27.07.2019 15:00 |

Runderneuerung

Neufassung: Ambros‘ Watzmann wird zum Klimadrama

Hollaröhdulliöh! „Der Watzmann ruft“, das legendäre Alpen-Rock-Musical des Austropoppers Wolfgang Ambros, ist in München mit neuen Texten auf die Bühne zurückgekehrt. Die Neuauflage des Stücks feierte am Freitag im Deutschen Theater ihre Erstaufführung.

Ins hinterwäldlerische Leben am Fuße des Watzmanns ziehen Kommerz und Raubbau ein. Ein Misthaufen aus Plastikmüll und ein Kruzifix aus Kunststoff gaukeln Touristen oberbayerische Tradition und Landidylle vor, die Mägde aus Polen und Chemnitz üben extra das Ave Maria auf Bayrisch. Dem Urlaubsgast, der über Dämpfe aus der Germknödelmaschine in seinem Zimmer klagt, wird das als gesunde Luft gepriesen.

CSU und bayerische Staatsregierung bekommen als Förderer des Ausbaus zu Ungunsten der Natur ihr Fett ab. Über allem thront der Watzmann, riesig über der Alm des Bauern an die Bühnenwand projiziert: Mal tief verschneit, mal wolkenumwoben, mal bedrohlich im künstlich für die Touristen inszenierten Gewitterdonner.

Bua als Klimaretter
Der Bauer (Aurel Bereuter) denkt nur an seinen Profit, seine Aktien und seine Beteiligung an der Liftgesellschaft. Sein Sohn - der Bua (Christoph Theussl) hat keine Lust, an der „Kassa des Klimakillers“ zu sitzen: Der Lift gondelt bis zum Gipfel des Watzmanns, auf den in der realen Version bei Berchtesgaden bis heute keine Seilbahn führt.

Gailtalerin als Influencerin
Auf der Gamsjagd schaut der Bua erst mal in die Rote Liste, bevor er schießt, und die Verführung durch die Gailtalerin scheitert: Der Bua ist in der MeToo-Debatte stecken geblieben. „Nein heißt nein“, faucht er die Gailtalerin an, die sonst allen Mannsbildern, dem Bauern und den beiden Knechten den Kopf verdreht - inzwischen auch online als Influencerin. Mit Sabine Kapfinger alias die Alpine Zabine spielt den Alpen-Vamp erstmals tatsächlich eine Frau - bei Ambros schlüpfte ein Mann in die roten Unterröcke.

Viel Applaus für Erstaufführung
Arnd Schimkat, der immer mal als Tourist durchs Bild stapft, gibt zugleich als Kapuzenmann den hintersinnig moralisierenden Erzähler. Wie in der noch original-nahen Inszenierung vor gut einem Jahr übernimmt der bayerische Liedermacher Mathias Kellner den Ambros-Part als Sänger. Alle anderen Rollen hat Regisseur Sven Kemmler neu besetzt. Die Lieder sind teils geblieben, wenn auch mit neuen Texten. Für das neue Buch zeichnet sich der Münchner Kabarettist und Musiker Ecco Meineke verantwortlich.

Schmuddelige Lederhosen, freizügige Dirndl und felsige Kulissen werden das satirische Bergdrama („Rustical“), das in den 1970er Jahren als Parodie auf verkitschte Heimatfilme entstand, aber auch weiterhin prägen. Das Publikum, erkennbar mit großem Fananteil der Ambros-Version, würdigte die neue Bühnenfassung mit viel Applaus. 

Wolfgang Ambros (67) selbst hatte sich 2016 von „seinem“ Watzmann, den er gemeinsam mit Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz ins Leben gerufen hatte, verabschiedet. Er war als Erzähler und Musiker unzählige Male in der Alpen-Saga über den Kampf zwischen Berg und Mensch sowie Mann und Weib zu sehen.

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