19.12.2019 12:17 |

Feuer gelegt

Erneut Krawalle in Flüchtlingslager auf Samos

Im überfüllten Registrierlager Vathy auf der griechischen Insel Samos haben Migranten am Donnerstag Feuer gelegt und die Polizei mit Steinen und Gegenständen beworfen. Die Polizei habe daraufhin Tränengas eingesetzt, berichteten örtliche Medien. Eine rund 600 Meter vom Lager entfernte Schule sei wegen des beißenden Rauchs evakuiert worden. Auch die Lage im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos ist besorgniserregend.

Überwiegend aus afrikanischen Staaten stammende Migranten fordern seit Tagen, dass sie zum griechischen Festland gebracht werden. Im Lager Vathy harren mehr als 7500 Migranten aus, unter ihnen viele Minderjährige. Das Camp hat eine Aufnahmekapazität für nur 648 Menschen. Bereits im Oktober waren mehrere Menschen bei ähnlichen Ausschreitungen auf Samos verletzt worden.

Mehr als 41.000 Migranten auf Inseln
Die Bürgermeister der Inseln im Osten der Ägäis warnen seit Monaten vor unkontrollierbaren Zuständen wegen der überfüllten Lager. Die konservative Regierung in Athen hat in den vergangenen Monaten mehr als 10.000 Migranten zum Festland gebracht. Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei dauert jedoch an. Zurzeit leben in den und um die Camps der Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mehr als 41.000 Migranten. Noch im April waren es nur 14.000 gewesen.

Gesundheitsversorgung auf Lesbos ist prekär
Vor allem die Lage im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist besorgniserregend. Zu diesem Schluss kommt ein jüngst publizierter Bericht des griechischen Flüchtlingsrats (ESP). Vor allem die Gesundheitsversorgung sei prekär, heißt es in der Studie. Auf Lesbos kamen von Jahresbeginn bis Ende Oktober mehr als 19.000 Flüchtlinge an, die meisten von ihnen im August (3380) und September (4856).

Mehrheitlich handelte es sich um Familien (63 Prozent) und Kinder (33 Prozent). Sie kamen überwiegend aus Afghanistan (71 Prozent), Syrien (13 Prozent) und der Demokratischen Republik Kongo (vier Prozent). Das seien Länder, die „durch weitverbreitete Konflikte, Gewalt und/oder systematische Menschenrechtsverletzungen“ gekennzeichnet seien, stellte der Flüchtlingsrat unter Berufung auf Daten des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR fest.

Tausende Migranten warten auf notwendige Betreuung
Zum Zeitpunkt des Besuchs einer Kommission des griechischen Flüchtlingsrates in Moria lebten in dem für knapp 2900 Personen konzipierten Lager rund 14.000 Personen. Für sie standen insgesamt acht Psychologen, vier Sozialarbeiter, vier Hebammen, drei Ärzte (jeweils ein Kinderarzt, Urologe und Chirurg) und sieben Krankenschwestern zur Verfügung. Tausende warteten noch auf dringend notwendige psychosoziale Betreuung. Depressionssymptome und Selbstmordgefährdung waren vor allem unter jungen Leuten im Lager weit verbreitet, hieß es im Bericht des Flüchtlingsrats. Aber auch die Administration sei stark unterbesetzt, wurde bemängelt. So gebe es in dem Lager gerade einen Koordinator, um die Aufnahmen zu regeln, und fünf Dolmetscher.

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