Mo, 23. Juli 2018

NGO-Schiff in Spanien

17.06.2018 14:26

Italien jubelt: „Nicht mehr Fußabstreifer Europas“

Nach einer 1500 Kilometer langen Odyssee über das Mittelmeer ist das Flüchtlingsschiff Aquarius am Sonntag im Hafen der spanischen Stadt Valencia angekommen. Italien und Malta hatten die Aquarius zuvor abgewiesen und damit eine neue Krise in der EU-Flüchtlingspolitik ausgelöst. Schließlich erklärte sich Spanien bereit, die 630 Flüchtlinge ins Land zu lassen. Italiens Innenminister Matteo Salvini atmete erleichtert auf: „Zum ersten Mal landet ein von Libyen abgefahrenes Schiff mit Migranten nicht in Italien. Das ist ein Zeichen, dass sich etwas ändert. Wir sind nicht mehr die Fußabstreifer Europas“, kommentierte er auf Facebook.

Zuerst traf am Sonntagmorgen das italienische Marineschiff Dattilo in Valencia ein. Es hatte nach Angaben des Roten Kreuzes 247 Flüchtlinge an Bord. Gut vier Stunden später legte dann die Aquarius an. Das italienische Marineschiff Orione sollte nach Angaben der spanischen Behörden am Abend folgen.

„Beginn einer neuen Phase europäischer Solidarität“
Von einem „historischem Moment“ sprach der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli, der für Italiens Häfen zuständig ist. „Spaniens Beispiel ist nur der Beginn einer neuen Phase europäischer Solidarität“, twitterte der Politiker der Fünf Sterne-Bewegung. 

Kinder und Schwangere an Bord des Flüchtlingsschiffes
Die Flüchtlinge waren vor einer Woche bei verschiedenen Rettungsaktionen vor der libyschen Küste von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée aufgenommen worden. Unter den Geretteten waren elf kleine Kinder, 89 unbegleitete Minderjährige und mindestens sieben Schwangere. Sie kommen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen aus 26 Ländern, darunter neben afrikanischen Ländern auch Afghanistan, Pakistan und Bangladesch.

Als die Dattilo am Hafen anlegte, war an Bord Applaus zu hören. Auf der Aquarius wurde bei der Hafeneinfahrt getanzt und gesungen, wie auf einem Video von SOS Méditerranée auf Twitter zu sehen war. Nach dem Anlegen der Dattilo gingen zunächst Mediziner an Bord, um die Flüchtlinge untersuchen. Schwangere Frauen und Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Am Hafen standen 2320 Helfer bereit, um die Menschen aufzunehmen, darunter 470 Dolmetscher. Das Rote Kreuz verteilte Decken, Kleidung und Hygieneartikel.

Ärzte ohne Grenzen: „Flüchtlinge endlich an einem sicheren Ort“
„Das ist das Ende einer viel zu langen Reise“, sagte der Präsident von Ärzte ohne Grenzen in Spanien, David Noguera. Die Flüchtlinge seien nun endlich „an einem sicheren Ort“. Die Weigerung der italienischen Behörden, das Rettungsschiff anlegen zu lassen, kritisierte er als „negativen“ Präzedenzfall. Der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), Elhadj As Sy, dankte Spanien dafür, die Flüchtlinge „mit offenen Armen“ empfangen zu haben. „Wir fordern alle anderen Länder auf, dem Beispiel zu folgen und Bedürftigen zu helfen“, sagte Sy in Valencia.

Teil der Flüchtlinge soll nach Frankreich weiterreisen
Wie die spanische Regierung am Samstag bestätigte, soll ein Teil der Flüchtlinge von der Aquarius nach Frankreich weiterreisen, sofern sie das wollen und die Voraussetzungen für Asyl erfüllen. Frankreich hatte Italiens Weigerung, das Hilfsschiff einlaufen zu lassen, scharf kritisiert. Präsident Emmanuel Macron warf Rom „Zynismus und Verantwortungslosigkeit“ vor. Der französische Regierungssprecher Benjamin Griveaux konnte am Sonntag allerdings noch nicht sagen, wie viele Flüchtlinge Frankreich genau aufnehmen wird. Dies werde nun „von Fall zu Fall“ geprüft.

Italien sagt privaten Rettungsschiffen weiter den Kampf an
Italiens Innenminister Matteo Salvini bekräftigte unterdessen seine Ankündigung, private Rettungsschiffe künftig abzuweisen. Die Hilfsorganisationen sollten wissen, „dass Italien nicht länger Komplize beim Geschäft mit der illegalen Einwanderung sein will“, schrieb der Politiker der fremdenfeindlichen Lega-Partei am Samstag auf Facebook. Die Schiffe sollten sich andere Häfen außerhalb Italiens suchen.

Der Innenminister äußerte sich konkret zu zwei deutschen Hilfsschiffen: Die beiden Schiffe Seefuchs und Lifeline warteten vor der libyschen Küste auf ihre „menschliche Fracht, die von den Schleppern zurückgelassen wird“, schrieb Salvini. Die Seefuchs ist ein Rettungsschiff der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die „Lifeline“ wird von der Dresdner Organisation Mission Lifeline betrieben.

 krone.at
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