22.01.2020 12:17 |

krone.at-Kolumne

Österreich braucht mehr Susanne Wiesingers!

Lange hielt diese türkise Liebe ja nicht: Nach ihrem neuen Aufdeckerbuch ist Susanne Wiesinger ihren Posten als Ombudsfrau zack, zack, zack wieder los. Dabei braucht es gerade diese mutigen Stimmen, um etwas zu verändern. Kritiklose Jasager haben nämlich noch kein Land vorangebracht.

Susanne Wiesinger kann man wahrlich nicht vorwerfen, ein Parteiapparatschik zu sein. Die langjährige SPÖ-Lehrergewerkschafterin, die sich selbst als eine „Rote, sogar eine linke Rote“, beschreibt, avancierte nach ihrem Aufzeigen der Verbreitung und Folgen eines konservativen Islam an Schulen zu einem türkisen Liebkind, dessen Kritik an Wien nur zu dankbar angenommen wurde. Das passte schließlich zur Linie.

Seit ihrem neuen Enthüllungsbuch „Machtkampf im Ministerium“, in dem sie ausführlich darlegt, wie Parteipolitik im Klassenzimmer wichtige Veränderungen behindert, ist das Lobhuldigen aber vorbei. Sie sei „mehr Maulwurf als Ombudsfrau“ gewesen, so der Vorwurf.

Dass sie zuvor von den Roten, nun aber von den Türkisen getadelt wird, zeigt dabei aber vor allem eines: dass es sich gerade wegen dieser Unabhängigkeit lohnt, dieser Frau aufmerksam zuzuhören.

Mutige Menschen bringen unser Land weiter, nicht die Parteisoldaten
Die Kritik aus dem Bildungsministerium ist zwar angesichts der Überraschung über das Buch verständlich, aber dennoch völlig engstirnig. Ein kritischer Geist, wie Susanne Wiesinger einer ist, bleibt ein kritischer Geist und wird sich wohl auch kaum sein Recht auf eine eigene Meinung eilfertig nehmen lassen. Und genau das macht Wiesingers Beobachtungen rund um das heimische Schulsystem wertvoller als jeden Input eines kuschenden Parteisoldaten, der sich dem verkrusteten System beugt, um nur nicht anzuecken.

Denn nur aus dem Aufzeigen von Missständen und Fehlentwicklungen kann sich ein Land weiterentwickeln. Viel mehr als ideologische Klüngel braucht es mutige Menschen, die sich trauen, aufzustehen und den Finger in die Wunde zu legen, auch, wenn das unangenehme Repressalien mit sich bringen kann. Und nicht weniger hat Susanne Wiesinger mit ihren Enthüllungen getan.

Parteiideologie hat im Klassenzimmer nichts zu suchen
Gerade beim Thema Schule sollte man Menschen, die Verfehlungen ansprechen, ernst nehmen. Wenn Wiesinger davon schreibt, dass die Parteipolitik über dem Schulwohl der Kinder steht und Ideologie Erfolge im Bildungsbereich behindert, sind das Anzeichen dafür, dass das gesamte System krankt. Der vor wenigen Monaten präsentierte, erneut maue PISA-Test ist nur ein weiterer Hinweis.

Es braucht offenbar ein völlig neues Denken, um unsere Schulen von Ideologien zu befreien und letztendlich zukunftsfit zu machen. Und auch die Offenheit der Politik, abseits von bloßen Parteiinteressen, dieser Kritik eine Chance zu geben. Auch, oder gerade dann, wenn sie wehtut.

Katia Wagner, krone.at

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