug Masken – um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen, aber dennoch aufzustehen, „denn das gefährlichste Virus der Welt heißt Rassismus“, sagte Elias, bevor er von der Bühne ging.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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