So, 20. Jänner 2019

Entsetzen in Brasilien

07.09.2018 09:48

Video: Rechter Kandidat mit Messer attackiert!

Entsetzen in Brasilien: Ein Angreifer hat den umstrittenen rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung im Süden des Landes mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Der Vorfall wurde von mehreren Anwesenden mit ihren Handys aufgenommen. Nach der Attacke wurde der Ex-Militär „fast tot“ in ein Krankenhaus eingeliefert und notoperiert. Laut den Behörden war Bolsonaro bei dem Angriff an einer wichtigen Arterie sowie an Leber, Lunge und Darm verletzt worden. Der Täter wurde festgenommen. Er gab an, „im Auftrag Gottes“ gehandelt zu haben.

Zuvor war noch von einer harmlosen Wunde die Rede gewesen. Der Stich in die Bauchgegend sei nur oberflächlich, schrieb sein Sohn Flavio Bolsonaro am Donnerstag auf Twitter. „Es geht ihm gut.“

Sohn: „Bitte betet!“
In der Nacht auf Freitag teilte er dann allerdings mit: „Bedauerlicherweise war es schlimmer als wir dachten. Auch die Leber, die Lunge und der Darm wurden verletzt. Er verlor viel Blut, erreichte fast tot das Krankenhaus. Sein Zustand scheint nun stabil zu sein. Bitte betet!“ Die Zeitung „Folha de Sao Paulo“ berichtete unter Berufung auf die Ärzte, dass die nächsten 48 Stunden entscheidend für die Genesung des Patienten seien. Weil sich die Wunde in der Nähe des Verdauungstrakts befinde, bestehe zudem das Risiko einer Infektion.

Auf Aufnahmen von der Wahlkampfveranstaltung ist zu sehen, wie Bolsonaro auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais getragen wird. Plötzlich zuckt der Politiker zusammen und krümmt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Es ist eine Klinge zu erkennen, die vom Körper weggezogen wird. 

Täter festgenommen - handelte „im Auftrag Gottes“
Laut den Behörden wurde nach der Attacke der Täter festgenommen. Der Mann heiße Adelio Bispo de Oliveira, sei 40 Jahre alt und habe seine Tat bereits gestanden. Bei einer ersten Befragung gab er an, dass er aus persönlichen Gründen „im Auftrag von Gott“ gehandelt habe. Genauer wollte er sich dazu aber nicht äußern. Ein Ermittler erklärte: „Er meinte nur, dass wir ihn sowieso nicht verstehen würden.“

Ex-Militär derzeit in Umfragen voran
Bolsonaro ist einer der Favoriten bei der Präsidentenwahl am 7. Oktober, seit ein Gericht die Kandidatur des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva untersagt hat. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ibope wollen 22 Prozent der Wähler für den früheren Fallschirmjäger stimmen. Dass er aber auch in der erwarteten Stichwahl gewinnen könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Schockierende Aussagen und Vorhaben
Der „Trump Brasiliens“ mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentiert sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Der Ex-Militär hetzt gegen Homosexuelle und Schwarze und verherrlicht die Militärdiktatur in Brasilien (1964-1985). Immer wieder schockiert er mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, „weil sie sehr hässlich ist“. Die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten „erschossen“ werden, sagte er ein anderes Mal. Im Falle eines Wahlsiegs will er Ministerposten mit Militärs besetzen und angesichts der eskalierenden Kriminalität die Bevölkerung bewaffnen.

Politiker aller Parteien entsetzt
Trotz aller ideologischer Unterschiede verurteilten Politiker jeder Couleur den Anschlag auf Bolsonaro. Präsident Michel Temer nannte den Angriff „nicht hinnehmbar“, der linke Präsidentschaftskandidat Ciro Gomes sprach von „Barbarei“ und Lulas Nachfolger Fernando Haddad schrieb auf Twitter: „Ich verurteile jede Gewalttat und wünsche Jair Bolsonaro gute Besserung.“

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