Schmerzhaft war für Dieguito vor allem der Vorstoß von Julio Grondona. Nach den Quali-Schlappen in Bolivien (1:6) und Ecuador (0:2) fordert der Verbandschef nun die Rückkehr Riquelmes. Zeitungen behaupten, dass ein Sponsor, eine Sportartikelfirma, die Initiative Grondonas beschleunigt und mit Geldentzug gedroht habe. Riquelme war Anfang des Jahres nach öffentlicher Kritik von Maradona von der Nationalelf zurückgetreten - zum zweiten Mal. Nach der WM 2006 wollte er schon einmal nicht mehr, "weil meine Mutter die Kritik in den Medien nicht verträgt", wie er damals sagte.
"Riquelme hat das Team im Stich gelassen"
Maradona schwieg lange, reagierte am Donnerstag auf die Seifenoper aber gereizt: "Grondona hat mich wegen Riquelme überhaupt nicht angesprochen. Riquelme kann ich eventuell berufen, aber er muss dem Team erklären, weshalb er es im Stich gelassen hat", sagte der einstige Weltfußballer. Nach Angaben der Zeitung "Critica" sprechen der Coach und der Verbandschef überhaupt nicht mehr miteinander. Der gewiefte "Pate" Grondona, der die Geschicke des Fußballs am Rio de la Plata seit nunmehr 30 Jahren lenkt, lässt sich auf keine öffentlichen Diskussionen ein. Der 78-Jährige mit dem Stil eines gutmütigen Opas schickt dafür einen Verbandsberater in die Bresche. Und der, Enrique Merelas, macht seinen Job bisher gründlich.
"Mit einem Fuß auf der Intensivstation"
"Wir sind mit einem Fuß auf der Intensivstation", klagte Merelas an einem Tag, und meinte damit den vierten Tabellenplatz im Quali-Turnier, der am Ende gerade noch das letzte WM-Direktticket bedeutet. An anderen Tagen schoss Grondonas Freund ohne Gnade: "Niemand arbeitet in der Nationalelf", "Das Trainerteam ist nicht fähig genug", "Wenn wir uns doch qualifizieren, haben wir das den Spielern zu verdanken", "Nicht nur Riquelme fehlt, auch Banega, Higuain, Cavenaghi, Zabaleta, Fazio, Garay", "Ich war schon immer gegen Maradona als Trainer". Und ein schwerer Vorwurf: "Unter den Co-Trainern von Maradona ist ein Spielervertreter (Alejandro Mancuso), ist das in Ordnung?". Verbandsboss Grondona schweigt unterdessen.
Maradona liegt im Clinch mit River Plate
Aber nicht nur mit dem Verband hat Maradona Ärger. Die Führung des einflussreichen Clubs River Plate stellte die körperliche und psychische Eignung des Weltmeisters von 1986 für das Amt des Nationaltrainers infrage. Damit reagierte River auf heftige Kritik Maradonas am Zustand des Monumental-Stadions nach dem Länderspiel-Sieg gegen Kolumbien (1:0). Maradonas Anwälte drohten River-Präsident Jose Maria Aguilar mit einer Klage. "Es ist Krieg", schrieb eine Zeitung. Das Schicksalsduell gegen Brasilien Anfang September soll nun im 300 Kilometer entfernten Rosario stattfinden. Die offizielle Begründung dafür war allerdings, dass im Stadion von Rosario die Stimmung von den Rängen besser auf die Mannschaft überspringen könne.
Schwiegersohn soll Diegos Tochter betrogen haben
Außerdem müssen die "Gauchos" im September auch zum Tabellendritten Paraguay. Ob Maradonas Schwiegersohn Aguero dann mit von der Partie sein wird ist offen, denn in der Nationalelf bahnt sich auch ein Familienstreit an. Der Stürmer von Atletico Madrid soll Maradonas Tochter Giannina mit einer Pop-Sängerin betrogen haben, die alles im argentinischen Fernsehen ausgeplaudert hat. Maradona sei vielen im Verband schon nach wenigen Amtsmonaten "wie ein Pflock im Hals", meint Journalist Alberto Callegari. Es gehe die Angst um, dass die WM tatsächlich ohne den zweifachen Weltmeister stattfinden könne.
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