08.07.2019 18:44 |

14 Moves auf Lager

YouTube-Star „Snowball“ begeistert Forscher

Der mittels YouTube berühmt gewordene Kakadu „Snowball“ hat mit seinen lässigen Tanzbewegungen eine für Tiere außergewöhnliche Spontaneität bewiesen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher im Fachmagazin „Cell Press“. Vögel sind demnach die einzigen Tiere, die Bewegungen auf Musik abstimmen können. An „Snowball“ sei beobachtet worden, dass er auch neue Tanzschritte eingeführt habe, so die Forscher. Das könne sogar für Kreativität sprechen.

Vor mehr als zehn Jahren wurden erstmals Videos hochgeladen, mit denen „Snowball“ auf YouTube bis heute Millionen von Zuschauern fasziniert. Seine Besitzerin Irena Schulz filmte ihn in seinem Zuhause in Schererville im US-Bundesstaat Indiana. In den Videos steht er auf einer Stuhllehne, hinter ihm sind mehrere Vogelkäfige zu sehen. Sobald die Musik erklingt, startet der Kakadu Tanzbewegungen, die erstaunlich menschlich aussehen. Zu den Backstreet Boys stellt er seinen gelben Kamm auf, nickt wild mit dem Kopf, hebt abwechselnd die Beine und krächzt im Takt.

Kein Balz- oder Futter-Tanz
Frühere Untersuchungen mit „Snowball“ hatten bereits gezeigt, dass der Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita eleonora) die Bewegungen nicht zu einem bestimmten Zweck ausführte - also weder für die Balz noch dafür, Futter zu bekommen. Für ihre neue Studie machten die Forscher Filmaufnahmen, die die Fortschritte des damals zwölf Jahre alten Kakadus dokumentieren sollten. „Snowball“ tanzte hierfür zu den Liedern „Another One Bites the Dust“ von Queen und „Girls Just Wanna Have Fun“ von Cyndi Lauper. Jeder Tanz wurde dreimal gefilmt. „Snowball“ kannte die Lieder bereits, und die Besitzerin rief ihm während des Tanzes aufmunternde Worte zu. Die Menschen im Raum tanzten jedoch nicht.

Vom Headbanging bis zum Seitenschritt
Die Neurowissenschaftlerin und ausgebildete Tänzerin Joanne Keehn von der San-Diego-State-Universität analysierte die Bewegungen des Kakadus. Dabei zeigte sich, dass „Snowball“ insgesamt 14 Tanzbewegungen gemacht hatte - zum Beispiel eine Art Headbanging, Seitenschritte oder kreisende Kopfbewegungen. Auch zwei Kombinationen aus Kopf- und Fußeinsatz hatte der Vogel auf Lager. Im Gegensatz zu Menschen tanzte „Snowball“ nicht die ganze Zeit, sondern abschnittsweise. Bei den Wiederholungen zeigte sich, dass der Kakadu nie dreimal genau die gleiche Bewegung zur selben Sequenz machte.

Für die Forscher sind diese Erkenntnisse besonders interessant, weil „Snowball“ damit Spontaneität bewies. Er entschied offenbar selbst, wie er sich gerade bewegen wollte. Auch das Erlernen der neuen Tanzschritte sei ungewöhnlich. „Uns interessiert am meisten die schiere Vielfalt seiner Bewegungen zur Musik“, sagte Co-Autor Aniruddh Patel.

Bewegungen beim Menschen abgeschaut?
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Papageien sich das Tanzen bei Menschen abschauen. Dabei bewältigen sie das sogenannte Korrespondenzproblem: Die Vögel müssen Bewegungen eines Körpers, der ganz anders aufgebaut ist als ihr eigener, auf die eigenen Bewegungsmöglichkeiten übertragen. Im Fall von „Snowball“ halten es die Forscher allerdings für möglich, dass sich der Vogel die Moves sogar selbst ausgedacht hat, also zu echter Kreativität in der Lage war.

Musikalisch begabte Vögel 
„Snowball“ ist nicht der einzige Papagei, der tanzen kann. Auf YouTube treten diverse musikalisch begabte Vögel auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Papageien als einzige Tiere eine Reihe von Fähigkeiten mit uns Menschen teilen. Insbesondere das Nachahmen von Lauten zählt dazu. Beim Tanzen müssen die Bewegungen in einer bestimmten Gehirnregion, dem Motorcortex, bewusst auf die Musik abgestimmt werden. Das könnte erklären, warum Papageien tanzen, andere hoch entwickelte Tiere wie zum Beispiel Primaten aber nicht.

Tanzen als soziales Verhalten
Beim Menschen ist Tanzen vor allem ein soziales Verhalten. Die Forscher wollen deshalb anhand gesammelter Daten untersuchen, ob das auch bei „Snowball“ der Fall sein könnte - ob er also öfter und mehr tanzt, wenn andere in seiner Umgebung tanzen.

„Snowball“ war 2007 von seinen Vorbesitzern in die Vogelstation von Irena Schulz gebracht worden. Schon damals tanzte „Snowball“ gerne, was die Forscher zu einer ersten Studie über ihn veranlasste. Kurze Zeit später beobachtete Irena Schulz, dass der Kakadu sein Repertoire stark erweitert hatte. Die Forscher gehen davon aus, dass „Snowball“ nie trainiert wurde, sondern Menschen beim Tanzen beobachtete und dann sozial interagierte.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen