Welser ist gehörlos

Ein junger Glaser baut auf den Blickkontakt

Seine Mama ist taub, sein Vater schwerhörig. Und er selbst? „Der Arzt sagt, dass ich taub bin, aber ich fühle mich wie schwerhörig“, lächelt Tobias Kohel, der an jedem Ohr ein Hörgerät trägt und Worte von den Lippen abliest. Im Glasereibetrieb von Gerald Straßmair in Gunskirchen schloss der 18-Jährige zuletzt die Lehre ab.

Beim Landeslehrlingswettbewerb der Glaser wurde Tobias Kohel Zweiter, beim Bundeslehrlingswettbewerb, der in zwei Teilen ausgetragen wird und erst im Oktober in St. Pölten zu Ende geht, ist der 18-Jährige ebenfalls am Start. „Tobias lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen“, schwärmt Gerald Straßmair über seinen Mitarbeiter. Gespräche der Kollegen, Musik - die Ablenkungs-Klassiker spielen bei Tobias keine Rolle. Denn: Der Welser ist gehörlos.

Mit Dolmetscher zur Lehrabschlussprüfung
Sein Handicap machte dem jungen Mann bei seinem Berufsweg keinen Strich durch die Rechnung, auch wenn nicht alles so einfach für ihn ist wie für gesunde, junge Menschen. In der Berufsschule hatte er eine Gebärdensprach-Dolmetscherin der Caritas an seiner Seite, auch bei der Lehrabschlussprüfung war jemand zum Dolmetschen mit. „Ich hatte Angst, dass ich sonst etwas nicht richtig verstehe“, verrät der 18-Jährige, der sonst von den Lippen seines Gegenübers abliest.

“Habe schon viele Schritte gemacht“
Die Lehre hat er erfolgreich absolviert, Führer- und Staplerschein in der Tasche. „Ich habe schon viele Schritte gemacht“, sagt Kohel, der einem Kollegen auch die Gebärdensprache beigebracht hat. Vieles funktioniert in der Arbeit mit Blickkontakt und dem Lesen von Plänen. Wie’s nun weitergeht? „Mein Chef sagt, ich soll mich weiterbilden, aber das ist eine große Herausforderung“, meint er.

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger
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