So, 16. Dezember 2018

„Krone“ begleitet Kurz

08.12.2018 06:00

Äthiopien heute ein Lichtblick für Afrika

Wie ein Wunder: In dem Land von Hunger und Krieg ist die Demokratie ausgebrochen. Die Wirtschaft verzeichnet deutliche Zuwachsraten. Ein „Krone“-Lokalaugenschein von Kurt Seinitz.

Am Eingang des Präsidentenpalastes schreckt dich ein echter Löwe - der ausgestopfte König der Tiere des letzten Kaisers Haile Selassie, Herrschertitel: „Löwe von Juda“. Es ist der alte Kaiserpalast, in welchem Bundeskanzler Sebastian Kurz von der (zeremoniellen) Staatspräsidentin Sahle-Work Zewde empfangen wird - unter einer großen Tapisserie, die König Salomon zeigt, wie er die Königin von Saba begrüßt, die mythische Urgeschichte Äthiopiens.

Äthiopien ist zweifellos ein uraltes Land, das aber schon bessere Zeiten erlebt hatte. Diese sollen wiederkehren: Das Land ist im Umbruch.

Kurz kam mit Entwicklungsplan
Die neue politische Führung freut sich echt über den - seltenen - Polit-Besuch aus Europa, hören sie doch von dort immer nur die Formel vom „verlorenen, hoffnungslosen Kontinent“. EU-Ratsvorsitzender Kurz bringt einen Entwicklungsplan für den Kontinent mit.

„Der jüngste Regierungschef von Afrika trifft den jüngsten Regierungschef der Welt“: Mit diesen Worten wird Sebastian Kurz (32) von Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed (42) willkommen geheißen. Zwischen den beiden stimmt sofort die Chemie einer Generation, die alte ausgefahrene Geleise verlassen will.

Abiy ist der Mastermind des Umbruchs in Äthiopien, der dieses Land zum Vorbild des Kontinents macht. Er lobt Kurz als einen „großen Visionär“, der Europa wieder Afrika zuwendet, betitelt ihn als „Bruder“ und erinnert an historische Beziehungen wie den Maria-Theresien-Taler, der in Ostafrika bis ins vorige Jahrhundert als Zahlungsmittel diente.

Beim Staatsbankett im Thronsaal des Ex-Kaisers stellt Abiy lobend einen alten österreichischen Uni-Professor vor, bei dem er in Südafrika studiert hatte. Die Straßen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sind mit rot-weiß-roten Fahnen und den Porträts des Kanzlers geschmückt.

Boomtown Addis Abeba
Äthiopien, einst ein Inbegriff für Hungerkatastrophen und mit einer grausamen linksfanatischen, aber inkompetenten Militärdiktatur in den Schlagzeilen, ist heute ein Land im stürmischen Aufbruch. Die Schreckensbilder der ausgemergelten Kinder mit den Hungerbäuchen gehören zur düsteren Vergangenheit. Karlheinz Böhm und seine Organisation „Menschen für Menschen“ haben sich in Äthiopien ewigen Ruhm erworben.

China baute eine Stadtbahn, eine Eisenbahn zum Roten Meer, wie überhaupt das Reich der Mitte durch enorme Investitionen beim Start von Äthiopiens neuer Ära den Dynamo liefert. Das Heer der jungen Leute - zwei Drittel der 100 Millionen Einwohner Äthiopiens sind unter 25 - ist nicht zu übersehen.

Junge Generation erzwang die Wende
Diese Generation war auch maßgebend am plötzlichen Ausbruch der Demokratie in dem einst als extrem rückschrittlich verschrienen Land verantwortlich. Über Jahrzehnte war diese Generation an Universitäten ausgebildet worden - um nachher in die Arbeitslosigkeit zu fallen, weil die Militärs das Land in Grund und Boden wirtschafteten. Arbeitslose Jungakademiker erzwangen die Wende zu einer offenen Gesellschaft und zur Marktwirtschaft.

Ihre Forderungen fielen auf fruchtbaren Boden, weil in der Elite neoevangelikale Kirchen im Vormarsch sind. Sie repräsentieren heute die politische Klasse des Landes. In ihrer (Friedens-)Politik ist viel Idealismus verpackt in einer rauen Weltgegend des Kontinents. An der Spitze des Landes: eine hoch qualifizierte Frau; der Regierungschef: ein pragmatischer Manager für den politischen Ausgleich in einem Land mit 80 Völkern; die Hälfte der Regierung Frauen; im obersten Gericht eine Frau. Ja, und ein Friedensministerium gibt es auch, zur Überwindung der gewalttätigen Vergangenheit, selbstverständlich geführt von einer Frau.

Ist der Wandel unumkehrbar? Auf dem weiten Land außerhalb von Addis Abeba ist es noch ein langer Weg in die neue Zeit. Demokratie als das schwierigste politische System ist eine heikle Gratwanderung, wenn die Schicht an Demokraten noch sehr dünn gesät ist. Der Rückfall in eine Militärdiktatur bei erstbester Schwierigkeit der Demokratie ist nicht auszuschließen.

Könnte den halben afrikanischen Kontinent ernähren
Derzeit steht Äthiopien bei den wirtschaftlichen Zuwachsraten an der Spitze des Kontinents, wie überhaupt das äthiopische Hochland den halben Kontinent ernähren könnte, wenn dort eine Landwirtschaft wie in Europa betrieben würde.

Äthiopien beweist: Entwicklung Afrikas ist möglich!

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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