15.10.2019 19:58 |

Drama in Niederlanden

Leben im Keller: Mann ist Österreicher Josef B.

Neue Wendung im Keller-Drama in den Niederlanden: Wie die „Krone“ am Dienstagabend erfuhr, handelt es sich bei jenem Mann, der mit sechs jungen Menschen auf einem abgelegenen Bauernhof jahrelang in völliger Isolation in einem Keller gehaust haben soll, um den Österreicher Josef B. Der gebürtige Wiener soll 2010 von Oberösterreich in die Niederlande ausgewandert sein. Nach jüngsten Erkenntnissen dürfte der Mann aber nicht der Vater der jungen Leute sein, die heute zwischen 18 und 25 Jahre alt sind.

Der Mann (58) war festgenommen worden, nachdem die Polizei hinter einem Kasten im Wohnzimmer des Bauernhofs eine Stiege, die in den Keller führte, entdeckt hatte und dort sechs Menschen vorfand. Auf die Spur hatte die Beamten ein 25-jähriger Mann gebracht, der in einem Lokal in Ruinerwold im Bezirk Drenthe aufgetaucht war. Der junge Mann - es soll sich um den ältesten Sohn der Familie handeln - gab in dem Lokal an, dass er neun Jahre lang nicht draußen gewesen und „weggelaufen“ sei.

Neben den fünf Geschwistern des 25-Jährigen - das jüngste Kind soll heute 18 Jahre alt sein - wohnte dort auch der Vater. Er ist seit einem Infarkt vor einigen Jahren bettlägrig. Die Familie lebte offenbar völlig isoliert und wusste nicht, dass es noch andere Menschen auf der Welt gibt. Berichten zufolge warteten sie auf „das Ende der Zeiten“. Die Mutter der Kinder starb vor neun Jahren. Nachbarn sagten aus, die Kinder nicht zu kennen, lediglich den am Dienstag festgenommenen Mann hätten sie hin und wieder bei Gartenarbeiten gesehen.

Wie der niederländische Lokalsender RTV Drenthe berichtete (siehe Screenshot oben), soll der Mann von den ahnungslosen Anrainern „Josef, der Österreicher“ genannt worden sein - weil er aus Österreich stamme. Wie die „Krone“ am Dienstagabend dann erfuhr, handelt es sich bei dem Festgenommenen tatsächlich um einen Österreicher mit dem Namen Josef B. Der gebürtige Wiener soll aktuellen „Krone“-Informationen zufolge 2010 in die Niederlande ausgewandert sein. Der Sprecher des Außenministeriums in Wien, Peter Guschelbauer, bestätigte am Dienstagabend auch entsprechende Berichte niederländischer Medien.

Fall weckt Erinnerungen an Josef F.
Der Fall weckt - obwohl gänzlich anders gelagert - entfernt Erinnerungen an Josef F., der im Jahr 2008 aufgeflogen war. Der Amstettner hatte 24 Jahre lang seine Tochter in einen Keller gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Josef F. wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt.

Die Bewohner von Ruinerwold sind geschockt. Sie sagten Reportern, dass sie bei dem Hof immer nur einen Mann gesehen hätten. Von einer Gruppe hätten sie nichts gewusst. Der Hof liegt versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rand des Dorfes entfernt. Dazu gehören nach Aussagen von Reportern ein großer Gemüsegarten und eine Ziege. Möglicherweise habe sich die Gruppe jahrelang selbst versorgt.

Fest steht mittlerweile: Der Bauernhof war gemietet, Besitzerin Alida ten Oever zeigte sich am Dienstag überrascht von den Ereignissen. „Ich habe noch nie etwas Defektes gesehen“, der 58-Jährige habe die Miete immer ordentlich bezahlt, so ten Oever. „Ich bin wirklich erstaunt, das alles zu hören“, sagte die Frau gegenüber „De Telegraaf“. Sie sei eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Jahren mehrmals auf dem Grundstück gewesen, habe aber außer dem Mann niemanden auf dem Bauernhof wahrgenommen.

Dorfbewohner machten unterschiedliche Erfahrungen mit dem Mann
Die Beschreibungen des Mannes von der Dorfbevölkerung unterscheiden sich teils deutlich. Während ein Nachbar ihn als freundlichen Herrn beschrieb, der immer grüßte, sei er laut einem anderen Anrainer ein unangehmer Zeitgenosse. „Du musstest nur in die Nähe des Hofes kommen und er hat dich schon weggeschickt. Er hat alles mit einem Fernglas beobachtet“, beschrieb ein Nachbar gegenüber dem Lokalsender den Mann als unfreundlich und abweisend.

Bei Nachbar Jans Keiser hätten eigenen Worten zufolge mehrmals die Alarmglocken geläutet. „Das Tor an seiner Brücke war immer verschlossen ... Eines Abends habe ich einmal versucht, mich mit einem Nachbarn auf dem Grundstück umzusehen. Dann sahen wir eine Kamera in einem Baum hängen. Das war ein Grund für uns, wieder zurückzugehen“, so der geschockte Anrainer. Keiser zufolge seien in den vergangenen neun Jahren auch mehrmals Polizeiautos vor dem Bauernhof zu sehen gewesen. Er habe gedacht, es gehe vielleicht um Drogen-Angelegenheiten.

In welchem Verhältnis stehen Mann und junge Menschen?
Die Gruppe „lebte in sehr provisorischen Räumen“, sagte der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde, Roger de Groot, am Dienstag auf einer Pressekonferenz. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Es gebe noch sehr viele offene Fragen, so der Bürgermeister, dem zufolge nicht bekannt ist, in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis der Mann zu den mittlerweile erwachsenen Kindern steht.

Die Polizei wollte zu den genauen Lebensumständen der Familie bislang keine näheren Angaben machen. Auch über ihren genauen Gesundheitszustand ist nichts bekannt. Die Untersuchungen seien noch in vollem Gange. „Alle Szenarien sind noch offen“, sagte eine Sprecherin. Der 58-Jährige sei festgenommen worden, „weil er nicht an unserer Untersuchung mitarbeitete“.

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