24.08.2019 06:00 |

Strafen verschärft

Rettungsgasse bilden: Noch immer viele Probleme

In dieser Woche hat ein Lenker, der auf der S6 als Geisterfahrer durch die Rettungsgasse gefahren war, für Aufregung gesorgt. Doch auch sonst funktioniert das System der Rettungsgasse auf Österreichs Straßen oft nicht.

Damit Einsatzfahrzeuge schneller zum Notfallort gelangen, wurde mit 1. Jänner 2012 die so genannte Rettungsgasse eingeführt. „Sie ist immer dann zu bilden, sobald der Verkehr auf einer Richtungsfahrbahn in einem Abschnitt mit mindestens zwei Fahrstreifen, ins Stocken gerät - und nicht erst dann, wenn Blaulichtfahrzeuge nahen“, weiß Juristin Tanja Tretzmüller vom ÖAMTC.

Oft wird Rettungsgasse gar nicht gebildet
Benutzt werden darf die Rettungsgasse außer von Polizei, Feuerwehr und Rettung auch von den Fahrzeugen des Straßendienstes, des Pannendienstes sowie von Leichenwägen. Doch trotz Informationskampagnen gibt es nach wie vor Probleme. Oftmals wird die Rettungsgasse nämlich gar nicht gebildet, in etlichen Fällen wird sie von rücksichtslosen Lenkern befahren, manchmal sogar entgegen der Fahrtrichtung - so wie im jüngsten Fall auf der S6 oder im November 2017, als eine Postzustellerin in Salzburg ihr Fahrzeug einfach wendete und durch die Rettungsgasse als Geisterfahrerin zur nächsten Ausfahrt fuhr.

Bei Missbrauch drohen jetzt hohe Geldstrafen
Um diesem Irrsinn Herr zu werden, verschärfte der Gesetzgeber erst kürzlich die Strafen. „Bildet man die Rettungsgasse nicht oder befährt diese verbotenerweise, droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu Euro 726“, weiß Expertin Tretzmüller. Werden Hilfskräfte dabei auch noch behindert, wird es mit bis zu 2180 Euro Strafe richtig teuer. Außerdem droht eine Vormerkung und im Wiederholungsfall damit der Führerscheinverlust.

Feuerwehrsprecher: „Bei rund 50 Prozent alle Fälle funktioniert es nicht“
Doch trotzdem will das System vielerorts einfach nicht funktionieren. Fahrer der Wiener Berufsrettung klagen darüber, dass die Rettungsgasse auf der Tangente „mehr schlecht als recht“ gebildet werde und sie nur schwer vorankämen. Ähnlich die Situation in Niederösterreich. „Bei rund 50 Prozent aller Fälle funktioniert es nicht“, klagt Feuerwehrsprecher Franz Resperger.

„Nicht erst einmal mussten die Helfer aus ihren Einsatzfahrzeugen aussteigen und zu Fuß, bepackt mit den lebensrettenden Einsatzgeräten, zur Unfallstelle vorlaufen.“ Wenig Probleme gibt es dagegen laut den Einsatzorganisationen etwa im Burgenland oder in Vorarlberg. „Denken Sie daran: Auch Sie oder Ihre Familie könnten einmal auf rasche Hilfe angewiesen sein“, appelliert die Polizei an Lenker, die Rettungsgasse bei Stau rasch zu bilden.

Patrick Huber, Kronen Zeitung

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