06.05.2020 10:00 |

Interview

Kinder und Corona: Was man heute darüber weiß

Zu Beginn der Pandemie galten Kinder als so genannte „Superspreader“. Inzwischen liegen neue Erkenntnisse vor, viel ist aber noch immer ungewiss, wie Arzt Thomas Müller erklärt.

Insgesamt 63 Kinder und Jugendliche waren mit 1. April in Tirol an Corona erkrankt. Seither kamen nur wenige Neuinfektionen dazu. Geht man nun von diesem Stichtag aus, waren nur 2,6 Prozent aller Infizierten unter 18 Jahren. Nur zwei Kinder mussten in der Klinik Innsbruck behandelt werden. Bei beiden war der Verlauf sehr mild.

Aber was sagen uns diese Daten? Was weiß man inzwischen über das Virus im Zusammenhang mit Kindern? Thomas Müller, Direktor der Univ.-Klinik für Pädiatrie I der Medizinischen Universität Innsbruck erklärt, was als gesichert gilt – und wo noch dringend geforscht werden muss.

Krone: Übertragen Kinder das Virus besonders leicht?
Müller: Eine brennende Frage, die alle interessiert. Gesichert ist, dass über 90 Prozent der Infektionen bei Kindern asymptomatisch oder sehr mild verlaufen. Eine Studie aus China hat gezeigt, dass Kinder aller Altersgruppen und Erwachsene die gleichen Infektionsraten in Haushalten hatten. Hierzu brauchen wir weitere Studien, die wir durchführen können, wenn wir verlässliche Antikörpertests haben, um auch jene Infektionen zu entdecken, die ohne Symptome verlaufen. Denn wir wissen noch nicht, ob asymptomatische Kinder mehr oder weniger Viren über den Rachen ausscheiden als Erwachsene.

Kinder haben einen milden Verlauf, dennoch wird international auch von Todesfällen berichtet. Wie geht das?
In der Medizin ist es meist so, dass etwas nicht zu 100 Prozent gilt. Wir wissen aber aus allen Studien, dass Kinder viel seltener schwere Atembeschwerden entwickeln. Schwere Verläufe sind Einzelfälle. Warum das so ist, ist noch nicht klar. Wir haben an der Kinderklinik in Innsbruck bisher nur zwei Kinder mit Covid-19 behandelt. Ein sieben Jahre altes Kind zählte zu einer Hochrisikogruppe mit einer akuten Leukämie unter laufender Chemotherapie. Die Mutter war zuvor positiv getestet worden, ihr Kind hatte Fieber. In beiden Fällen war der Verlauf sehr mild.

Worauf ist zu achten, wenn Kinder nun wieder in Schulen und Kindergärten gehen?
Eltern sollten sehr genau darauf achten, ob Kinder Symptome entwickeln und sie im Zweifelsfall unbedingt Zuhause lassen. Aus meiner Sicht sollten bei Kindern Abstrichtests gemacht werden, wenn es nur die geringsten Anzeichen gibt.

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