10.09.2019 20:45 |

Gewalt in Nordirland

Video: Polizei mit Molotowcocktails angegriffen

Der bevorstehende Brexit lässt es in Nordirland weiter brodeln: Im Grenzort Derry kam es am Montagabend zu heftigen Ausschreitungen. Dutzende Polizisten seien von einer Menschenmenge mit etwa 40 Molotowcocktails und anderen Wurfgeschossen angegriffen worden (siehe auch Video oben), teilte die Polizei mit. Zu der Straßenschlacht kam es, als etwa 80 Polizisten ein Wohnviertel nach Baumaterial für Bomben durchsuchen wollten. Eine Autobombe musste dabei entschärft werden - sie sollte offenbar einer Polizeistreife gelten.

Die Autobombe wurde im Stadtteil Creggan entdeckt. Im selben Stadtteil war im April eine Journalistin bei Zusammenstößen zwischen Nationalisten der New IRA und der Polizei erschossen worden. Bei der Durchsuchung des verdächtigen Fahrzeugs am Montagabend wurden die Beamten aus einer Menge von Demonstranten heraus mit Dutzenden Brandsätzen beworfen.

Sprengsatz „hätte jeden in seiner Umgebung getötet oder verstümmelt“
Mindestens zwei Jugendliche zogen sich Brandverletzungen zu, die Polizisten bleiben unverletzt. Mehrere Familien mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden, wie britische Medien am Dienstag berichteten. Im Fall einer Explosion hätte der Sprengsatz „jeden in seiner Umgebung getötet oder verstümmelt“, sagte der stellvertretende Polizeichef von Derry, Mark Hamilton.

Hinter dem geplanten Anschlag steckt demnach die katholisch-republikanische Splittergruppe „Neue IRA“. Sie ist den Ermittlern zufolge auch für einen kürzlich versuchten Anschlag mit einer Mörsergranate auf ein Polizeirevier verantwortlich. Gefunden wurde diese auf einer Mauer nahe der Polizeidienststelle. Sie konnte entschärft werden. Ähnliche Vorfälle hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach gegeben.

Lässt Brexit alten Irlandkonflikt wieder aufflammen?
Es wird befürchtet, dass der am 31. Oktober geplante Brexit den alten Konflikt zwischen katholischen Befürwortern einer Vereinigung Irlands und protestantischen Loyalisten wieder schürt. Die irische Grenzfrage gehört zu den umstrittensten Punkten beim EU-Austritt. Die EU und Irland fordern eine Garantie, dass keine Kontrollposten an der Grenze errichtet werden müssen, weil eine neue Teilung der Insel politische Unruhen auslösen könnte. Zurzeit ist die Grenze im grünen Hügelland fast unsichtbar, sie kann problemlos passiert werden.

Bis eine andere Lösung gefunden wird, sollen für Nordirland weiter einige EU-Regeln gelten und Großbritannien in der EU-Zollunion bleiben. Diese Backstop genannte Lösung trifft aber auf heftigen Widerstand der britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson. Brexit-Hardliner fürchten eine zu starke Bindung an die Staatengemeinschaft. Bei einem Besuch am Montag in Dublin versicherte Johnson zwar, dass eine harte Grenze in der Region vermieden werden soll - wie das umgesetzt werden könnte, verriet er allerdings nicht.

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