Zoom reicht nicht

Lehrerin liest trauriger Schülerin in Einfahrt vor

Viral
21.04.2020 07:22

Einer Volksschullehrerin in Florida hat es schier das Herz gebrochen, als sie mitbekam, dass eine ihrer Erstklässerinnen wegen der Corona-Pandemie-Maßnahmen furchtbar traurig war. Der tägliche Kontakt zu ihren Mitschülern und der Schule über das Video-Chat-Programm Zoom reichte einfach nicht. Die Lehrerin fuhr deshalb persönlich zu dem Kind und las ihm in der Einfahrt vor.

Nachdem die Schule in den USA wie bei uns auch Ende März geschlossen und auf Homschooling umgestellt wurde, begann die US-Lehrerin Katie Ricca ihren Schülern regelmäßig online vorzulesen. Sie hielt ihre Lese-Klassen über Zoom ab. „Ich wollte das eigentlich nur ein- bis zweimal in der Woche machen“, erzählte die 29-Jährige jetzt dem US-Magazin „People“, „doch die Kinder bettelten darum, das Treffen jeden Abend zu machen.“

(Bild: APA/dpa/Marijan Murat)

Lebhafteste Schülerin plötzlich still
Die Kinder seien sehr sozial und hätten so auch die Möglichkeit bekommen, ihre Freunde jeden Tag zu sehen. „Sie haben alle über ihren Tag geplaudert, bevor ich angefangen habe, ihnen vorzulesen.“ Die virtuelle Klasse habe die Motivation und Moral ihrer Klasse eindeutig aufrecht erhalten.

Eines Tages sei ihr aufgefallen, dass eine ihrer „lebhaftesten Schülerinnen“, Hannah völlig abwesend gewirkt habe. „Hannah war sehr still“, erinnert sich Ricca an den Zoom-Anfruf vom 2. April. „Das war ungewöhnlich für sie. Sie hat den Kopf hängen lassen und ich hab ihr Gesicht nicht gesehen. Ich habe ihren Namen aufgerufen, aber sie hat nicht geantwortet. Ich habe bemerkt, dass sie etwas belastet.“ Dann sei die Siebenjährige auch noch vorzeitig aus dem Videocall ausgestiegen.

Ricca, die selbst fünf Kinder hat, war sich sicher, dass da etwas nicht stimmt. Die Lehrerin fragte sofort nach dem Unterricht bei der Mutter nach. Dieser war nichts aufgefallen. Der Lehrerin ließ das aber keine Ruhe und sie bat die Mutter, ob sie am nächsten Tag vorbeikommen und sich mit Hannah in die Einfahrt setzen dürfte.

Bödel-Bücher zur Aufheiterung
Und genau das tat sie. Die Eltern machten mit Hanna ein Picknick vor dem Haus, als die Lehrerin vorfuhr. Dann setzte sie sich mit Hannah in sicherer Entferung voneinander in die Einfahrt und plauderte mit ihr.

Sie schilderte: „Als Erstes habe ich gefragt, wie es ihr geht, und sie sagte, sie sei happy. Aber später gestand sie, dass sie traurig ist. Ich habe ihr gesagt, dass ich auch traurig bin und wir unterhielten uns eine Weile darüber, wie wichtig es sei, über seine Gefühle zu sprechen und dass es völlig in Ordnung ist, traurig zu sein. Ich habe ihr Dinge gesagt, damit sie sich besser fühlt und sie daran erinnert, dass auch ich für sie da bin, wenn sie mich braucht.“

Danach habe sie um Hannah aufzuheitern aus „Blödel-Büchern“ vorgelesen. Deren zutiefst berührte Mutter Kelley Close fotografierte die ergreifende Szene und postete diese auf Facebook. Das Foto ging danach viral und wurde mehr als 21.000 Mal geteilt.

Zitat Icon

Zoom ist großartig, aber ich würde nie denken, dass es dasselbe ist. Ich habe dieses Schuljahr mit Hannah verbracht und kenne sie. Persönlich für sie da zu sein bedeutet mehr.

Hannahs Lehrerin Katie Ricca

Symbolbild (Bild: AFP)
Symbolbild

Das Resümee der Lehrerin: „Zoom ist großartig, aber ich würde nie denken, dass es dasselbe ist. Ich habe dieses Schuljahr mit Hannah verbracht und kenne sie. Persönlich für sie da zu sein bedeutet mehr.“

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