20.04.2019 06:05 |

Hauterkrankung

Sex trotz Schuppenflechte

Etwa 250.000 Österreicher leiden an Psoriasis (Schuppenflechte), oft mit großer Beeinträchtigung im Alltag. Viele Betroffene vermeiden Körperkontakt, aus Angst oder Scham. Dazu gibt es jedoch keinen Grund. 

Etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten sind von der gewöhnlichen Schuppenflechte (Plaque-Psoriasis) betroffen. Entzündete, verdickte, silbrig-weiß-schuppende Hautbereiche zeigen sich vor allem an den Außenseiten der Ellbogen und Kniegelenke sowie im Bereich des Kopfes oder der Nägel. Jeder Dritte muss sich aber auch mit Hautproblemen im oder um den Genitalbereich herumschlagen. Die genauen Ursachen für Psoriasis sind bis heute noch nicht vollständig geklärt. Trifft eine genetische Veranlagung auf bestimmte Reize (mechanische Einwirkung, Infekte), beginnt das Immunsystem verrückt zu spielen und richtet sich gegen gesunde Zellen. Diese „antworten“ mit Entzündungen und übermäßigem Wachstum.

In der Öffentlichkeit werden die Symptome aus Unwissenheit häufig falsch gedeutet. Mitmenschen fürchten sich vor Ansteckung oder denken fälschlicherweise an unzureichende Körperhygiene. Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung sind häufig die Folgen, hemmen bei Erkrankten den Selbstwert, erzeugen Frust, Angst oder Scham. Dies zeigten die Ergebnisse einer aktuellen US-Studie. Angst vor Zurückweisung und Unverständnis wirken sich auch auf das Kennenlernen anderer Personen sowie auf die Partnerschaft aus. Es führt mitunter sogar so weit, dass Körperkontakt und Sexualität vermieden werden. Neben den psychischen Faktoren sind die körperlichen nicht zu unterschätzen. Oft führen mechanische Reizung - z. B. beim Geschlechtsverkehr - oder andere Einwirkung auf ungeschützte Körperstellen zur Auslösung oder Verschlimmerung der Beschwerden.

„Eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung durch einen Facharzt für Dermatologie ist empfehlenswert. Auch, wenn es nicht leicht fällt, mit einem Arzt über die genitale Psoriasis zu reden, stellt dies den ersten Schritt dar, um eine geeignete Therapie zu finden, durch die es gelingen kann, die Symptome zu mildern“, so Univ.-Doz. Dr. Paul Sator, Leiter der Psoriasis-Ambulanz im Krankenhaus Hietzing in Wien. Besteht ein Kinderwunsch, sollte man dies beim Arztbesuch thematisieren. Zwar spricht aus medizinischer Sicht prinzipiell nichts gegen eine Schwangerschaft, allerdings gibt Dr. Sator zu bedenken: „Um Komplikationen vorzubeugen, ist hier die intensive Absprache mit dem Arzt erforderlich, vor allem da bestimmte Psoriasis-Medikamente in dieser Zeit gemieden werden sollten.“

Regina Modl, Kronen Zeitung

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