DTM-Boss

Berger bleibt Elektro-Skeptiker: „Offene Fragen“

Motorsport
03.05.2019 08:10
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

DTM-Chef Gerhard Berger sieht den Trend zum Elektroauto im Straßenverkehr und im Sport weiter skeptisch. „Da sind noch viele offene Fragen“, verwies der Österreicher unter anderem auf Probleme mit der Effizienz und des Recyclings. Die DTM werde mittelfristig jedenfalls nicht vom Verbrennungsmotor abrücken. „Das würde die DTM nur dann machen, wenn die Automobil-Industrie ganz davon abgeht.“

Eine solche Entwicklung sei jedoch nicht absehbar. „Die Automobil-Industrie wird noch viele Jahre auf den Verbrennungsmotor zurückgreifen, weil es noch immer die immer effizienteste Lösung ist“, betonte Berger. In der Vergangenheit hatte der 59-Jährige schon Zweifel am sportlichen Wert der vollelektrischen Formel E angemeldet.

Der Tiroler gestand ein, dass es bei den Gesprächen mit möglichen Partnern zwar manchmal Schwierigkeiten gebe, wenn man eine Rennserie verkaufen will, die auf den Verbrennungsmotor setzt. „Das Elektrische ist natürlich ein Thema, da tut man sich da und dort schon schwerer“, erklärte er. Die Frage sei allerdings, „wie sehr das noch Zukunftsmusik ist und wie sehr dann schon ein Thema für heute. Da muss man einfach noch ein bisschen abwarten, ob sich das Elektrische überhaupt so durchsetzt und ob es überhaupt einen nachhaltigen Vorteil bringt im Straßenverkehr und vor allem im Rennsport“.

Das Deutsche Tourenwagen Masters befindet sich im Umbruch. Hinter den Kulissen wurden zuletzt zahlreiche Weichen gestellt, damit die Meisterschaft trotz des Wegfalls von Mercedes in diesem Jahr attraktiv und für die Zuschauer interessant bleibt. So geht die DTM mit leistungsfähigeren Turbo-Einheitsmotoren in ihre 20. Saison seit der Neugründung, dazu wurde Aston Martin als dritter Hersteller neben Audi und BMW gewonnen.

„Es ist so, dass Aston Martin sicher ein würdiger Nachfolger von Mercedes ist“, brachte es Berger auf den Punkt. Quasi in Rekordzeit schraubte der Aston-Martin-Lizenznehmer, das St. Gallener Team R-Motorsport, dank einer Kooperation mit dem Ex-Mercedes-Partner HWA ein funktionierendes Paket zusammen. Berger ist überzeugt: „Es wird so sein, dass sie wahrscheinlich auf Anhieb gute Leistungen abgeben werden, weil sie ja auf das HWA-Team zurückgreifen, und die haben schon enorm viel Erfahrung in der DTM.“

Die Aussage, dass Aston Martin die DTM gewissermaßen vor dem Untergang bewahrt habe, sei aber falsch. „Das ist übertrieben, weil die Planung sowieso auf Audi und BMW abgestimmt war. Das Starterfeld wäre auch so garantiert gewesen.“ Ein vierter Hersteller soll noch dazukommen - wann genau, ist offen. „Wir arbeiten derzeit in alle Richtungen maximal. Das sind keine Entscheidungen, die über Nacht getroffen werden“, verdeutlichte Berger. „Es ist ja nicht normal, dass das so schnell geht und Aston Martin in der kurzen Zeit schon startklar ist. Eigentlich war der Einstieg von Aston Martin erst im nächsten Jahr geplant gewesen.“

Der Austro-Anteil in der DTM bleibt nicht nur wegen Berger weiter hoch. Mit Ferdinand Habsburg sitzt ein österreichischer „Rookie“ in einem Aston Martin und steht als Kaiser-Urenkel freilich unter besonderer Beobachtung. Bei den Testfahrten vor Saisonstart zeigte der 21-Jährige schon einmal wenig Anpassungsschwierigkeiten. „Es wird interessant sein, zu sehen, wie er sich schlägt“, sagte Berger über den Salzburger. BMW-Pilot Philipp Eng habe in seinem zweiten Jahr „schon mehr Erfahrung“, auch von ihm könne man einiges erwarten.

Für Berger ist die Aufgabe als DTM-Lenker eine herausfordernde Tätigkeit, die vollen Einsatz an vielen Fronten verlangt. Dafür hat er bis jetzt aber fast ausnahmslos Lob eingeheimst - dem Ex-Formel-1-Fahrer wird von allen Seiten eine gute Arbeit bescheinigt. „Es ist immer angenehm, wenn man positiv kommentiert wird. Andererseits weiß man, wenn man lange genug im Geschäft ist, das kann sich schnell auch wieder drehen“, bleibt Berger diesbezüglich aber gelassen.

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