26.04.2020 13:53 |

Alte Ansichten

Die Stadt Klagenfurt und ihre Bettler

Auch in den vergangenen Jahrhunderten hatte die Landeshauptstadt immer wieder ihre liebe Not mit sozialen Herausforderungen.

Auch das alte Klagenfurt hatte immer große soziale Herausforderungen zu stemmen. Mangels einer geordneten Sozialfürsorge war die Zahl der Bettler und Landstreicher vor dem 20. Jahrhundert hoch. Besonders in Zeiten von Kriegen und wirtschaftlichen Notlagen schwoll das Heer der verarmten Mitmenschen stark an; vor allem waren auch kriegsversehrte Soldaten davon betroffen, weil es für sie keine geregelten Pensionszahlungen gab. Auch Dienstboten sowie Knechte und Mägde waren im Alter vom guten Willen ihres Dienstherren abhängig; wenn diese nicht für eine entsprechende Altersversorgung sorgten, blieb oft nur die Straße als letzte Zuflucht.

Maria Theresia hatte noch versucht, diese bedürftigen Schichten in Arbeitshäusern unterzubringen. Allerdings stand hier nicht die Versorgung, sondern die „Anleitung zur Arbeit“ im Vordergrund. Das funktionierte leider nicht immer, da betteln weniger anstrengend war als die harte körperliche Arbeit in jener Zeit.

1867 beklagten sich wohlhabende Klagenfurter Bürger über die hohe Zahl an aufdringlichen Bettlern, die am Allerheiligentag die Straße von der Innenstadt zum Friedhof nach St. Ruprecht säumten und um Almosen baten. Viele von ihnen waren Soldaten, die bei der Schlacht um Königgrätz verwundet oder verkrüppelt wurden. Der Stadtsenat versprach Abhilfe.

1868, ein Jahr später, wurden von der Stadtwache am Morgen des Allerheiligentages „mit aufgepflanztem Bajonett“ so viele Bettler wie möglich eingesammelt und auf Pferdewagen „6 bis 8 Wegstunden vor die Stadt“ gefahren. Bis die teilweise amputierten Bettler den Weg zurück in die Stadt zurückgelegt hatten, war die Gräbersegnung am St. Ruprechter Friedhof vorbei – und den betuchten Klagenfurtern blieb eine Belästigung erspart.

Von
Kärntner Krone
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