Fr, 20. Juli 2018

Glawischnig & Co.

03.03.2018 18:05

Altpolitiker und ihre neuen Jobs: Frage der Moral

Was soll ein Spitzenpolitiker, der an Macht gewöhnt ist, nach seiner Karriere machen? Die Verlockung auf einen zumindest fragwürdigen Job für einen nicht minder fragwürdigen Partner scheint groß. Die neue Tätigkeit ist oft das komplette Gegenteil dessen, wofür die ehemalige politische Arbeit gestanden ist. Eva Glawischnig und Alfred Gusenbauer sind keine Einzelfälle.

Deutschlands Altkanzler Gerhard Schröder machte wenige Tage vor seinem Ausscheiden aus der Politik den Weg frei für den Bau der russischen Gaspipeline Nord Stream – wenig später saß er bei der Betreiberfirma im Aufsichtsrat.

Ex-Grünen-Außenminister Joschka Fischer Lobbyist und Berater
Immerhin ein Jahr ließ sich der ehemalige deutsche Grünen-Politiker und Außenminister Joschka Fischer Zeit. Dann wechselte er auf eine Seite, die einem Grünen wenig zu Gesicht steht – als Lobbyist und Berater zu BMW, dem Energiekonzern RWE oder auch der OMV.

Ex-EU-Kommissionspräsident Barroso bei US-Investmentbank Goldman Sachs
Der ehemalige Ministerpräsident Portugals und Ex-EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso veranlasste die Europäische Union gar zu einem verschärften Verhaltenskodex. Barroso ist Lobbyist bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs.

Auch Romano Prodi war einmal EU-Kommissionspräsident (und davor italienischer Ministerpräsident). Er machte gemeinsam mit Alfred Gusenbauer Stimmung für die Ukraine.

Blair verdient Millionen durch Reden und Beraterverträge
Großbritanniens Ex-Premierminister Tony Blair hat seit seinem Ausscheiden aus dem Amt 20 Millionen Pfund (gut 22 Millionen Euro) durch Reden und Beraterverträge verdient. Er verschwieg zwei Jahre lang, dass er den südkoreanischen Ölbaron Kyu Sun Choi, der schon wegen Bestechung im Gefängnis saß, berät.

Auch Spindelegger geriet ins Kreuzfeuer der Kritik
Auch Österreichs Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger geriet im Jahr 2015 ins Kreuzfeuer der Kritik: Er war kurzfristig Präsident der durchaus umstrittenen „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“, die vom ukrainischen Oligarchen Dimitri Firtasch, gegen den ein europäischer Haftbefehl bestand, finanziert wird.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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