Wenn das Paradies zur Hölle wird: Im Jahr 1954 ereignete sich in Blons im Großen Walsertal eines der schwersten Lawinenunglücke in der Geschichte Österreich. Ein Themenweg erinnert an dieses traumatische Ereignis.
In der Gemeinde Blons im Großen Walsertal befindet sich ein Lawinendokumentationszentrum – ein Ort der Erinnerung, der Information und der Auseinandersetzung mit den Naturgefahren des alpinen Raums. Das Zentrum wurde eingerichtet, um an eine der verheerendsten Naturkatastrophen des 20. Jahrhunderts in Österreich zu erinnern und gleichzeitig Wissen über Lawinen und Schutzmaßnahmen zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht dabei das Unglück vom Jänner 1954, welches Blons und seine Bewohner tief geprägt hat. Damals führten außergewöhnlich starke Schneefälle zu einer extrem angespannten Lawinensituation in ganz Vorarlberg.
Der Tag, an dem der weiße Tod Blons heimsuchte
Am 11. Jänner 1954 lösten sich oberhalb von Blons innerhalb weniger Stunden zwei gewaltige Lawinen und rasten binnen kurzer Zeit ins Tal. Häuser wurden zerstört, ganze Familien ausgelöscht und zahlreiche Menschen verschüttet. Insgesamt verloren 57 Bewohner des Dorfes ihr Leben. Die Tragödie ging als Lawinenkatastrophe von Blons in die Geschichte ein. Gleichzeitig löste sie eine der größten Rettungsaktionen der damaligen Zeit aus: Helfer aus vielen Regionen sowie Soldaten und Freiwillige beteiligten sich an der Suche nach Überlebenden und am Wiederaufbau der zerstörten Ortschaft.
Typ: Themenwanderung
Startpunkt: Gemeindezentrum Blons
Dauer: zweieinhalb bis drei Stunden Aufstieg: knapp 300 Höhenmeter
Ausrüstung: Wanderschuhe mit guter Profilsohle, dem Wetter angepasste Kleidung, Tagesrucksack mit Getränk Einkehrmöglichkeit: Gasthaus Falva in Blons (Montag und Samstag Ruhetag)
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 570 (ab Busplatz Thüringen bis Blons)
Interessierte erhalten im Lawinendokumentationszentrum einen eindrucksvollen Einblick in die dramatischen Ereignisse jener Tage, aber auch in das Leben der Menschen im Großen Walsertal damals und heute. Besonders bewegend sind die persönlichen Berichte von Überlebenden, die schildern, wie sie die Lawinen erlebten und wie die Dorfgemeinschaft nach der Katastrophe zusammenhielt. Neben der historischen Aufarbeitung widmet sich die Ausstellung auch der wissenschaftlichen und praktischen Seite des Lawinenschutzes. Dazu zählen etwa Lawinenverbauungen, Schutzwälder sowie moderne Warnsysteme.
Eine liebliche Landschaft, kein Katastrophengebiet
Direkt beim Gemeindezentrum starten auch drei Themenwege. Für den heutigen Tourentipp geht es entlang des Leusorgweges. Zunächst folgt man der Dorfstraße ein kurzes Stück taleinwärts, bevor man links abbiegt und der Beschilderung folgend nach Oberblons aufsteigt. Schon bald hat man einen schönen Ausblick zurück auf das Dorfzentrum sowie auf Raggal auf der gegenüberliegenden Seite. Es geht vorbei an den letzten hochgelegenen Höfen bis zu jener Stelle, wo am 11. Jänner 1945 um 19 Uhr die sogenannte Monta-Calv-Lawine in Richtung Dorfzentrum raste und dabei über zwei Höfe hinwegfegte (insgesamt sechs Tote). Eine Informationstafel mit Fotos erläutert die Ereignisse.
Über 80 Jahre später, an einem warmen Tag im März, erinnert ansonsten nichts mehr an die Katastrophe. Die Landschaft vermittelt einen äußerst friedlichen Eindruck: Die Hänge sind aper, die Bergwiesen trocken und erste Frühlingsblumen sprießen – der ungetrübte Sonnenschein sorgt für milde Temperaturen, die sogar vereinzelt Schmetterlinge hervorlocken. Die Route führt weiter leicht bergan und schließlich passiert man das Eschtobel, wo in den feucht-schattigen Ecken im Schutz der Bäume Märzenbecher und Leberblümchen blühen.
Das Leberblümchen ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Es kommt vor allem in Europa und Teilen Asiens vor und wächst bevorzugt in lichten Laubwäldern auf kalkhaltigen Böden. Die Pflanze gehört zu den typischen Frühblühern und blüht in der Regel von März bis April. Ihre auffälligen Blüten sind meist blau-violett gefärbt, können aber auch weiß oder rosa erscheinen. Die Blätter sind dreilappig, lederartig und erinnern in ihrer Form an eine menschliche Leber, was dem Leberblümchen seinen deutschen Namen eingebracht hat. Ökologisch ist das Leberblümchen eine wichtige frühe Nahrungsquelle für Bienen und andere bestäubende Insekten, die im zeitigen Frühjahr aktiv werden. Gleichzeitig reagiert die Pflanze empfindlich auf Standortveränderungen und intensiven Eingriff in ihren Lebensraum. In vielen Regionen steht sie deshalb unter Naturschutz und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.
Über eine Wiese geht es danach weiter zur nächsten Station des Leusorgweges, die der „Falvkopf-Lawine“ gewidmet ist. Auch hier begruben die Schneemassen 1954 Menschen und Gebäude unter sich. Nach diesem Stopp gelangt man zur Photovoltaikanlage. Die Strecke führt nun durch die Anlage hindurch in Richtung „Valentschina“ und mündet in einen Waldpfad. Diesem folgt man talwärts, bis man wieder auf die Straße gelangt und retour nach Blons wandert. Unterwegs werden noch zwei weitere Stationen des Themenwegs passiert.
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