Mi, 15. August 2018

Verbrechen geklärt

12.02.2009 07:26

Kardelens Mörder in der Türkei gefasst

Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Kardelen aus dem deutschen Paderborn ist festgenommen worden. Der 29-jährige Ali Kur wurde im Westen der Türkei verhaftet, er bestreitet die Tat. Kur hatte sich in der Ortschaft Didim im Haus einer Tante versteckt. Er stellte sich nicht ganz freiwillig, nachdem er vom Vater seiner Ehefrau aufgespürt worden war und einen Ehrenmord befürchtete. Kur soll Kardelen in Paderborn sexuell missbraucht und erstickt haben, danach flüchtete er in die Türkei.

Nach einem Termin beim Haftrichter sei Ali K. in Untersuchungshaft genommen worden, berichteten türkische Medien am Donnerstag. Der Zeitung "Hürriyet" zufolge bestreitet K., im Jänner die achtjährige Kardelen in Deutschland getötet zu haben. "So etwas gab es nicht", rief K. demnach nach seinem Hafttermin wartenden Journalisten zu. Die Wahrheit werde ans Licht kommen.

1.000 Spuren nachgegangen

Die Mordkommission hatte nach dem Mord wochenlang fieberhaft ermittelt. 60 Beamte waren rund 1.000 Spuren nachgegangen. Die Leiche der Achtjährigen wurde schließlich am 15. Jänner in einem Waldstück am Möhnesee im Sauerland, 60 Kilometer von Paderborn entfernt, gefunden. Zuvor hatten Passanten die Kleidung des Kindes am Straßenrand liegen sehen. Das Verbrechen hatte in Deutschland und auch in der Türkei Wut, Trauer und Entrüstung ausgelöst. Als dringend tatverdächtig galt von Beginn an der 29-jährige Ali Kur, ein Nachbar der Familie von Kardelen, der mit seiner Frau zwei Tage nach dem Verbrechen vom Flughafen Köln/Bonn aus nach Izmir in die Türkei geflogen ist. Seither wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Schwiegervater spürte Mörder auf
"Das war für mich eine Frage der Ehre", sagte Kurs Schwiegervater Kadir Ayaz (49) nach der Festnahme. Er habe den Täter aber immer der Justiz übergeben wollen, fügte er hinzu, nachdem es in Deutschland Befürchtungen gegeben hatte, es könne zu einem sogenannten Ehrenmord kommen. Ayaz wollte nach eigenen Angaben alles für eine Festnahme des Schwiegersohnes unternehmen: Er reiste in die Türkei und stellte ein Team aus 20 Männern zusammen, darunter mehrere Privatdetektive, wie er sagte. "Fünf Tage lang folgten wir seiner Spur. Wir suchten alle möglichen Verstecke ab", sagte der Mann, der mit einer Deutschen verheiratet ist und vier Kinder hat. 

Der Vater des Gesuchten lebt in der Provinzhauptstadt Aydin im Westen der Türkei. Von dort sind es mit dem Auto etwa 100 Kilometer bis nach Didim, einem auch bei Touristen beliebten Küstenort mit mehreren schönen Buchten und 42.000 Einwohnern. Kurs Tante, eine Schwester des Vaters, hat dort ein Haus. Über die Eltern kam es zum entscheidenden Telefonkontakt. Der Untergetauchte stimmte einem Treffen in Didim zu, verlangte aber, der Schwiegervater müsse allein kommen. "Ich weiß, dass er ein Psychopath ist", sagte Ayaz. Deswegen habe er drei Männer zu dem Treffen mitgenommen. In einem Auto ohne Kennzeichen sei der Gesuchte auf dem Atatürk Boulevard in Didim angefahren gekommen. Als er die Begleiter seines Schwiegervaters sah, gab er Gas und fuhr direkt zur Polizei, heißt es in türkischen Berichten.

Gerichtsverfahren in der Türkei
Der 29-Jährige wurde noch in der Nacht sechs Stunden von der türkischen Polizei verhört, die sich zunächst auch auf Anfrage nicht öffentlich äußerte. Am Morgen brachten ihn Beamte zum Gerichtsgebäude in Didim. Am Mittwoch wurde zunächst keine weitere Entscheidung bekannt, aber die Zeichen standen auf ein Gerichtsverfahren in der Türkei. Die Staatsanwaltschaft in Paderborn hat signalisiert, dass sie ein Verfahren in der Türkei respektieren würde. "Auf Mord steht lebenslange Haftstrafe. Dass es ein Kind war, erschwert die Tat", sagte die Istanbuler Anwältin Esin Kilic Erdogan zur möglichen Strafe.

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