19.02.2020 00:00 |

A la CLA

BMW 2er Gran Coupé: Sexy zwischen 1er und Dreier

BMW startet eine neue Baureihe und bringt das 2er Gran Coupé. Damit rücken die Münchner - allerdings eine halbe Schuhnummer kleiner - in ein Segment nach, das Mercedes mit dem CLA eröffnet hat. Basierend auf der Frontantriebsarchitektur des 1er ist die Kompakt-Limousine mit der flachen Dachlinie deutlich eleganter und geschmeidiger geraten als der Fünftürer. Und das macht sie sexy.

Wo die Front des 1er-BMW mit übergroßen Nieren etwas SUV-artig wirkt, zitiert das 2er Gran Coupé die Nierenform des 8er-Coupé, also des sportlichen Flaggschiffs. Das ist den Münchnern in Zeiten des 7er-Facelifts und des bevorstehenden 4er-Coupés hoch anzurechnen. Auch sonst eckt das Design nicht an. Lediglich die schwarz-glänzende Kunststoffleiste, die grundsätzlich die dreidimensional ausgeformten LED-Heckleuchten verbindet, könnte den einen oder anderen irritieren.

Wie es sich für ein Auto, das sich als viertüriges Coupé bezeichnen lässt, gehört, wird bei den Türen auf Fensterrahmen verzichtet, die Scheiben stehen also frei, wenn die Türen offen sind. Schade, dass sich die hinteren nicht ganz versenken lassen. Trotzdem ist allein das schon ein starkes Argument für diese neue Baureihe.

Während der Fahrt muss man den optischen Genuss nicht mit verstärkten Windgeräuschen bezahlen; überhaupt geht es hier sehr leise zu. Die Akustik-Dämmung ist so gut, dass man sogar mit dem Zweiliter-Diesel unter der Haube teilweise nicht am Motorgeräusch hört, welcher Gang eingelegt ist.

Auch sonst wird der BMW-Innenraum dem Premium-Anspruch gerecht. Das Interieur ist BMW-typisch, lediglich der Übergang von der Mittelkonsole zum Armaturenbrett ist vielleicht ein wenig uninspiriert. Das hier angebrachte Einsteckfach, in dem ein Smartphone kabellos geladen werden kann, ist allerdings praktisch.

Zwei Displays zur Wahl - mit Einschränkungen
Der bewährte iDrive-Controller ist immer an Bord. Ebenso serienmäßig sind das 8,8-Zoll-Zentral-Touch-Display und analoge Rundinstrumente mit einem 5,1-Zoll-Display dazwischen. Ihre Form ist nun an die Grafik des optionalen Digital-Tachos angeglichen, der zum BMW Live Cockpit Professional (mit zwei 10,25-Zoll-Displays) gehört. Diese wiederum entspricht der Darstellung in allen anderen BMW-Modellen, wo es verfügbar ist und ist auch genauso schlecht ablesbar. Doch noch immer bietet BMW keine Möglichkeit, unterschiedliche Ansichten zu wählen. Hallo, BMW, bitte ändern!

So könnte auch ein Sprachbefehl lauten, denn auch der 2er Gran Coupé bekommt gegen Aufpreis die aktuellste Sprachbedienung, die in München verfügbar ist. So kann man relativ normal gesprochene Kommandos geben. Um diese Funktion zu bekommen, muss man allerdings das Digital-Cockpit in Kauf nehmen. Das Gleiche gilt auch, wenn man das sehr empfehlenswerte echte Head-up-Display ordert. Der Grund ist, dass mit dem Analog-Cockpit nur die Vorgängerversion des BMW-Betriebssystems installiert wird.

Komfortabler als der BMW 1er
Im Vergleich zum 1er ist der 2er Gran Coupé eine Spur komfortabler abgestimmt. Die Fahrwerks-Hardware ist zwar identisch, die Dämpfer sind aber so justiert, dass die Räder sanfter abrollen. Dadurch sind längere Strecken angenehm zu absolvieren. Auch die Lenkung kam uns weniger giftig vor. Man muss dazusagen, dass zum Test nur Fahrzeuge mit adaptivem Fahrwerk zur Verfügung standen. Hier ist der Comfort-Modus noch ein wenig komfortabler als das Standardfahrwerk. Und er ist sehr komfortabel, ohne dass die Fahrt an Präzision verlieren würde.

Schaltet man auf den Sportmodus um, verhärtet sich das Ganze deutlich und die sprichwörtliche Freude am Fahren zieht einen in den Bann. Hm. Dazu würde natürlich eigentlich Hinterradantrieb gehören. Klar, den Frontantrieb spürt man mitunter ein wenig in der Lenkung, was bei BMW früher undenkbar war, aber wenn man die Tradition ausblendet, fährt sich das hier richtig gut. Dazu trägt auch die immens schnelle Reaktion der Elektronik bei: „Aktornahe Radschlupfbegrenzung“ ist hier das sperrige Zauberwort.

Allradantrieb wird es auch geben, der ist allerdings auch frontorientiert. Sportliche Fahrer merken das, aber für die wird es das zweitürige 2er-Coupé geben - mit Hinterradantrieb.

Etwas beengte Platzverhältnisse
Das Gran Coupé ist eher für die kleine Reise gedacht, durchaus auch für eine kleine Familie. Wenn der Nachwuchs noch nicht in den Endzügen der Pubertät steckt, reicht auch das Platzangebot auf den Rücksitzen aus, wo die Kniefreiheit überschaubar und die Kopffreiheit (wegen der flachen Dachlinie) leicht eingeschränkt ist. Hier merkt man, dass der BMW im Vergleich zum Stuttgarter Pendant ein paar Zentimeter kleiner ist.

Der BMW misst 4,53 Meter in der Länge, 1,80 m in der Breite und ist 1,42 m hoch. Der Radstand beträgt 2,67 Meter. Zum Vergleich: Der CLA gönnt sich 16 Zentimeter mehr Länge, drei Zentimeter mehr in der Breite und auch oben setzt er zwei Zentimeter drauf. Beim Radstand sind es sechs Zentimeter. Dafür findet man im BMW leichter einen Parkplatz, wo man seine 430 Liter Gepäck ausladen kann.

Motoren: Drei- und Vierzylinder
Zum Marktstart (14. März 2020) stehen drei Motoren zur Wahl (später folgen noch 216d, 218d, 220d xDrive und 220i). Basistriebwerk ist der 140 PS starke 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner im 218i. Vorläufig einzige Dieselmotorisierung ist der 220d mit 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm ab 1750/min. Kultiviert und kräftig. Und in 7,5 Sekunden auf Tempo 100. Beide haben Frontantrieb.

Von Anfang an ist auch das Topmodell erhältlich. Der M235i Gran Coupé wird vom 306 PS starken Turbo-Vierzylinder angetrieben und ist serienmäßig mit Achtgangautomatik, Allradantrieb und mechanischer Torsen-Differenzialsperre kombiniert.

M235i xDrive: Sportler mit Manieren
Der M-Performance-2er kommt ab Werk mit belüfteten Vierkolben-Festsattel-Scheibenbremsen vorn sowie einem tiefergelegten Sportfahrwerk, optional sind auch hier adaptive Dämpfer erhältlich. Das Niveau ist aber auf jeden Fall sportlicher als bei den Versionen ohne das M im Namen. Wobei auch der M235i kein kompromissloser Brachialsportler ist. Zwar fällt sein über die Lautsprecher zugespielter Motorsound auf, wirklich böse klingt er aber nicht und es ist selten, dass er mal ein Auspuffploppen zu Gehör bringt. Auch das Fahrwerk ist deutlich versöhnlicher abgestimmt als etwa im gleich starken Mercedes-AMG A35. Aber: Der Turbovierzylinder im BMW kommt kräftiger zur Sache, hat mit 450 Newtonmeter mehr Drehmoment, das er schon ab 1750 Touren - also deutlich früher - bereitstellt, und es geht ihm oben rum später die Luft aus. Nicht schlecht für den Gentleman-Sportler.

Fahrassistenzsysteme aus den höheren Klassen
Bei den Assistenzsystemen schöpft BMW aus dem Vollen. Spurverlassenswarnung mit aktiver Rückführung und die City-Notbremse sind Serie. Optional sind der umschaltbare Radar-Tempomat mit Stop&Go-Funktion, der Driving Assistant mit Spurwechsel-, Heckkollisions- und Querverkehrswarnung sowie der Rückfahrassistent erhältlich, der die letzten 50 gefahrenen Meter selbständig zurückfindet.

Auch in Sachen Connectivity ist das kleine Gran Coupé up to date und ermöglicht etwa, Navigationsrouten aus verschiedenen Apps direkt an das Fahrzeug zu schicken. Auf Wunsch kann ein Smartphone den Autoschlüssel ersetzen.

Die Preise
Bei 32.700 Euro beginnt die Preisliste, dafür bekommt man den „nackten“218i mit manuellem Sechsgangetriebe, der aber auch schon Dinge wie LED-Scheinwerfer an Bord hat (optional adaptiv). Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe optional. Der 220d hat grundsätzlich eine Achtgang-Wandlerautomatik und kostet mindestens 40.350 Euro. Das Topmodell kommt auf 57.450 Euro.

Unterm Strich
Das 2er Gran Coupé ist ein stimmiges Gesamtpaket geworden. Erst wenn man sich zum Vergleich in einen 3er-BMW setzt, merkt man, dass man die ganze Zeit in einem Vertreter der Kompaktklasse unterwegs war. Das ist schon ein Klassenunterschied, der sich locker in einer halben Schuhnummer ausdrückt und logischerweise ein paar Tausend Euro ausmacht. Übrigens auch nach unten zum 1er. Trotzdem fällt das 2er Gran Coupé nicht aus dem Rahmen - die Seitenscheiben schon gar nicht.

Warum?
Gelungenes Design
Rahmenlose Seitenscheiben
Gutes Fronttriebler-Fahrverhalten

Warum nicht?
Relativ eng auf der Rückbank

Oder vielleicht ...
... Mercedes CLA, BMW 3er, Audi A3 Limousine, Peugeot 308

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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