14.11.2018 08:00 |

Vergewaltigungsprozess

Hunderte Frauen posten ihre Tangas auf Twitter

Nachdem in der irischen Stadt Cork ein 27-jähriger Mann, der ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigt haben soll, freigesprochen wurde, gehen die Wogen hoch: Aus Wut über das Abschlussplädoyer der Verteidigung während der Verhandlung posten nun Hunderte Frauen Fotos ihrer Tangas auf Twitter.

Der Mann musste sich vergangene Woche vor Gericht verantworten. Laut der Anklage habe das Mädchen nie zuvor Sex gehabt. Die 17-Jährige habe dem 27-Jährigen gegenüber erklären wollen, dass er sie vergewaltigt hatte, doch er habe lediglich erwidert: „Nein, wir hatten nur Sex.“ Demnach sei er sich keiner Schuld bewusst gewesen. Der Mann plädierte vor dem Gericht in Cork auf nicht schuldig.

Verteidigerin: „Sie müssen sich ansehen, wie sie gekleidet war“
Seine Verteidigerin richtete sich in ihrem Abschlussplädoyer an die aus acht Männern und vier Frauen bestehende Jury und meinte: „Schließen die Beweismittel denn aus, dass sie sich zu dem Angeklagten hingezogen fühlte und dass sie offen dafür war, sich mit jemandem zu treffen und mit ihm intim zu werden? Sie müssen sich ansehen, wie sie gekleidet war. Sie trug einen Tanga mit Spitze.“ Der Angeklagte wurde schließlich freigesprochen.

Empörte Frauen teilen Tanga-Fotos: „Das ist keine Einwilligung“
Hunderte Frauen reagierten empört auf die aus ihrer Sicht abstoßende Aussage der Verteidigerin: Unter dem Hashtag #ThisIsNotConsent („Das ist keine Einwilligung“) teilen sie nun Fotos ihrer Unterwäsche auf Twitter.

Eine Userin schreibt etwa: „Können wir eine Liste von Unterhosen haben, die wir tragen sollen, falls wir nicht vergewaltigt werden wollen? Sind es alle Tangas? Oder nur die mit Spitze? Vielleicht sollten Geschäfte sie auch gleich kategorisieren in ,Vergewaltigungs-Höschen‘ und ,Sicherheits-Höschen‘.“ Seit dem Urteil folgen immer mehr Beiträge.

„Nur weil meine Höschen süß sind, heißt das nicht, dass ich zustimme“, meint eine Nutzerin.

Expertin: „Immer wieder solche Vergewaltigungsklischees“
Die Leiterin der irischen Organisation Dublin Rape Crisis Centre, Noeline Blackwell, zeigte sich ernüchtert über das Urteil und sagte der britischen Zeitung „The Independent“: „Es überrascht uns absolut nicht, dass man die Jury glauben machen wollte, dass das Mädchen die sexuellen Handlungen gewollt hat. Wir betreuen öfter Opfer, während sie ihre Prozesse durchlaufen, und Vergewaltigungsklischees wie diese werden immer wieder zur Verteidigung herangezogen.“

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