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11.07.2018 06:00

„Drogen gehören bei den Jungen zum Lebensstil“

Der Drogen-Tod einer 17-Jährigen aus Naarn erschüttert: Das Mädchen starb, wie berichtet, nach dem Konsum von Ecstasy. Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Kepler-Uni-Klinikum warnt vor dem Trend, Drogen zu verharmlosen. Für Junge gehören sie zum „Lifestyle“.

„Krone“:Ein 17-jähriges Mädchen stirbt an Ecstasy. Sie sind nicht überrascht?

Kurosch Yazdi: Leider nein. Viele junge Leute nehmen Drogen, weil ihnen das ein Gefühl der Freiheit gibt. Nicht der Drogenrausch an sich, sondern, dass sie sich dafür entscheiden. Das ist eine Frage des Lebensgefühls. Gerade für die Jungen ist Drogenkonsum schon Teil der Alltagskultur. Dazu gehört auch, dass Drogen leider irrsinnig leicht zu bekommen sind.

„Krone“:Der Rauschgiftkonsum ist gesellschaftlich etabliert.

Kurosch Yazdi: Die Jugendlichen glauben zum Teil, zum Fortgehen und Coolsein gehört, irgendetwas zu schlucken. Sie kaufen sich in der Disco oder bei Festivals bunte Pillen, die mit kindlichen Symbolen bedruckt sind und wie harmlose Süßigkeiten aussehen - und haben aber gar keine Ahnung was wirklich drin ist, wie stark und gefährlich das Zeug ist.

„Krone“:Ecstasy gilt ja eigentlich nicht als Todesdroge.

Kurosch Yazdi: Weil es wie andere Drogen verharmlost wird. Das reine MDMA bekommt man selten. Viel gängiger sind Derivate, die oftmals viel stärker sind. Die Konsumenten bekommen Herzrhythmus-Störungen und manche überleben das nicht. Das passiert selten - aber keiner hat die Garantie, das es nicht ihn erwischt.

„Krone“:Was sagen Sie zu dem Vorschlag, Drogen geregelt in den Apotheken zu verkaufen?

Kurosch Yazdi: Es wird immer argumentiert, dass dadurch die Produktqualität besser würde. Das Gegenargument ist aber die Entwicklung in den USA. Dort kann man in einigen Bundesstaaten Cannabis ganz legal erwerben, dennoch blüht der Schwarzmarkt, weil ein Teil der Konsumenten immer auch noch stärkere Drogen haben will.

Interview: Christoph Gantner

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