12.11.2018 06:00 |

Seitensprung

Kick mit bitteren Folgen!

Eine Affäre zählt zu den größten Vertrauensbrüchen in einer Beziehung. Durch gezielte Therapie können manche Paare die Krise überwinden und ihre innere Verbundenheit neu entdecken.  

Maria (38) und Klaus (42) waren seit fünfzehn Jahren glücklich verheiratet und galten im Bekanntenkreis als perfektes Vorzeigepaar. Sie hatten zwei Kinder, ein Haus und Jobs, in denen sie aufgingen. Niemand ahnte, dass Maria seit anderthalb Jahren heimlich eine Langzeitaffäre führte!

Wenn sich Misstrauen in die Beziehung schleicht
Als Klaus sie zufällig mit ihrem Liebhaber in einem Lokal sah, zerbrach sein Vertrauen. Weil er den Worten seiner Frau keinen Glauben mehr schenken konnte, suchte er nach Beweisen. Über 50 Prozent der Männer und Frauen durchwühlen laut einer Göttinger Studie Hand- bzw. Sakkotaschen, checken heimlich E-Mails oder SMS und kontrollieren Anruflisten auf dem Mobiltelefon des Partners. Erst dann wurde Maria bewusst, was auf dem Spiel stand. Sie wollte Klaus und ihre Ehe keinesfalls verlieren und beendete daher die Langzeitaffäre.

Trauma durch Untreue des Partners
Ein Seitensprung führt fast immer zu einer schweren Beziehungskrise. Ähnlich wie Vergewaltigungsopfer oder Unfallzeugen durchleben die Betrogenen die Situation emotional immer wieder -  sie werden von der Vorstellung verfolgt, wie ihr Partner eine andere Person liebkost und mit ihr Sex hat. „Die Folgen sind für die Betroffenen gravierend und können zu Depressivität, Ängstlichkeit und schweren Selbstzweifeln führen. Tatsächlich zeigen Patienten, die von ihrem Partner betrogen wurden, ähnliche Symptome wie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, die durch Folter oder Kriegserlebnisse ausgelöst werden kann“, erklärt Dr.  Norbert Steiner, Psychiater aus Graz.

Klaus litt an Panikattacken, Schlafstörungen und innerer Unruhe. Der verzweifelte Mann tat in der akuten Krise das einzig Richtige: Er ging zu seinem Hausarzt. Der Allgemeinmediziner schrieb Klaus krank und überwies ihn zu einem Facharzt für Psychiatrie. Dieser verordnete dem Patienten neben einer medikamentösen Therapie (Angst lösenden Medikamenten, Einschlafhilfen) für die erste Schockphase ein Antidepressivum und empfahl Psychotherapie zur Behandlung des Traumas.

Gemeinsamer Weg aus der Misere
Die wichtigsten Maßnahmen bestanden bei Klaus und Maria aus folgenden Schritten: Offen miteinander über Gefühle, Ängste und Wünsche reden, eine gemeinsame Zielsetzung finden und allmählich wieder Vertrauen aufbauen!  Die Psychotherapeutin führte zunächst mit Maria und Klaus unabhängig voneinander stabilisierende Gespräche. Die Partner lernten in der Einzeltherapie, mit ihren Schuldgefühlen fertig zu werden. Denn auch Klaus fühlte sich schuldig: Er warf sich vor, Maria emotional vernachlässigt und so in die Arme eines Anderen getrieben zu haben. Nach mehreren Einzelgesprächen wurden die Eheleute in einer Paartherapie zusammengeführt. Dort konnten sie gemeinsam klären, ob sie sich trennen wollen oder ein Neuanfang lohnenswert erscheint.

Neue Chance für die Beziehung
Klaus und Maria erkannten in ihrer Therapie sehr schnell, dass es auch positive Auswirkungen der Affäre auf ihre Beziehung gab: Vorteilhaft war, dass die beiden durch den Schock wieder mehr Nähe in der Partnerschaft erlebten und sich zu einer Tanztherapie entschlossen. So konnten sie innere Spannung, Wut, Ohnmacht, Aggression und Angst konstruktiv über Bewegung ableiten. Durch begleitende Gespräche mit der Therapeutin gelang es dem Paar, wieder Vertrauen aufzubauen. Sie konnten Marias Fremdgehen von einer Beziehungs-Last in eine Ressource umwandeln, indem sie seither erstmals in ihrer Ehe Urlaube zu zweit machten. Heute - drei Jahre danach - bewerten beide ihre Ehekrise nachträglich als Warnsignal, ohne welches sie ihre Liebe niemals erneuert hätten.

Mag. Dr. Monika Wogrolly & Regina Modl, Kronen Zeitung

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