07.12.2018 11:45 |

Kritik an Demo-Einsatz

Frankreichs Polizei zwingt Schüler zum Knien

Die Krise rund um die teils gewalttätigen „Gelbwesten“-Proteste hält Frankreich weiter in Atem. Davon inspiriert, gehen auch Schüler und Studenten seit Tagen auf die Straße bzw. stören den Schulbetrieb an Hunderten Bildungseinrichtungen des Landes - allein am Donnerstag wurden deshalb Hunderte junge Demonstranten festgenommen. Das Vorgehen der Polizei bei einer regelrechten Massenfestnahme von Schülern (siehe Video oben) sorgt jetzt für eine Welle der Betroffenheit und Empörung. „Es hat schockierende Bilder gegeben, weil wir uns in einem Klima außergewöhnlicher Gewalt befinden“, sagte Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Freitag.

Am Donnerstag waren in der Nähe von Paris rund 150 Menschen festgenommen worden. Dabei handelte es sich vor allem um Schüler, die in der Nähe einer Schule in Mantes-la-Jolie protestiert hatten.

Videos des Polizeieinsatzes zeigen, wie Dutzende Schüler in Reihen und unter der Aufsicht der Sicherheitskräfte auf dem Boden knieten oder hockten, mit den Händen am Kopf oder hinter dem Rücken. Anonyme Polizeiquellen bestätigten die Echtheit der Aufnahmen.

Minister: „Man muss Bilder in ihrem Kontext betrachten“
Bildungsminister Blanquer betonte am Freitag im Sender France Inter, man müsse die Bilder in ihrem Kontext betrachten - „in einer Zeit, in der die Sicherheitskräfte in ganz Frankreich im Einsatz sind, mit enormen Schwierigkeiten und mit unvorstellbaren Risiken“. In Mantes-la-Jolie seien Sicherheitskräfte angegriffen worden, es habe Ausschreitungen gegeben. „Ein Großteil (der Festgenommenen) wird natürlich freikommen, aber unter ihnen sind auch solche, die sehr schlimme Dinge getan haben“, sagte Blanquer.

Linke Politiker verurteilten den Polizeieinsatz. Nichts könne diese Demütigung der Minderjährigen rechtfertigen, schrieb der Chef der Sozialisten, Olivier Faure, auf Twitter. „Das Feuer schwelt, fachen Sie es nicht an!“ Der frühere Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, Benoit Hamon, twitterte: „Was sucht die politische Führung, wenn nicht Gewalt als Reaktion?“

Seit Montag protestieren in ganz Frankreich Schüler und Studenten gegen Reformen im Bildungsbereich und blockieren Bildungseinrichtungen. Die Proteste der Schüler sind diffus, wie die Zeitung „Le Monde“ schrieb. Teils seien sie von den „Gelben Westen“ inspiriert, die seit Mitte November gegen Steuererhöhungen und die Reformpolitik auf die Straßen gehen. Bei den „Gelbwesten“-Protesten kam es am vergangenen Wochenende in Paris zu schweren Ausschreitungen und mehr als 400 Festnahmen. Für diesen Samstag sind neue Proteste in der Hauptstadt angekündigt.

Macron will sich kommende Woche zu Protesten äußern
Präsident Emmanuel Macron will sich Anfang kommender Woche zur Krise rund um die „Gelbwesten“-Proteste äußern. Vor den für Samstag geplanten erneuten Protestaktionen sei keine Stellungnahme Macrons geplant, um „kein Öl ins Feuer zu gießen“, sagte der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Dafür werde sich Macron „Anfang kommender Woche“ an die Öffentlichkeit wenden. Frankreich wird seit Wochen von Protesten der „Gelbwesten“-Bewegung erschüttert. Auslöser waren die hohen Treibstoffpreise und eine geplante Anhebung der Ökosteuer auf Benzin und Diesel.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Ex-Austrianer jubeln
Zagreb nach Sieg gegen Rosenborg vor CL-Teilnahme
Fußball International
Nach Shopping-Tour
Rummenigge: Sie könnten die Bayern noch verlassen
Fußball International
Wegen Hinteregger
„Respektlos!“- Hütter sauer auf die Doping-Jäger
Fußball International
In der Türkei
Klopps Teamkicker hat einen neuen Klub gefunden
Fußball International
„Es tut sehr weh“
Ronaldo über „schwierigstes“ Jahr seines Lebens
Fußball International
Tragödie auf der Donau
Ruder-WM: Parasportler kippt mit Boot um - tot
Sport-Mix
Stopp im Elferschießen
Zu spät, zu laut, zu hell! Amt beendet Pokalspiel
Fußball International

Newsletter