Sa, 21. Juli 2018

Limits für Manager

07.02.2009 14:14

Geht's jetzt auch unseren Managern ans Börsel?

SPÖ und ÖVP haben am Freitag im Windschatten der neuen Manager-Gehaltspolitik des US-Präsidenten Barack Obama die Diskussion um Maximalgagen für heimische Unternehmenschefs und Vorstände wieder aufleben lassen. Vorstands-Saläre sollen in Unternehmen, die Staatshilfe erhalten, gekappt werden, so der SPÖ-Vorschlag. SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder kündigte via Ö1 an, er würde entsprechende Restriktionen auch auf staatsnahe Betriebe - etwa die AUA - anwenden wollen. Zu solchen Unternehmen gehört etwa die Staatsholding ÖIAG. Genug zu kürzen gäbe es: Für das Jahressalär des dortigen Chefs müsste der Durchschnittsösterreicher satte 24 Jahre arbeiten.

"Otto Normalverbraucher" verdiente im Jahr 2007 knapp 30.000 Euro brutto. Somit müsste er 24 Jahre lang arbeiten, damit er auf ein einziges Jahresgehalt von ÖIAG-Chef Peter Michaelis kommt. Um auf das Jahressalär der Verbund-Vorstände zu kommen, muss er immerhin noch 22 Jahre molochen. Und um dem ÖBB-Chef Martin Klugar finanziell auf gleicher Höhe zu begegnen, muss 18 Jahre lang gearbeitet werden. Für ein Jahreseinkommen wie des glücklosen AUA-Chefs Alfred Ötsch müssen 14 Jahre veranschlagt werden, bis der Durchschnittsbeschäftigte gleiche Flughöhe erreicht.

Wer auf das Jahresgehalt von Erste Bank-Chef Andreas Treichl kommen will - die Erste Bank hat um staatliche Hilfe aus dem Bankenpaket angesucht -, muss auf ein medizinisches Wunder hoffen. Hierfür müsste Frau und Herr Durchschnittsösterreicher fast 150 Jahre lang werken. Ein internationaler Vergleich: Um das Gehalt von Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, zu erreichen, muss man in etwa ein halbes Jahrhundert durcharbeiten. Allerdings kann auch ein österreichisches Durchschnittsgehalt astronomisch sein. Ein indischer Reisbauer muss sein ganzes Leben lang schuften, um das Jahresgehalt eines Alpenbürgers zu lukrieren...

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Schieder: "Limit gerechtfertigt"
Die Große Koalition hat jedenfalls am Freitag einen neuen Anlauf zu einem Manager-Gehaltslimit gestartet: In Unternehmen, wo das Management ohne die Hilfe des Staates nicht mehr weiterkommt, sei es gerechtfertigt zu sagen, "ja, die Hilfe des Staates gibt es unter bestimmten Auflagen", so Schieder im Morgenjournal des ORF-Radios. Einen Betrag hat Schieder allerdings nicht genannt.

Sein Regierungs-Gegenüber, ÖVP-Finanzstaatsekretär Reinhold Lopatka, zeigte sich zunächst reserviert, versprach aber, den Wünschen des Koalitionspartners offen gegenüber zu stehen. Derzeit ist lediglich im "Bankenpaket" ein Verzicht auf Bonizahlungen für ein Jahr vorgesehen, die Grundgehälter der Bankmanager blieben unangetastet. Noch keine Regelung gibt es für jene Betriebe, die kurz arbeiten und somit auch Geld vom Steuerzahler erhalten.

Schieder kann sich vorstellen, die Limits auch für staatsnahe Betriebe anzuwenden. Als Beispiel nannte er die AUA. Dort ist die Republik zwar gerade beim Verkauf ihrer Anteile an die deutsche Lufthansa, der Schuldenerlass von 500 Millionen Euro und die etwa halb so hohe staatliche Hilfe würden aber ein Limit rechtfertigen. Bonuszahlungen, so Schieder, dürfte es aber auf jeden Fall keine geben, "wenn man sich anschaut, in welchem Zustand dieses Unternehmen vom scheidenden Management hinterlassen wurde".

Bures: Nachhaltigkeit als Voraussetzung für Boni
Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) sprach sich in einer ersten Reaktion auf Schieders Vorstoß für neue Kriterien bei den Erfolgsprämien in staatlichen und teilstaatlichen Betrieben aus. Diese sollen sich künftig nicht nur mehr am Bilanzgewinn orientieren, sondern auch an der Nachhaltigkeit des Führungsstils. Demnach soll auch berücksichtigt werden, wie gut die Manager die Arbeitsplätze abgesichert haben, so Bures am Freitag. Wie diese Nachhaltigkeit in Geld umgerechnet werden soll, will die Infrastrukturministerin gemeinsam mit dem Rechnungshof klären.

Geht es nach ihren Regierungskollegen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) dann soll es künftig für alle Unternehmen, die Staatshilfe bekommen, Gehaltsobergrenzen und ein Storno der Erfolgsprämien geben. Ob dies verpflichtend kommen soll, ließ Mitterlehner aber offen. Faymann sprach von einer "begrüßenswerten Idee".

Unterschiedliche Forderungen der Oppositionsparteien
Die FPÖ will den staatsnahen Betrieben vorschreiben, dass sie den Managern nicht mehr zahlen dürfen als der Bundeskanzler verdient. Das wären rund 20.000 Euro brutto pro Monat - bereits ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verdient 349.000 Euro pro Jahr. Das BZÖ wiederum will der OMV, die zu mehr als zwei Drittel privaten Investoren gehört, einen Verzicht bei den Vorstandsprovisionen diktieren. Die Grünen hingegen wollen nur Obergrenzen, wenn die Unternehmen eine Finanzspritze vom Staat bekommen.

Eine differenziertere Diskussion forderte Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger. Gerade in schwierigen Zeiten brauche man gute Manager, die eben auch eine entsprechende Entlohnung erwarten. Er sprach sich aber dafür aus, dass die Erfolgsprovisionen nicht mehr jährlich, sondern am Ende der Vorstandsperiode ausbezahlt werden, um für mehr Nachhaltigkeit bei den Erfolgskriterien zu sorgen.

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