Seefeld als „Mekka“

Vor WM-Beginn: „Der nordische Sport lebt!“

Jürg Capol kennt den Nordischen Sport aus verschiedenen Perspektiven. Als ehemaliger Langläufer, langjähriger FIS-Renndirektor und seit einigen Jahren in Marketing-Führungspositionen des Internationalen Ski-Verbandes weiß der Schweizer, was sein Produkt stark macht. Ein reibungsloser Ablauf, die passende Kulisse und die richtigen Helden. All das könne die WM in Seefeld bieten, ist Capol überzeugt.

„Ich denke, Seefeld ist ein nordisches Mekka, die leben auch touristisch vom Sport. Mit allen Investition, die sie gemacht haben, da ist ein langfristiger Gedanke dabei, um sich noch stärker zu positionieren. Wir werden danach sagen können, dass es eine gute WM war, davon bin ich überzeugt“, betonte Capol im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Durch die Nähe zu Deutschland, viele Fans aus Polen und Skandinavien sei ein Ansturm zu erwarten. „Seefeld hat auch in Skandinavien einen Namen“, betonte der 53-Jährige.

Die WM als Ganzes sei nach wie vor ein Erfolgsprodukt. „Der nordische Sport lebt. Ich denke, der Event als solches über zwölf Tage funktioniert immer noch. Das hat man auch bei den letzten Austragungen gesehen, die Gesamtzuschauerzahlen sind gleich wie bei den Alpinen, nur in anderen Ländern.“

Für die WM und die Nachhaltigkeit für Seefed hänge freilich viel von österreichischen Zugpferden ab. „Im Skisprung ist Österreich sowieso gut, und Stefan Kraft ist wieder stark, das ist auch ein Bonus.“ Im Langlauf müsse es Teresa Stadlober richten, mögliche Medaillen könnten sich, wie Capol am Beispiel seiner Heimat erläutert, auch auf lange Sicht positiv auswirken. „Es braucht nationale Erfolge, in der Schweiz ist der Sport dank Dario Cologna in aller Munde.“

Dafür seien aber auch Investitionen in Tourismus-Infrastruktur und in die Langlauf-(Nachwuchs)sparte des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) nötig. „Vielleicht hilft die WM, diesen Gedanken zu fördern. Regionen wie Seefeld oder Ramsau leben vom touristischen Nutzen des nordischen Sports. Die Orte sehen das, es braucht aber auch den Verband dazu“, erläuterte der Miterfinder der Tour de Ski mit dem Verweis auf die gute Nachwuchsarbeit in Ländern wie Frankreich, Italien und der Schweiz.

Aber auch die FIS selbst könne natürlich noch einiges verbessern. Denn der Langlauf habe beispielsweise das Problem, dass den Sport zwar immer mehr Leute betreiben, das TV-Produkt damit aber nicht immer mithalten kann. „Langlauf machen heute viel mehr als vor 25 Jahren, aber man guckt es nicht so häufig. Es ist ein bisschen wie Marathonlaufen. Viele joggen, schauen aber nicht zu.“

Zur Verbesserung brauche auch das Premium-Weltcupprodukt Tour de Ski nach 13 Jahren „ein bisschen einen Farbtupfer“, so Capol. City-Events oder mehr Rennen von einem Ort zum anderen wären dafür gute Möglichkeiten.

Und auch Österreich kann sich der zehn Jahr als FIS-Langlaufrenndirektor tätig gewesene Graubündner als Tour-Stopp vorstellen. „Österreich würde mit Seefeld oder Ramsau gut zur Tour passen, auch logistisch“, sagte Capol. Denkbar wäre etwa eine große Runde auf dem Seefelder Plateau.

Skispringen hält Capol aus Marketing-Sicht für besonders gut aufgestellt. „Das Produkt ist am weitesten entwickelt, es ist ein Stadionsport.“ Der Ablauf habe sich standardisiert. „Die Wind- und Gateregeln helfen, den Wettkampf in einer gewissen Zeitspanne abzuwickeln. Das macht es planbar, vor allem aus Fernsehsicht. Vom Aufbau her, der Countdown bis zum Besten, das ist sicher das, was den Leuten gefällt.“ Die gute Stellung im wichtigen Markt Deutschland und in Polen helfe natürlich. „Skispringen lebt stark von den zwei Ländern, aber es gibt auch neue Nationen unter den ersten 30. Und der Kalender ist sehr international“.

Die Kombination sei hingegen so etwas wie das Sorgenkind. „Es wäre utopisch zu sagen, dass sie in vielen Ländern groß wird. Das ist nicht realistisch. Der Sport hat eine gewisse Größe in gewissen Nationen und entwickelt sich und wird auch gefördert“, erläuterte Capol mit dem Hinweis auf zuletzt vier Millionen TV-Zuseher in Deutschland. Die Anforderungen an die Kombi-Athleten mit zwei verschiedenen Disziplinen sei enorm, aber die Vermarktungsmöglichkeiten eben auch beschränkt. Die Langlauf-Entscheidungsteil mit nur 30 Minuten könne man aber stets gut „in ein Wintersportwochenende einbauen“.

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