Strache nach Einbruch:

„Wanze war hinter meinem Schreibtisch versteckt“

Österreich
25.01.2018 15:41

"Das ist doch Wahnsinn: Da wird man als Vizekanzler angelobt und nur wenige Tage später wird aufgedeckt, dass mein Büro verwanzt ist", schüttelt Heinz-Christian Strache im Interview fassungslos den Kopf. Im Gespräch mit krone.at erklärt der Vizekanzler und FPÖ-Chef ganz genau, wo die Abhöranlage versteckt war: "Der Kabelstrang dazu ging von einer kleinen Lautsprecherbox an der Spiegeltür hinter meinem Schreibtisch hundert Meter weit über andere Büros bis ins Freie."

"Ich rate wirklich jedem Regierungsmitglied, alle Büros sofort von den Profis des Heeresabwehramts überprüfen zu lassen", berichtet Strache von der Abhör-Causa im Palais Dietrichstein am Wiener Minoritenplatz. Gleich nach der Angelobung habe er seinen Generalsekretär gebeten, dass die Spezialisten des Nachrichtendienstes seinen Amtssitz auf Abhöranlagen untersuchen. Strache: "In der FPÖ-Zentrale haben wir das regelmäßig von privaten Experten machen lassen."

Bei ihrem Einsatz wurden die Geheimdienst-Profis des Heeres im Palais bald fündig, erzählt der FPÖ-Chef: "Direkt hinter meinem Schreibtisch steht hinter einer Spiegelwand eine Musikbox. Da fiel sofort auf: Der Lautsprecher ist alt, aber die Kabel absolut neuwertig. Und dort wurde auch die Wanze entdeckt."

Der Schreibtisch des Vizekanzlers (Bild: krone.tv)
Der Schreibtisch des Vizekanzlers

"Konnte jederzeit aktiviert werden"
Die Kabel liefen von dieser Spiegelwand zum Büro seines Kabinettschefs Roland Weinert, von dort dann gut hundert Meter bis ins Freie. "Vom Ende des Kabelstranges konnte die Anlage jederzeit aktiviert werden", ließ sich der Vizekanzler vom Heeresabwehramt informieren. Diese Experten plombierten dann die gesamte Anlage, eine Inbetriebnahme war damit seit wenigen Tagen unmöglich.

"Irgendwer hat dann festgestellt, dass diese Abhöreinrichtung defekt war – und ist offenbar gestern in das Palais eingedrungen, um direkt in meinem Büro nachzusehen. Das ist wirklich ungeheuerlich", sagt der Vizekanzler. Mitarbeiter Straches haben den Einbrecher nur um wenige Sekunden verpasst: Der Täter konnte unerkannt flüchten. Interessant wird dazu auch sein, was auf den Überwachungskameras des Palais Dietrichstein zu sehen ist – das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) ermittelt.

Vizekanzler Strache auf Facebook: "Der aufgedeckte Spitzel- und Abhörskandal ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich." (Bild: facebook.com/HCStrache)
Vizekanzler Strache auf Facebook: "Der aufgedeckte Spitzel- und Abhörskandal ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich."

Wer wird noch bespitzelt?
Dass auch Sebastian Kurz im nahen Kanzleramt bespitzelt werden sollte, ist noch nicht vollkommen geklärt: Bisher hat nur ein Nachrichtendienst das Gebäude und die Amtsräume des ÖVP-Chefs durchsucht – jedoch nicht jener, der die Wanzen in den Amtsräumen des Vizekanzlers entdeckt hat. Eine umfassende Untersuchung auch durch die Spezialisten des Bundesheeres sei bereits geplant.

Übrigens ist sehr wahrscheinlich, dass auch andere Regierungsmitglieder, die im Palais Dietrichstein residierten, über die nun entdeckte Abhöranlage bespitzelt worden sind – etwa auch Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) ...

Richard Schmitt
Richard Schmitt
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