17.04.2020 10:55 |

Erste Pläne in Arbeit

Anschober: Spitäler öffnen, aber System schützen

Auch die Krankenhäuser versuchen, wie die Arztpraxen, schrittweise wieder in den Normalzustand zurückzukehren. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bestätigte am Freitag, dass jede Anstalt nun einen eigenen Plan zur Öffnung erarbeite. „Hauruck-Aktionen“ werde es keine geben, betonte der Minister. Zu Beginn der Pandemie war ja die Empfehlung ausgegeben worden, auf alle nicht notwendigen Behandlungen und Eingriffe zu verzichten, um Kapazitäten zu schaffen. Dieser Schutz des Systems habe weiterhin Priorität, so Anschober, besonders wichtig sei weiterhin, dass sich Patienten nicht in Spitälern mit dem Coronavirus infizieren.

Ein Mund-Nasen-Schutz werde in Ordinationen weiterhin erforderlich sein, Abstandsregelungen, wie es sie auch in anderen Bereichen gibt, würden auch in Gesundheitseinrichtungen gelten. „Bei Verdacht auf Covid-19 wird es weiterhin notwendig sein, Schutzausrüstung zu tragen“, stellte Anschober klar. Die Krankenanstalten würden derzeit gerade an individuellen Plänen arbeiten, wie sie wieder schrittweise in den Normalzustand gelangen wollen.

„Europa ist das Zentrum der Pandemie“
„Weltweit gibt es weiterhin eine besorgniserregende Ausbreitung“, mahnte der Minister, den Erreger wegen der sinkenden Zahl weiter ernst zu nehmen, und wies auf die großen Zuwachsraten bei Infektionen und Todesfällen in den USA hin. „Europa ist in der Gesamtheit das Zentrum der Pandemie“, so Anschober.

Die Situation in Österreich sei stabil und erfreulich: „Von gestern auf heute hatten wir ein Plus von 0,8 Prozent - das ist einmalig in Europa“, freute sich Anschober am Freitag. Es habe 107 Erkrankte und 718 neu Genesene gegeben. „Der Grundtrend stimmt also“, folgerte der grüne Politiker.

Auch die effektive Reproduktionszahl, die bei 0,63 steht, stimme optimistisch. „Auch das verbessert sich laufend.“ 431 Todesfälle seien zwar 431 zu viel, im internationalen Vergleich gesehen aber ebenfalls ein sehr guter Weg. Die Zahlen in den nächsten Wochen würden zeigen, wie sich die „schrittweise, gesicherte Öffnung“ in der entscheidenden Phase 2 auf die Zahlen auswirke. „Wichtig ist, dass wir nicht mehr in exponentielle Steigerung nach oben kommen.“

Prognosen derzeit schwierig
Auch Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, erklärte, die abn
ehmenden Zuwachsraten seien ein „großer Erfolg“ - dennoch sei es derzeit schwierig, Prognosen zu erstellen. Durch breite Testungen in Skigebieten könne es zu Ausreißern in der Statistik kommen. Die Prognosegüte würde derzeit bei 97 Prozent liegen. „Für das Fahren auf Sicht ist das ein tauglicher Wert“, betonte Ostermann. Er gehe davon aus, dass sich die Neuinfektionen in der nächsten Zeit im Bereich von 100 bis 150 pro Tag einpendeln werden.

Erhöhung bei Corona-Tests gefordert
Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Krankenanstaltsverbunds (KAV), berichtete ebenfalls, dass alle Krankenanstalten mit der Planung angefangen hätten, um schrittweise wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Es müsse allerdings gewährleistet werden, dass „Patienten das Coronavirus nicht in die Krankenanstalten einbringen“, so Binder. Das könne nur mit einer Teststrategie gelingen. Die Anzahl von Testungen müsse erhöht werden.

„Akutversorgung ist in Österreich bestens gewährleistet“, weist der KAV-Direktor darauf hin, dass lebenswichtige Behandlungen und Operationen auch während der Pandemie durchgeführt werden. Nun werde es auch Behandlungen geben, die wegen der Krise verschoben werden müssen. „Das funktioniert natürlich nicht wie mit einem Schalter, den man einfach umlegt“, erklärte Binder, dass dieser Prozess sich über mehrerere Wochen erstrecken werde.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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