11.04.2020 00:24 |

Virus „reaktiviert“?

Südkorea: Erneuter Corona-Ausbruch bei Geheilten

In Südkorea ist nach Angaben von Behörden bei 91 von einer Coronavirus-Infektion genesenen Menschen die Lungenkrankheit Covid-19 erneut ausgebrochen. Vertreter des südkoreanischen Gesundheitswesens sagten, noch sei noch unklar, was sich dahinter verberge. Über die möglichen Ursachen wird jedenfalls heiß diskutiert: Die Frage, ob sich von einer Infektion genesene Menschen erneut am Coronavirus anstecken können, ist von internationaler Bedeutung.

Der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, Joeng Eun Kyeong, erklärte am Freitag, es sei eher wahrscheinlich, dass das Virus „reaktiviert“ worden sei, als dass es sich um Neuinfektionen handle. Die Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien sagte in der „ZiB 2“ hingegen, für eine Einschätzung fehlten gut dokumentierte Fälle und ausreichend Daten. Man müsse dem „ganz genau nachgehen“, ob es sich bei den Fällen tatsächlich um eine zweite Infektion handelt oder ob es „nur ein Virusnachweis von der ersten Infektion war und das Virus schlicht und einfach so lange nachweisbar war“.

„Zahl der Rückfälle wird steigen“
Vergangenen Montag lag die Zahl der Menschen, bei denen nach überstandener Infektion das Virus erneut ausgebrochen ist, bei 51 - nun sollen es 91 Personen sein, die zum zweiten Mal eine Erkrankung durchmachen. Epidemiologische Untersuchungen würden derzeit fortgesetzt. Während der Professor für Infektionskrankheiten Kim Woo Joo davon ausgeht, dass die Zahl der Rückfälle steigen wird, bringen andere Experten falsche Testergebnisse als Ursache für den Trend ins Spiel.

Südkorea gilt als Vorzeigeland im Kampf gegen Corona
Südkorea wird weltweit gerne als Musterbeispiel bei der Reaktion auf den Ausbruch der Infektionskrankheit Covid-19 angeführt. Vor allem die dort eingesetzte Strategie massenhafter Testungen wird oft propagiert, so auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Südkorea war bekanntlich das erste Land nach China, in dem das Coronavirus bereits im Februar zu einem massiven Problem wurde. Mehr als die Hälfte der dort nachgewiesenen Infektionen stehen in Verbindung mit einer Sekte in der südkoreanischen Stadt Daegu.

Kontaktpersonen werden ausfindig gemacht
Zur Eindämmung der Corona-Gefahr setzt Südkorea auf das Nachweisverfahren mittels PCR-Test. Die Abkürzung steht für Polymerase-Kettenreaktion (Englisch polymerase chain reaction, PCR). Dabei wird aus Abstrichen aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum bzw. aus ausgehustetem Schleim nach Erbgut des Coronavirus SARS-CoV-2 gesucht. Über 300.000 solcher PCR-Tests wurden bis Ende März vorgenommen, außerdem alle Infizierten isoliert und die Kontaktpersonen mittels Videoüberwachung, Handy- und Bankdaten ausfindig gemacht und ebenfalls schnellstmöglich getestet.

Internationale Bedeutung
Die Frage, ob sich von einer Infektion genesene Menschen erneut am Coronavirus anstecken können, ist von internationaler Bedeutung. Viele Länder setzen darauf, dass von einer Corona-Infektion geheilte Menschen eine Immunität gegen das Virus entwickeln und mit der Zeit ein genügend großer Bevölkerungsteil immun gegen die Krankheit ist, um ein Wiederaufleben der Pandemie zu verhindern. Bislang haben nach offiziellen Angaben knapp 7000 Koreaner Covid-19 überstanden. Über 10.000 Menschen sind in dem Land derzeit an Covid-19 erkrankt.

Gesundheitsminister: „Zu früh, um sich zu beruhigen“
Ursprünglich sollte die am 21. März eingeführte Politik der sozialen Distanzierung in Südkorea bereits in der Vorwoche enden. Am 4. April jedoch wurden die Maßnahmen um zwei weitere Wochen verlängert. Gesundheitsminister Park Neung Hoo sagte bereits in der Vorwoche, es sei „zu früh, um sich zu beruhigen“. Er verwies auf die jüngste Zunahme von importierten Coronavirus-Fällen. Dies habe die Regierung dazu veranlasst, die geplante Wiedereröffnung von Schulen in der nächsten Woche abzusagen.

Parlamentswahlen im Schatten der Corona-Krise
Im Schatten der Corona-Krise finden am kommenden Mittwoch Parlamentswahlen in Südkorea statt. Diese gelten nicht nur als Zwischentest für die Reformpolitik der sozialliberalen Regierung von Präsident Moon Jae In, sondern vor allem als eine Bewertung des Krisenmanagements der Regierung. 

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