EL-Traum geplatzt

Salzburger Bullen nicht clever genug fürs Achtelfinale

Fußball
26.02.2010 11:31
Die Europacup-Saison ist für Österreich seit Donnerstagabend zu Ende. Nach der vielversprechenden Gruppenphase mit sechs Siegen in sechs Spielen ist für Meister Salzburg im Sechzehntelfinale der Europa League mit dem Aus gegen Standard Lüttich die große Ernüchterung gekommen. "Wir waren nicht kreativ und clever genug", befand Trainer Huub Stevens nach dem matten 0:0 in Salzburg, das nach dem unnötigen 2:3 in Belgien zu wenig war.

Clever waren die Salzburger vor allem im Hinspiel nicht. Innerhalb von nur 16 Minuten hatten sie es zugelassen, dass Standard aus einem 0:2 ein 3:2 macht. Ein sportlich verheerender Leichtsinn, den man eine Woche später teuer bezahlen musste. "Das Auswärtsspiel war entscheidend. So blöd darf man nach einer 2:0-Führung nicht verlieren", sprach Goalgetter Marc Janko den Salzburgerern aus der Seele.

Stimmen zum Spiel sowie alle Ergebnisse der übrigen EL-Matches findest du in der Infobox!

Stevens: "Wir müssen noch viel lernen"
Denn mit dem Wissen, vor den 26.500 Fans unbedingt gewinnen zu müssen, ging schließlich die Kreativität über Bord. "Wir haben gesehen, dass diese Mannschaft auf eine Drucksituation nicht die richtige Antwort gibt", blickte Stevens einer unangenehmen Tatsache ins Auge. Bitter sei, dass eine weit jüngere Mannschaft wie Standard deutlich abgezockter und cleverer aufgetreten ist als Salzburg. "Das hat mit Qualität zu tun, wir müssen noch viel lernen", so Stevens, dessen Team im siebenten Heimmatch der Europacup-Saison gegen den belgischen Beton erstmals ohne Torerfolg blieb.

Für den Niederländer, der im Sommer seinem Landsmann Co Adriaanse nachgefolgt war, ist die Zeit des Kennenlernens von neuen Facetten seines Teams noch lange nicht vorbei. "Die Mannschaft hat gegen Lüttich ein Gesicht gezeigt, das ich nicht gerne sehe. Und jetzt wird man sehen, wie sie so eine Enttäuschung wegsteckt. So lernt man seine Gruppe kennen", meinte Stevens vor dem Schlager am Sonntag gegen Rapid.

Daumendrücker Hermann Maier vermisste genauso das gewisse Etwas wie Goalie Eddie Gustafsson: "Lüttich war viel aggressiver, uns fehlten die letzten Prozentpunkte", analysierte der Schwede. 

Bislang kaum internationale Erfolge
2006/07 blieb Salzburg in der dritten und letzten Quali-Runde zur Champions League gegen Valencia auf der Strecke, unmittelbar danach verpasste man aufgrund des Scheiterns gegen Blackburn auch das Minimalziel UEFA-Cup-Gruppenphase. Die Geschichte wiederholte sich in der darauffolgenden Saison 2007/08: in der Champions-League-Quali Out gegen Schachtjor Donezk, im UEFA-Cup folgte ein Ausscheiden gegen AEK Athen.

Auch 2008/09 blieb die Gruppenphase des UEFA-Cups unerreicht, der FC Sevilla war zu stark. Und in der laufenden Saison verwehrte Maccabi Haifa den Einzug in die Millionenliga. Als Trostpflaster blieb die direkte Quali für die Europa League, in der man dann gegen Villarreal, Lazio Rom und Lewski Sofia für Furore sorgte.

Geduldsspiel vor 26.500 Zusehern
Vor 26.500 Zuschauern in Wals-Siezenheim entwickelte sich für die Heimischen ein Geduldsspiel. Standard stand tief in der eigenen Spielhälfte und überließ Salzburg komplett den Spielaufbau. Die Mozartstädter kombinierten sich relativ unbedrängt durchs Mittelfeld, unmittelbar vor dem Strafraum war gegen die massierte belgische Defensive aber zumeist Endstation.

Dusan Svento (16.) prüfte erstmals Torhüter Bolat, als Marc Janko einmal durch schien, rettete Victor Ramos im letzten Moment (27.). Auch bereitete der Salzburger Kunstrasen den technisch versierten Belgiern kaum Probleme. Erst kurz vor dem Pausenpfiff deutete auch Standard seine Gefährlichkeit an. Lüttichs serbischer Star Milan Jovanovic prüfte Gustafsson mit einem Freistoß (40.), ehe Solo-Stürmer Mbokani mit einem Kopfball an die Stange  sogar noch für eine gehörige Schrecksekunde sorgte.

Nach Seitenwechsel blieb Salzburg weiter am Drücker, allerdings ohne zählbaren Erfolg. Bezeichnenderweise hätte ein Patzer des ansonsten sicheren Gäste-Keepers Bolat (63.) beinahe die Führung ermöglicht, der Ball kullerte aber am Gehäuse vorbei. Unmittelbar darauf reagierte Stevens und brachte mit Roman Wallner eine frische Offensivkraft. Eine Viertelstunde vor Schluss setzte der Niederländer mit der Hereinnahme von Alexander Zickler dann vollends auf Angriff, was aber nichts einbrachte.

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