Sa, 18. August 2018

In der Kritik

19.07.2018 07:38

Zuckerberg will Holocaustleugnungen nicht löschen

Weil er der Auffassung ist, dass Holocaust-Leugner in seinem sozialen Netzwerk nicht gesperrt werden sollten, steht Facebook-Chef Mark Zuckerberg in der Kritik. Er finde die Leugnung des Völkermords an europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg zwar „tief beleidigend“, so der 34-Jährige in einem US-Interview, Inhalte sollten aber nur verboten werden, wenn sie für Angriffe auf jemanden verwendet würden oder Schaden erzeugten.

Wie Zuckerberg gegenüber dem Technikblog „Recode“ erklärte, gebe es seiner Meinung nach Dinge, die unterschiedliche Leute falsch verstehen würden, ohne aber die Absicht dazu zu haben. Redakteurin Kara Swisher entgegnete darauf, im Falle von Holocaust-Leugnern sei wahrscheinlich doch möglich, dass sie absichtlich Falsches verbreiteten. In einem auf das Interview folgenden Nachtrag stellte Zuckerberg klar, Holocaust-Leugner nicht verteidigen zu wollen. Ziel seines Netzwerks sei aber nicht, User davon abzuhalten, etwas Unwahres zu sagen - sondern die Verbreitung von Falschnachrichten und falschen Informationen über Facebook zu stoppen.

Zuckerbergs erste Anmerkungen hatten für Kritik gesorgt. Unter anderem beklagte die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League, Facebook habe eine „moralische und ethische Verpflichtung“, Nutzern die Verbreitung der Holocaustleugnung zu verbieten.

Wiesenthal-Zentrum kritisiert Zuckerberg
Auch das Wiesenthal-Zentrum, das mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden ist, übte Kritik: „Mark Zuckerberg hat Unrecht“, sagt Rabbi Abraham Cooper, führendes Mitglied des Zentrums. „Holocaust-Leugung ist klassische ‘Fake News‘.“ Der Holocaust sei „das am gründlichsten dokumentierte Verbrechen der Geschichte“. Eine Leugnung dieses Verbrechens, die auf einer Lüge basiere, könne nicht im Namen der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden. Bei einem Treffen 2009 hätten Facebook-Repäsentanten dem Wiesenthal-Zentrum außerdem versichert, dass Beiträge von Holocaust-Leugnern im Namen von Staaten wie dem Iran, die Juden verunglimpfen, gelöscht würden.

Antisemitismus im Netz so stark wie noch nie
Erst am Mittwoch hatte die TU Berlin die Ergebnisse einer Langzeitstudie präsentiert, der zufolge soziale Medien „mittlerweile von Judenfeindlichkeit und Hass auf Israel durchdrungen“ sind.  Zwischen 2007 und 2018 hat sich die Zahl antisemitischer Online-Kommentare demnach nahezu verdreifacht. Es gebe fast keinen Bereich im Netz, in dem Nutzer nicht Gefahr liefen, auf judenfeindliche Texte zu stoßen, heißt es in der Studie „Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses“.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.