25.10.2018 06:00 |

Laut deutscher Studie

Jeder dritte syrische Migrant psychisch krank

Fast jeder dritte syrische Flüchtling ist psychisch erkrankt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen, die sich genauer mit der seelischen Verfassung von Migranten beschäftigte. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass syrische Flüchtlinge in Deutschland eine extrem verwundbare Bevölkerungsgruppe sind - vor allem, wenn sie viele traumatische Ereignisse erlebt oder beobachtet haben“, fasste Studienleiterin Yesim Erim die Ergebnisse zusammen.

Für die Studie wurden 200 Syrer ausgewählt, die seit Längerem in Erlangen wohnen. Die große Mehrheit der Studienteilnehmer (75,3 Prozent) hat dabei selbst Traumatisches erlebt oder ist Zeuge traumatischer Ereignisse geworden. Mehr als jeder Zehnte (11,4 Prozent) zeigt Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), 14,5 Prozent moderate bis schwere Depressionen und 13,5 Prozent Angststörungen. Etwas mehr als 30 Prozent der Untersuchten wiesen zumindest eine der oben genannten psychischen Erkrankungen auf.

Depressionen vor allem bei jüngeren Flüchtlingen
„Wir stellten fest, dass schwere Formen von PTBS eher bei solchen Flüchtlingen auftreten, die schon älter sind und deren Aufenthaltserlaubnis nicht mehr so lange gültig ist. Depressionen fanden wir eher bei jüngeren Flüchtlingen, die eine verhältnismäßig kurze Flucht hinter sich haben“, so Professor Erim.

Eine interessante Beobachtung konnte allerdings noch gemacht werden: Im Vergleich zu ähnlichen Gruppen von Geflüchteten sind psychische Belastungen und Beschwerden niedriger vertreten. Dies führt Erim vor allem auf die „ausgeprägte Willkommenskultur“ in Erlangen zurück, die mit vielen Angeboten in diversen Bereichen für gute Unterstützung der Geflohenen sorgt.

„Psychische Beschwerden nehmen meist mit der Zeit zu“
„Wir haben festgestellt, dass sich Zuwanderer oft zuerst auf die Integration in das neue Land konzentrieren und dass psychische Beschwerden mit der Zeit zunehmen. Wenn Geflüchtete aber nach ihrer Migration sofort günstige Lebensumstände und positive Zukunftsaussichten vorfinden, kann sich das vorteilhaft auf ihre psychische Gesundheit auswirken - auch das hat unsere Studie gezeigt“, so die Professorin.

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