07.04.2019 06:00 |

Sima im Interview:

„Viele Hunde sehen auch nicht freundlich aus“

SPÖ-Stadträtin Ulli Sima spricht im „Krone“-Interview über gefährliche Tiere, ihr Pächter-Unglück, den Wunsch nach einer Obergrenze für Klagen und die Macht.

Krone“: Frau Sima, warum mögen Sie als Tierschutzstadträtin eigentlich keine Hunde?
Ulli Sima: Ich mag Hunde, aber ich sehe es als meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Kinder und die Menschen in der Stadt sicher sind.

Immerhin gehen Sie mit Polizeikontrollen gegen die Besitzer von Listenhunden vor.
Hundekontrollen gibt es schon länger, als ich Stadträtin bin. Wir haben in der Stadt eine Sondersituation. Es gibt wenig Platz, und die verbleibende Fläche wollen viele nutzen, die einen mit den Kindern, die anderen zum Ballspielen, und dann gibt es noch die Hundebesitzer. Viele von ihnen halten sich an die Regeln, aber ein paar ist das egal. Dann gibt es Konflikte.

Aber Sie wollen alle Listenhunde gleich verbannen.
Ich habe gesagt, dass wir als Stadt schon sehr früh begonnen haben, Maßnahmen zu setzen, die es attraktiver machen, dass sich die Leute andere Hunde nehmen. Und warum wollen wir das? Weil von den Listenhunden, oder auch Kampfhunden, eine große Gefahr ausgeht. Denn wenn die sich einmal in etwas verbissen haben, dann bekommt man den Hund nicht mehr weg von seinem Opfer. Das macht diese Hunde so unberechenbar. Wie auch die schreckliche Attacke auf den kleinen Buben zeigt, der leider gestorben ist.

Wissenschafter der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben sich vor ein paar Jahren mit dem Thema beschäftigt. Eine Doktorandin unterzog fünf gelistete Rassen einem Wesenstest, nämlich 415 Tiere der Rassen American Staffordshire-Terrier, Bullterrier, Rottweiler, Pitbullterrier, Dobermann und Staffordshire-Bullterrier, Ergebnis: 95 Prozent der Hunde reagierten „angemessen“ und zeigten „kein gestört oder inadäquat aggressives Verhalten“.
Ja und Nein. Es ist natürlich immer eine Kombination von Hund und Hundebesitzer. Wir haben festgestellt, dass einige Besitzer, die sich so einen Hund nehmen, diesen als Statussymbol sehen und mit dem Hund andere einschüchtern wollen, weil viele von denen ja auch nicht so freundlich aussehen. Diese Kombination führt dazu, dass die Hunde auch in der Bevölkerung gefürchtet sind.

Ich habe Ihnen Fotos von Listenhunden als Welpen mitgebracht. Ist da nichts dabei, das Ihr Herz erweicht?
Total, die schauen entzückend aus. Ich habe ja Biologie studiert, dort lernt man das Kindchenschema. Menschen und alle anderen Säugetiere finden die Babys der anderen im Allgemeinen süß. Das ist genau das Problem, das ich teilweise mit den ausgewachsenen Listenhunden habe. Es ist total abnormal, dass ein ausgewachsener Hund ein Menschenbaby attackiert. Das ist ein Hinweis darauf, dass der schon irgendwie gestört ist.

Wenn man sich die Statistik ansieht, gibt es seit 2014 mehr als 600 Bissvorfälle, etwa 100 davon waren ausgelöst durch Listenhunde. Insgesamt sind das nicht einmal 16 Prozent. Alle anderen Hunde scheinen gefährlicher zu sein.
Seit dem Hundeführschein ist das zurückgegangen. Das waren früher 25 Prozent. Wenn mich ein normaler Hund beißt, dann ist das schmerzhaft, und ich muss vielleicht ins Spital, aber im Normalfall werde ich daran nicht sterben. Bei den Kampfhunden kann ein Biss tödlich sein.

Der Deutsche Schäferhund ist in Wien nicht als Listenhund geführt, dabei hat er eine Beißkraft von umgerechnet 700 Kilo und kann Knochen brechen. Warum steht er dann nicht auf der Liste?
Wir haben uns damals Experten aus Berlin und Hamburg geholt, die diese Liste an Kampfhunden vor uns erstellt haben. Dort gab es genau die gleichen Diskussionen wie in Wien. Die Hunde, die wir ausgesucht haben, sind jene, die diese Beißsperre haben. Aber es geht ja nicht nur um eine inhaltliche Fachdiskussion, sondern auch darum, dass ich etwas gesagt habe und das dann in einem Posting von Philippa Strache sehr verkürzt wiedergegeben wurde. Dann hat es große Empörung gegeben auf ihrer Seite, inklusive zwei Morddrohungen. Das ist typisch dafür, wie in der FPÖ oft gearbeitet wird. Absichtlich wird Hass geschürt.

Ein Unbekannter stellte etwa die Frage, ob für Sie keine Patrone mehr übrig wäre. Bekommen Sie es da mit der Angst zu tun?
Angst ist das falsche Wort. Ich bin erstaunt darüber, dass es bei Frau Strache kein Einsehen gibt. Ich finde, sie hat den Hass mit dem Posting befeuert. Was die Hassposter anbelangt: Wir geben das alles der Anwältin weiter.

Sie betreiben eine Politik, die viel auf Recht und Ordnung basiert. Essverbot in den Öffis, Alkoholverbot am Praterstern, nun fordern Sie Haftstrafen für Besitzer von illegalen Glücksspielautomaten. Sie gefallen sich sehr in der Rolle des Wiener Sheriffs, oder?
Nein, ich sehe mich überhaupt nicht so. Es gab Dinge, die über Jahrzehnte gut funktioniert haben. Früher wurde maximal ein Kipferl in der U-Bahn gegessen, dann kamen in der Rushhour Leute mit ihrer asiatischen Nudelpfanne plus drei Soßen, und der Nächste hat sich in den Dreck gesetzt. Das sehe ich nicht als Law-and-Order-Politik, sondern als Einforderung von Rücksichtnahme. Anders ist es beim kleinen Glücksspiel, da sind Beamte mit Reizgas, Elektroschockern und Türsperren konfrontiert. Da geht es um kriminelle Maßnahmen, um den Einsatz der Behörden zu verhindern.

Was möchte Sheriff Ulli Sima denn noch verbieten?
Nix. Auf jeden Fall keine Männer in der U-Bahn, so wie die FPÖ.

Egal, ob Cobenzl oder Donaukanal. Bei den Pächtern haben Sie kein glückliches Händchen. Warum ist das so?
Diese Erkenntnis hatte ich auch schon. Alle Pächter fingen als guter Pächter an, dann über die Jahre kam der Schlendrian rein. Sie glaubten, sie hätten einen unbefristeten Vertrag, dürfen untervermieten und das Siebenfache von dem verlangen, was sie an uns zahlen, alles verlottern lassen usw. Die Gegenantwort war von mir immer die, dass wir die Verträge auflösen, die Pächter gerichtlich loswerden und dann einen Prozess starten, den Ort zu verschönern und die gleichen Fehler in der Vergabe nicht noch einmal zu machen.

Wie viel kosten die jahrelangen Gerichtsstreitereien den Steuerzahler?
Sie sind leider alternativlos. Bei der Copa Cagrana waren es von 2011 bis 2017 insgesamt 977.000 Euro. Der Copa-Pächter hat gegen die Stadt 77 Gerichtsverfahren eingebracht, obwohl wir das Hauptverfahren gewonnen haben. Aus meiner Sicht sollte man grundsätzlich darüber nachdenken, ob man da nicht irgendwo eine Grenze ziehen kann. Das alles kostet die Republik ja doppelt Geld. Er bekommt Verfahrenshilfe, und wir müssen uns mit den Themen beschäftigen.

Würden Sie sich als machtverliebten Menschen bezeichnen?
Nein.

Was ist Macht für Sie?
Macht ist, wenn man gewählt wird und das umsetzt, was die Leute von einem erwarten.

Interessante Antwort. Michael Ludwig etwa wurde nicht als Bürgermeister gewählt.
Doch, er wurde gewählt. Nicht nur im Gemeinderat zum Bürgermeister, sondern er war auch auf unserer letzten Wahlliste.

Vermissen Sie Ex-Bürgermeister Michael Häupl?
Ich vermisse Michael Häupl nicht. Weil ich ihn nämlich öfter sehe, was sehr schön ist.

Wollen Sie einmal Bürgermeisterin der Stadt Wien werden?
Nein, will ich nicht.

Warum nicht?
Ich bin in der zweiten Reihe sehr glücklich.

Es gibt die Homepage „Ulli Sima Holding Things“. Da halten Sie alle möglichen Dinge, etwa ein Gurkenherz, ein Meerschweinchen, eine Genmaisvolksbegehrenstorte oder einen Blumenschmetterling. Wissen Sie, wer sich da über Sie lustig macht, und finden Sie so etwas witzig oder ärgerlich?
Ich bin geradezu gerührt. Irgendjemand macht sich da unentgeltlich unglaubliche Arbeit.

Michael Pommer. Kronen Zeitung

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