12.12.2019 07:00 |

Mit Album auf Tour

Zucchero: Zeitgemäßer Sound für die Zivilcourage

Italiens berühmtester Hutträger Zucchero ist auch im Alter von 64 noch mit genug Feuer und Energie ausgestattet, um Missstände und Ungerechtigkeiten dieser Welt anzuprangern. Auf seinem neuen Album „D.O.C.“ lässt der Barde das Politische aber mehr im Hintergrund und kümmert sich verstärkt um Zivilcourage und Zwischenmenschlichkeit. Den Kampf für eine bessere Welt kann man schließlich auch mit Erfahrung und Routine führen.

Zucchero ist so etwas wie das gute Gewissen Italiens. Ein Land, das sich seit geraumer Zeit nicht nur mit steigenden Staatsschulden und den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen muss, sondern das auch zu einem Dreh- und Angelpunkt der Migrationskrise wurde. Adelmo Fornaciari, wie Zucchero eigentlich von seiner Mutter getauft wurde, hat in seinen Blues-durchtränkten Songs schon immer Friede und Zwischenmenschlichkeit propagiert. Er war neben den Toten Hosen 2015 auch eine federführende Kraft beim „Voices For Refugees“-Konzert am Wiener Heldenplatz und ist sich nicht zu schade, innerhalb und außerhalb seiner Songs immer wieder auf Missstände hinzuweisen. Weltmusik mit Weltbotschaften eben - auch wenn er das Politische auf seinem mittlerweile 14. Studioalbum „D.O.C.“ bewusst in den Hintergrund gekehrt hat, wie der „Krone“ im Interview erzählt.

Am Ende Optimismus
„Auf dem neuen Album geht es vielmehr um Zivilcourage. Ich habe lange überlegt, das Album ,Suspicious Times‘ zu nennen, weil wir in Zeiten leben, die wenig Klarheit verschaffen. Etwa bei den Protesten in Hongkong, beim Klimawandel, in Religionsfragen und auch bei den verschiedenen politischen Szenarien. Von diesem Chaos, das derzeit in der Welt herrscht, erzähle ich in einigen Liedern. Wie bei all meinen Werken gibt es aber immer ein Licht am Ende des Tunnels. Ich vermittle im Endeffekt den Glauben, dass die Welt besser werden kann, als sie derzeit ist.“ Eine kräftige Dosis Optimismus hat der mittlerweile 64-Jährige in seinen Songs stets weitervermittelt, das ist dem Barden mindestens genauso wichtig wie die Musik selbst.

Mit dem Album selbst geht Zucchero zurück zu seinen Wurzeln. „D.O.C.“ ist übersetzt ein Qualitätssiegel einer kontrollierten Ursprungsbezeichnung für italienischen Wein und bezeichnet Originialität, Authentizität und Qualität. Drei Begriffe, die den Künstler selbst auszeichnen und sein ganzes Leben lang begleiten. Passend dazu sind auf dem Cover-Artwork sein bekannter Hut eine Gitarre und eine Schaufel zu sehen. Letztere soll die Working-Class-Attitüde widerspiegeln. Die Tatsache, dass er seit jeher ein harter Arbeiter ohne Allüren ist. „Echtheit und Qualität pflege ich als Musiker und in meinem Privatleben. Das Albumcover spiegelt meine Persönlichkeit und die Tatsache wider, dass ich mit beiden Beinen fest am Boden stehe. Das Album ist einerseits sehr konkret, andererseits spirituell.“ Mit der Religion an sich hat Zucchero wenig am Hut, doch das Interesse an etwas Übernatürlichem abseits des Fass- und Greifbaren sind genauso ein Teil seiner Persönlichkeit, wie die fleißige Arbeitsattitüde. „Ich will mich über Stile und Moden hinwegsetzen und ich selbst bleiben.“

Zeitgemäß
Musikalisch hat sich auf „D.O.C.“ im Vergleich zum 2016er Output „Black Cat“ aber doch einiges getan. Hat er vor drei Jahren noch auf die Zusammenarbeit mit Kapazundern wie Mark Knopfler und U2-Kopf Bono gearbeitet, setzte der dieses Mal auf zeitgeistigere Kooperationen. So arbeitete er mit Rag ‚N’ Bone Man an „Freedom“ und veredelte die schwedische Synthpop-Newcomerin Frida Sundemo „Cose che gia sai“. „Ich habe in den letzten Jahren den Generationswechsel im Musikgeschäft gesehen und bemerkt, wie sich die Geschmäcker gewandelt haben. Bei den Recherchen zu diesem Album habe ich mich auf neue Strömungen konzentriert. Ein Teil des Albums ist sehr organisch ausgefallen, wie man es von mir kennt. Gospel-Sänger, Bläser, Streicher und viel Blues. Der zweite Teil ist elektronischer, experimenteller und jünger. Abgesehen davon habe ich ohnehin immer versucht mich neu zu erfinden, ohne meine Authentizität zu verlieren.“

Für altgediente Fans des Italieners ist der neue Sound vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Leidenschaft zur Musik und dem richtigen Kooperationspartner ist auch hier zu jeder Sekunde hörbar. So ganz kann Zucchero die Politkritik ohnehin nicht verstecken. Wer den Text zum Song „Badaboom“ aufmerksam liest, könnte direkt an Donald Trump denken. Das verneint er mit einem verschmitzten Lächeln. „Da geht es allgemein um politische Szenarien. Die Welt ist derzeit stark nach rechts gerichtet und populistisch. Wie ein kochender Topf auf dem Herd, der kurz vorm Explodieren ist.“ Im fortschreitenden Alter wird es für den bodenständigen Musiker auch immer wichtiger, sich auf seinem Bauernhof in der Emilia-Romagna zurückzuziehen. „Für mich ist das Heimkommen längst ein fundamentaler Aspekt. Mir gefällt es auf Tour zu sein, denn ich bin eigentlich ein Vagabund. Aber daheim habe ich meinen Rückzugsort, da wartet jemand auf mich. Wenn man nach zwei Jahren Tournee und tausenden Menschen, die man in der Zeit getroffen hat, hinter sich das Tor schließt, dann ist das Rampenlicht weit entfernt. Das wiederum ist eine ganz andere Art von Freiheit.“

Live in Österreich
Mit „D.O.C.“ im Gepäck ist Zucchero 2020 aber hauptsächlich unterwegs. In Österreich kommen die Fans gleich dreimal in den Genuss seiner Songs. Am 31. Oktober in der Olympiahalle in Innsbruck, am 1. November in der Grazer Stadthalle und am 4. November in der Stadthalle Wien. Weitere Infos und Karten gibt es unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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