12.04.2010 13:14 |

Neue Liste von 2010

Das sind die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Anlässlich des israelischen Holocaust-Gedenktages 2010 hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem am Montag eine neue Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher veröffentlicht. Nachdem dem bislang an der ersten Stelle stehenden Ivan Demjanjuk mittlerweile in Deutschland der Prozess gemacht wird, gab es in der Aufstellung einige Veränderungen.

1. Sandor Kepiro (Ungarn)
Erstmals steht der ehemalige ungarische Polizeioffizier Sandor Kepiro an erster Stelle. Der heute 95-Jährige wird beschuldigt, im Jänner 1942 im serbischen Novi Sad an der Ermordung von mehr als 1.200 Zivilisten teilgenommen zu haben.

2. Milivoj Asner (Österreich, Bild Mitte)
Der heute 96 Jahre alte ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation Hunderter Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. Österreich liefert den in Kärnten lebenden Asner nicht an Kroatien aus, weil ihm mehrere Gutachten Vernehmungsunfähigkeit wegen Demenz attestieren.

3. Samuel Kunz (Deutschland)
Kunz wird der Teilnahme am Massenmord an Juden im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Belzec im damals besetzten Polen beschuldigt.

4. Adolf Storms (Deutschland)
Der ehemalige SS-Unteroffizier soll im März 1945 am Mord an 58 jüdischen Zwangsarbeitern im Dorf Deutsch Schützen im Burgenland beteiligt gewesen sein.

5. Klaas Carl Faber (Deutschland)
In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen im Transitlager Westerbork und dem Gefängnis von Groningen 1944 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Faber flüchtete 1952 aus dem Gefängnis.

6. Karoly (Charles) Zentai (Australien)
Er nahm 1944 an der Verfolgung und dem Mord an Juden in Budapest teil. Ungarn hat 2005 die Auslieferung beantragt. Zentais letzter Einspruch wird derzeit vor Gericht in Perth verhandelt.

7. Soeren Kam (Deutschland)
Das ehemalige SS-Mitglied wird beschuldigt, für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich zu sein. Kam soll das Einwohnerverzeichnis der jüdischen Gemeinde in Dänemark gestohlen und damit die Deportation von dänischen Juden in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben.

8. Peter Egner (USA)
Ehemaliges Mitglied der von den Nazis kontrollierten Sicherheitspolizei im serbischen Belgrad. Von April 1941 bis September 1943 soll er an der Tötung von 17.444 Juden, Kommunisten sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. Serbien hat die Ausweisung Egners beantragt.

9. Algimantas Dalide (Deutschland)
Nahm Juden fest, die später von den Nationalsozialisten und litauischen Kollaborateuren getötet wurden. Von den USA ausgeliefert und in Litauen verurteilt. Musste aber seine Haftstrafe aus "Alters- und Gesundheitsgründen" nicht antreten.

10. Michail Gorschkow (Estland)
Arbeitete als Dolmetscher für die Gestapo in Weißrussland und soll an der Ermordung von Juden in Slutzk beteiligt gewesen sein.

Weitere Top-Gesuchte möglicherweise schon tot
In einer Sonderkategorie sucht das Wiesenthal-Zentrum weiterhin nach zwei Nazi-Kriegsverbrechern, die aber bereits verstorben sein könnten: Alois Brunner (Bild rechts), der wichtigste bisher strafrechtlich nicht verfolgte Hitler-Scherge. Der heute 98 Jahre alte ehemalige SS-Hauptsturmführer gilt als "rechte Hand" Adolf Eichmanns. Als "Ingenieur der Endlösung" soll der Österreicher für den Tod von etwa 130.000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. Zum letzten Mal wurde er 2001 gesehen.

Ebenfalls nicht mehr am Leben sein könnte Aribert Heim (Bild links). Nach Presseberichten soll der als "Dr. Tod" berüchtigte frühere KZ-Arzt bereits 1992 im Alter von 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Das Wiesenthal-Zentrum bezweifelt die Angaben jedoch, weil weder der Tod bestätigt noch die sterblichen Überreste gefunden worden sind.

Gedenken stets am Jahrestag des Warschauer Aufstands
Der israelische Holocaust-Gedenktag Yom Hashoah, zu dessen Anlass die Liste aktualisiert wurde, wird in Erinnerung an den Aufstand im Warschauer Ghetto im April 1943 alljährlich am 27. Nisan des jüdischen Kalenders begangen. Da der jüdische Kalender nach dem Mond berechnet wird, variiert das Datum im gregorianischen Kalender. 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es noch rund 207.000 Überlebende des Holocausts in Israel.

US-Präsident Barack Obama erinnerte in einer Erklärung zum Holocaust-Gedenktag an "diejenigen, die die Gräuel erlitten". Der Holocaust sei ein Aufruf an alle Völker, ihre Verpflichtung zu erneuern, Völkermord zu verhindern und "Antisemitismus und Vorurteilen in allen Formen" entgegenzutreten.

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