Nach 24 Suiziden

Frankreich: Bald "Stressverbot" in Großkonzernen?

Ausland
11.10.2009 15:44
Binnen 19 Monaten haben sich 24 Mitarbeiter von France Telecom das Leben genommen. Gewerkschaftsvertreter führen das auf immer unmenschlicher werdende Arbeitsbedingungen zurück. Nach Massendemonstrationen und Streiks will die Regierung Konzerne jetzt zu Stress vermeidenden Maßnahmen zwingen.

Arbeitsminister Darcos will die von Experten bis zum 1. Februar erstellten Anti-Stress-Regeln streng überwachen und Firmen, die ihre Mitarbeiter weiter systematisch unter Druck setzen, im Internet an den Pranger stellen.

Vizedirektor musste gehen
Verbindlich sollen die Regeln nur für Konzerne mit mehr als 1.000 Mitarbeitern gelten. Bei France Telecom musste der wegen seines harten Sparkurses als Kostenkiller verschriene Vizedirektor Louis-Pierre Wenes schon seinen Platz räumen, sein Nachfolger versprach eine soziale Erneuerung.

Chef gesteht Fehler ein
Auch France-Telecom-Chef Didier Lombard hat Fehler eingestanden. Er habe "wahrscheinlich bestimmten Anzeichen" für die Stimmung und Lage der Beschäftigten "nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt", sagte Lombard. Im laufenden Konzernumbau sei "eine gewisse Zahl menschlicher Faktoren unterschätzt worden". Um das Unternehmen leistungsfähiger zu machen, habe das Management "zu schnell große Veränderungen" durchsetzen wollen.

22.000 Arbeitsplätze gestrichen
Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren 22.000 Arbeitsplätze gestrichen, Mitarbeiter mit dem Programm "time to move" dauernd zwangsversetzt und ihre Zielvorgaben immer wieder erhöht. Zuletzt hatte ein 51-Jähriger wegen dieser Arbeitsbedingungen Selbstmord begangen.

Kronen Zeitung und krone.at

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