Junger Meisterdieb

"Catch Me If You Can" - 18-Jähriger narrt US-Polizei

Ausland
13.10.2009 11:07
Ein Milchbubi narrt die Polizei, fliegt durch die Weltgeschichte und wird erst nach jahrelanger Jagd geschnappt. Ein wenig erinnert die Geschichte von Colton Harris-Moore an die von Frank W. Abagnale, dessen Leben unter dem Titel "Catch Me If You Can" mit Leonardo DiCaprio verfilmt wurde. Mit seinen unorthodoxen Tricks trieb der Bub die Ermittler fast in den Wahnsinn. Doch jetzt, so scheint es, haben die Cops gesiegt.

Es war ein wildes Leben, das Colton Harris-Moore führte. In den vergangenen drei Jahren war der heute 18-Jährige zumeist auf der Flucht, stets gejagt von der Polizei. Immer wieder klaute er Flugzeuge, Autos und Boote, übernachtete in verlassenen Ferienhäusern und bestellte mit geklauten Kreditkarten Computer. Doch jetzt haben ihm seine Häscher das Handwerk gelegt. Endlich, so werden sich die Beamten gedacht haben. Denn mit seinen Aktionen ließ der Strizzi die Cops wie Amateure aussehen.

Ausflüge in geklauten Flugzeugen - inklusive Bruchlandung
Bereits mit zwölf Jahren war Colton Harris-Moore zum ersten Mal aufgefallen. Damals wurde er nahe seiner Heimat Seattle beim Ladendiebstahl ertappt. Im Vergleich zu dem, was später folgen sollte, war das jedoch eine Bagatelle. Denn mit 15 Jahren wendete er sich – im wahrsten Sinne des Wortes - höheren Zielen zu. Fortan klaute Colton bevorzugt Autos, Boote und vor allem Kleinflugzeuge. Diese flog er so lange, bis der Tank leer war. Oft konnte er nur noch im Segelflug zur Erde zurückkehren, nicht wenige seiner "Ausflüge" endeten mit einem Crash. Doch wie durch ein Wunder blieb der Teenager, der wegen seiner Abneigung gegen Schuhe in den USA "Barfuß-Bandit" genannt wird, stets unverletzt.

Um seine Flucht zu finanzieren, bestellte der Bub mit geklauten Kreditkartennummern und in fremdem Namen Waren aus dem Internet. Die Lieferungen fing er ab und verscherbelte die - zumeist hochpreisigen - Elektrogeräte einfach weiter. "Er konnte sehr freundlich und sehr überzeugend sein", sagt einer seiner Jäger.

Freche Fotos für die Polizei
Doch auch keckes, ja, freches Auftreten gehörte zu seinem Repertoire. Als er kürzlich ein Auto klaute, schoss er mit einer gestohlenen Digitalkamera einige Fotos von sich (siehe Bild) und ließ das Gerät absichtlich im Auto zurück. Die Cops veröffentlichten die Bilder - in der Hoffnung auf Hinweise auf den Flüchtigen. Doch stattdessen gründete sich ein Internet-Fanklub, der seinen Helden zu neuen Straftaten anfeuerte. Die Fotos druckten sich die Mitglieder auf T-Shirts, Tassen und Mousepads.

List führte zu erster Festnahme
Erst mit einer List gelang es den Beamten, den Bub ein erstes Mal zu schnappen. Sie wussten von seiner Vorliebe für Pizza, weil sie an all seinen verlassenen Quartieren stets massenweise leere Pizzakartons entdeckt hatten. Also instruierten sie den Lieferservice im Heimatort seiner Mutter. Und siehe da: Bei Coltons nächstem Familienbesuch setzte er gleich eine Bestellung ab. Ein Polizist spielte den Pizza-Lieferanten und schon klickten die Handschellen.

Nach kurzer Zeit kam Colton aber schon wieder frei und dachte gar nicht daran, sein Treiben zu beenden. Auch seine Mutter wollte ihm nicht gut zureden. "Wenn er wirklich ohne irgendwelche Vorerfahrung Flugzeuge geflogen hat, dann bin ich mächtig stolz auf ihn", so Pam Kohler.

Kurze Verschnaufpause für die Ermittler?
Dass die Flucht jetzt vorbei ist, verdankt die Polizei einem aufmerksamen Bürger. Er entdeckte in einem benachbarten Ferienhaus Licht - obwohl dort offiziell grad niemand wohnte. Gleich zwölf Beamte rückten zu der Hütte aus. Sicher ist sicher. Und siehe da: Colton ließ sich ohne großen Widerstand verhaften.

Rechtsexperten schätzen, dass Colton Harris-Moore nun mindestens für drei Jahre in den Häfn wandert. Die Ermittler können sich also über eine kurze Verschnaufpause freuen – bevor die Jagd bald vielleicht schon wieder von vorn beginnt.

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