Klinsmann, der das Gelände des FC Bayern mit seinem Dienstwagen fluchtartig verließ (im Bild), hat inzwischen Stellung zu seiner Kündigung bezogen: "Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht. Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern München, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken. Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison Meister werden kann."
Großer Imageschaden
"Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht", versicherte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Montag. "Aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise, wie diese zustande kamen, und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Club gegenüber zu handeln." Auch für den Vorstand ist das vorzeitig beendete Projekt mit dem ehemaligen deutschen Teamchef ein großer Imageschaden.
Heynckes/Gerland übernehmen
Der zuletzt pausierende Heynckes übernimmt am Dienstag das Training mit den Bayern-Profis. Ihm steht Hermann Gerland, der Trainer der Drittliga-Mannschaft des FC Bayern, zur Seite. "Mit Jupp Heynckes und Hermann Gerland haben wir zwei erfahrene Trainer, denen wir die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen", erklärte Rummenigge.
Heynckes wurde in seiner ersten Münchner Amtszeit von 1987 bis zu seiner Entlassung am 8. Oktober 1991 zweimal Meister (1989, 1990). Mit Real Madrid feierte er 1998 mit dem Gewinn der Champions League seinen jüngsten großen Erfolg - nach dem gewonnenen Finale musste er die "Königlichen" allerdings verlassen.
Klinsmann raste davon
Klinsmann war in der Früh des für die Profis trainingsfreien Tages um 9.23 Uhr auf das Vereinsgelände gekommen. Im Gespräch mit dem Vorstand wurde er dann von dem vorzeitigen Ende der Zusammenarbeit unterrichtet. Auch Klinsmanns Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof wurden entlassen. Klinsmann verließ die Tiefgarage auf dem Vereinsgelände um 11.30 Uhr beinahe fluchtartig.
Klinsmanns Entlassung ist der insgesamt vierte Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison. Der ehemalige Bundestrainer hatte als Wunschtrainer des Münchner Vorstandes um Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sein Amt im vergangenen Juli als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld angetreten. Klinsmanns Vertrag wäre am 30. Juni 2010 ausgelaufen, er wird deshalb wohl eine Millionen-Abfindung erhalten.
Die Chance auf den Titel lebt
Klinsmann hatte sich noch am Samstag nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schalke überzeugt gezeigt, dass er weiterhin das Vertrauen der Vereinsführung genieße. "Wir ziehen das durch. Die Chemie stimmt intern", hatte der ehemalige Bundestrainer erklärt, der nun auf seiner ersten Station als Vereinscoach vorzeitig gescheitert ist. Am Sonntag hatte er letztmals das Training des Tabellendritten geleitet. Mit den Bayern war Klinsmann in der Champions League und im DFB-Cup bereits jeweils im Viertelfinale ausgeschieden. Bei nur drei Punkten Rückstand auf den VfL Wolfsburg haben die Bayern als Tabellendritter aber noch immer die Chance auf den 22. Meistertitel.
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